Auswirkungen des Iran-KriegsEnergieagentur warnt wegen Ölkrise vor „schwarzem April“
07.04.2026, 11:30 Uhr
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Die Benzinpreise verzeichnen einen Höchststand nach dem anderen. Die Folgen des Krieges in Nahost treffen Verbraucher und Unternehmen spürbar. Die IEA sieht inzwischen eine historische Krise. Doch in der böten sich auch gute Chancen für die Versorgung der Zukunft.
Die aktuelle Energiekrise infolge des Iran-Kriegs wird nach Einschätzung der Internationalen Energieagentur (IEA) die geopolitische Lage im Energiebereich „grundlegend verändern“. IEA-Direktor Fatih Birol sagte der französischen Zeitung „Figaro“, die aktuelle Krise sei „schwerwiegender als die Krisen von 1973, 1979 und 2022 zusammen“. Die Welt habe noch nie eine Unterbrechung der Energieversorgung dieses Ausmaßes erlebt.
Es gebe aber auch „Gründe für Optimismus“: So werde die Energiekrise etwa den Ausbau der erneuerbaren Energien beschleunigen. Die Veränderungen im Energiebereich würden „Jahre dauern“, sagte Birol der Zeitung. Bestimmte Technologien würden sich aber schneller weiterentwickeln als andere – etwa Solar- und Windenergie, wo Anlagen „sehr schnell“ installiert werden könnten. „Es wird sehr schnell, innerhalb weniger Monate, auf erneuerbare Energien zurückgegriffen werden.“
Zudem werde die Krise auch „den Schwung zugunsten der Kernenergie, einschließlich kleiner modularer Reaktoren, wiederbeleben“. Aktuell aber müssten die Staaten Energie „so vorsichtig wie möglich“ nutzen, sparen und die Effizienz verbessern, riet Birol.
Denn „dieser Krieg legt eine der Lebensadern der Weltwirtschaft lahm“, betonte Birol – die Straße von Hormus. Betroffen seien Lieferungen nicht nur von Öl und Gas, sondern auch von Düngemitteln, Petrochemikalien, Helium und vielem mehr. Europa, Japan, Australien und andere würden dadurch belastet, aber die am stärksten betroffenen Länder seien die Entwicklungsländer.
Der IEA-Direktor warnte vor einem „schwarzen April“: „Der März war sehr schwierig, aber der April wird noch viel schlimmer“, wenn die Straße von Hormus de facto geschlossen bleibe. Die Golfstaaten förderten nur noch etwas mehr als die Hälfte der vor dem Krieg geförderten Ölmenge, und Erdgas werde gar nicht mehr exportiert. „Sollte die Meerenge tatsächlich den ganzen April über gesperrt bleiben, werden wir doppelt so viel Rohöl und Raffinerieprodukte verlieren wie im März.“
Im Krieg seien zudem bereits 65 Energieanlagen angegriffen und beschädigt worden, ein Drittel davon schwer oder sehr schwer, fügte Birol hinzu. Sie wieder instand zu setzen, werde sehr lange dauern. Die IEA-Mitgliedsländer hatten sich im vergangenen Monat zur Entlastung darauf geeinigt, einen Teil ihrer strategischen Reserven freizugeben. Ein Teil davon sei bereits freigegeben worden und der Prozess gehe weiter, sagte Birol.
Angesichts der Ölkrise infolge des Iran-Kriegs hatte die IEA zuvor zu Maßnahmen geraten, die den Ölverbrauch senken. Mehr Homeoffice, ein Absenken des Tempolimits auf Straßen sowie das Umsteigen auf öffentliche Verkehrsmittel könnten demnach den Spritverbrauch reduzieren, empfahl die IEA unlängst.
Deutschland befinde sich in einer schwierigeren Lage, was Erdgas und zuverlässige Stromquellen wie die Kernenergie und damit auch die Strompreise angeht, sagte der IEA-Chef. „Die deutsche Wirtschaft und Industrie könnten in den kommenden Wochen, Monaten oder sogar Jahren vor sehr großen Herausforderungen stehen.“
