Dschavochir Sindarov: Außenseiter stark bei Schach-WM-Kandidatenturnier


So stark ist in einem Kandidatenturnier der Schach-Weltmeisterschaft noch keiner gestartet, dabei ist er Außenseiter: Dschavochir Sindarov, nach Elo die Nummer fünf unter den acht WM-Kandidaten, hat im ersten Durchgang fünf Rivalen geschlagen und erst zwei Remis abgegeben.

Zur Hälfte des Turniers liegt der 20 Jahre junge Usbeke 1,5 Punkte vor dem Turnierfavoriten Fabiano Caruana. Vor den Nächstplatzierten hat er sogar schon 2,5 Punkte Vorsprung und beste Aussichten, Herausforderer des gleichaltrigen Weltmeisters Dommaraju Gukesh zu werden.

Matthias Blübaum nimmt ihm einen halben Punkt ab

Obwohl Sindarov als einer der Jüngsten bereits mit zwölf Jahren Großmeister wurde, stand er lange im Schatten seines Landsmanns Nodirbek Abdusattorow, der die Qualifikation ebenso wie Vincent Keymer verpasst hat und über Ostern in Karlsruhe spielt. Im zyprischen Ort Pegeia überzeugt der Usbeke, der vom Münchner Roman Vidonyak trainiert wird, bisher durch selbstbewusstes Spiel und starke Eröffnungsvorbereitung.

Der erste deutsche WM-Kandidat seit 1991 schlägt sich solide. Nach sechs Remis teilt er Platz fünf. Nur von Caruana wurde der 28 Jahre alte Lemgoer auspräpariert. Gegen den Amerikaner ließ er sich auf die von diesem selbst bevorzugte Russische Eröffnung ein und wurde mit einem raren Aufbau konfrontiert, der giftiger war als er auf den ersten Blick wirkt. Hätte Blübaum die Linienöffnung gegen seinen König blockiert, wäre er in ein vorbereitetes Figurenopfer gelaufen.

Offener gestaltet sich das parallel ausgetragene Kandidatinnenturnier. Die vorige Siegerin Tan Zhongyi ist außer Form und nach einem Figureneinsteller auf den letzten Platz zurückgefallen. In Führung liegt Anna Musytschuk. Die Ukrainerin kam erst kurzfristig als Ersatzspielerin ins Feld, weil die Inderin Humpy Koneru wegen des Irankriegs nicht nach Zypern reisen wollte.