Oktopusse: Raffinierter Sex mit einem Arm – Wissen

Auf Hawaii erzählt man sich, Oktopusse seien Wesen aus einer anderen Welt, die vor der Welt existiert hat, wie wir sie heute kennen. Irgendwie eine nachvollziehbare Vorstellung: Schließlich gibt es kein Tier, das dem Menschen so ähnlich und gleichzeitig so unähnlich und fremd ist wie der Oktopus.

Die Meeresbewohner mit den großen Augen und den acht Armen haben ein gutes Gedächtnis, sie spielen, sie lernen und sie haben wie der Mensch wahrscheinlich ein „Selbstbewusstsein“. Das heißt, sie wissen, wer sie sind, und dass es außer ihnen noch andere Lebewesen gibt. All diese kognitiven Höchstleistungen vollbringen die Kraken mit einem knochenlosen, glibbrigen Körper und einem Gehirn, von dem man nicht weiß, wo der Anfang ist und wo das Ende – nur, dass es bis in die vielen Arme hineinreicht. Wie das funktioniert, gehört zu den vielen Geheimnissen, die den Oktopus umgeben.

Immerhin eines davon haben US-amerikanische Biologen jetzt gelüftet: Sie haben herausgefunden, wie Oktopusse sich paaren. „Die Männchen benutzen einen spezialisierten Arm, den Hectocotylus“, schreiben die Forschenden in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Science. Der Hectocotylus sei sozusagen ein Multifunktionsorgan: Erstens erkenne er ein paarungsbereites Weibchen und taste sich in ihrem Körper bis zum Eileiter vor. Zweitens sei der Arm eine Art hochsensibler Detektor, der Progesteron wahrnehmen kann. Nur wenn er dieses weibliche Sexualhormon registriert, beginnen die Spermien den ganzen Hectocotylus hindurch bis zum Eileiter des Weibchens zu wandern, wo sie genau an der richtigen Stelle platziert werden.

Buntes Vorspiel

Um das herauszufinden, hat sich das Team um den Biologen Pablo Villar von der Harvard University ein raffiniertes Experiment ausgedacht. In einem Aquarium trennten die Forschenden einen männlichen und einen weiblichen Oktopus mithilfe einer undurchsichtigen Scheibe voneinander, in der sich aber Löcher für die Oktopus-Arme befanden. „Obwohl sich die Tiere kaum sehen konnten, streckte das Männchen zu unserer Überraschung den Hectocotylus durch die Barriere, manövrierte vorsichtig und führte den spezialisierten Anhang in den Mantel des Weibchens ein“, schreiben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Science. Dann hielten beide Tiere ganz still, „manchmal für mehr als eine Stunde“, während die Spermien übertragen wurden.

Ein zweites Experiment lief zunächst ähnlich ab, doch bevor die Paarung begann, ersetzten die Forschenden das Weibchen durch Röhren, deren Inneres mit verschiedenen chemischen Substanzen ausgekleidet war; darunter das Sexualhormon Progesteron, das weibliche Oktopusse in ihrem Eileiter produzieren, sowie andere Hormone, Gallensäure und Terpene. Das Männchen entließ die Spermien nur, wenn der Hectocotylus in Kontakt mit Progesteron kam.

In freier Natur läuft Krakensex oft romantischer ab: Bei manchen Arten schlingen die Partner ihre vielen Arme umeinander. Andere haben ein ausgedehntes Vorspiel, bei dem die Tiere ihre Körper nacheinander in die schönsten Farben tauchen.