Christine Neubauer trauert um Mario Adorf: „Und doch trägt meine Erinnerung noch eine andere“

Mit Mario Adorf verliert die Film- und Fernsehlandschaft eine ihrer prägendsten Persönlichkeiten. Über Jahrzehnte hinweg begeisterte der gebürtige Züricher mit markanter Stimme, großer Präsenz und unverwechselbarem Charisma ein Millionenpublikum – in Deutschland ebenso wie international. Ob im Kino, im Fernsehen oder auf der Bühne: Adorf gehörte zu den wenigen Schauspielern, die Generationen von Zuschauern geprägt und die Branche nachhaltig beeinflusst haben. Adorf schlief am Mittwoch (8. April) in seiner Pariser Wohnung ein  Ehefrau Monique war bei ihm.

Entsprechend groß ist die Trauer bei Publikum, Wegbegleitern und Prominenten: 

Christine Neubauer sagt der AZ: „Es fällt mir schwer, die richtigen Worte zu finden. Mit dem Tod von Mario Adorf ist für mich nicht nur ein großer Schauspieler gegangen, sondern auch ein Mensch, der mich auf ganz besondere Weise begleitet hat. Ich durfte mehrfach mit ihm drehen, sogar in einer Zeit, in der ich selbst noch ganz am Anfang stand. Diese Begegnungen haben mich geprägt. Als Kollege war er warmherzig, aufmerksam und von einer Größe, die man nicht lernen kann. Als Mensch habe ich ihn von Herzen geschätzt.“

Christine Neubauer: „Für mich war er immer eine Legende“

Neubauer meint weiter: „Und doch trägt meine Erinnerung noch eine andere, fast kindliche Facette in sich: Als junge Zuschauerin, als Winnetou-verliebtes Mädchen, hatte ich eine unglaubliche Antipathie. Nicht wirklich zu ihm, sondern zu seiner Rolle. Aber genau darin lag seine unglaubliche Kraft. Er war so überzeugend, so wahrhaftig in seinen Rollen, dass man gar nicht anders konnte, als mitzufühlen. Dieses ‚Groll-Gefühl‘ war in Wahrheit nichts anderes als Bewunderung für sein außergewöhnliches Talent. Für mich war er immer eine Legende. Einer von denen, die das Kino größer gemacht haben, die Geschichten zum Leben erwecken konnten, wie es nur die ganz Großen vermögen. Und wieder verlässt einer dieser Großen die Bühne. Einer der Stars, die diese Filmwelt geprägt haben wie nur wenige. Was bleibt, ist Dankbarkeit und eine tiefe, leise Wehmut.“

Florian Silbereisen: „Auch im Himmel wird man ihm gerne zuhören“

Florian Silbereisen trauert in der AZ. Adorf war 2016 beim Entertainer in der ARD-Sendung: „Ich werde seinen Auftritt, in unserer ‚Adventsfest‘-Show nie vergessen: Er war wirklich ein ganz Großer! Auch im Himmel wird man ihm gerne zuhören, wenn er mit seiner Weisheit und einem Schmunzeln Geschichten erzählt…“

Florian Silbereisen begrüßte Mario Adorf beim "Adventsfest der 100 000 Lichter" im November 2016
Florian Silbereisen begrüßte Mario Adorf beim „Adventsfest der 100 000 Lichter“ im November 2016
© imago/Future Image
Florian Silbereisen begrüßte Mario Adorf beim „Adventsfest der 100 000 Lichter“ im November 2016

von imago/Future Image

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„Mario Adorf war selbst beim Dinner ein Schauspieler. Er war immer lustig“

Frederic Prinz von Anhalt erfährt von der AZ vom Tod von Mario Adorf. Seine Stimme bricht: „Ich bin schockiert. Das gibt’s doch gar nicht. Das geht mir jetzt sehr nahe. Ich erinnere mich gerne an unsere gemeinsame Zeit in London. Wir waren jedes Mal im Hotel Claridge’s beim Dinner. Selbst am Tisch war Mario Adorf Schauspieler. Er war immer munter, fröhlich und lustig. Seine Sprüche waren urkomisch und treffend. Mario blieb immer bodenständig, sich immer treu und den Menschen, die er mochte, loyal. Ich werde seine Schnauze sehr vermissen.“

Roberto Blanco: „Alle Momente mit ihm waren besonders“

Roberto Blanco zur AZ: „Ich kannte ihn sehr lange und gut. Wir haben uns immer wieder getroffen, sei es auf Events, bei privaten Festen oder auch in der Lounge von Lufthansa. Alle Momente mit ihm waren besonders, wir haben uns viel über das Showbiz und das Leben ausgetauscht. Es tut mir sehr leid, dass er nun nicht mehr unter uns weilt. Das Leben geht weiter. Zu seinem letzten Geburtstag konnten wir leider nicht persönlich erscheinen, aber wir haben ihm ein schönes Video mit Glückwünschen geschickt. Er war ein toller Schauspieler und Freund.“

„Es gibt eine Anekdote, die für ihn und seine Art Menschsein stand“

TV-Star Julian F.M. Stoeckel erinnert sich in der AZ: „Mario Adorf hat über die Grenzen des deutschsprachigen Raums gedreht und war damit DER deutsche Schauspieler, u.a. mit Billy Wilder. Kein Deutscher war so international berühmt wie Mario Adorf. Meine Freundin Hannelore Elsner hatte ihn mir mal vorgestellt. Die kannten sich ja über 50 Jahre. Ich durfte Mario Adorf danach noch einmal von einer anderen Seite kennenlernen.“

Entertainer Julian F.M. Stoeckel lernte Mario Adorf über Hannelore Elsner kennen
Entertainer Julian F.M. Stoeckel lernte Mario Adorf über Hannelore Elsner kennen
© privat
Entertainer Julian F.M. Stoeckel lernte Mario Adorf über Hannelore Elsner kennen

von privat

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Stoeckel erzählt der AZ von einem ganz besonderen Adorf-Moment: „Es gibt eine Anekdote, die für ihn und seine Art Menschsein stand. Bei der Trauerfeier für Hannelore Elsner saß ich hinter Hannelores Sohn und fragte meinen Freund, wo denn Mario Adorf bleibe. Er kam als allerletzter in die Kirche, hat sich nicht fotografieren lassen und hat sich hinten irgendwo hingesetzt, um für sich zu trauern. Das zeigte seinen wirklichen Charakter und Stil, dass er sich nicht in den Mittelpunkt gerückt und selbst zelebriert hat. Beim anschließenden Leichenschmaus war Mario Adorf die tiefe Trauer über den Tod von Hannelore Elsner deutlich ins Gesicht geschrieben. Mario Adorf war eine besondere, integre Persönlichkeit, die man heutzutage gar nicht mehr findet.“