Schulkind-Eltern drohen mit Anwalt: Was Felix Neureuther von Lehrern fordert

Ein Social-Media-Verbot für Kinder und jüngere Jugendliche – das wird etwa in Australien schon praktiziert und in vielen europäischen Ländern diskutiert, auch in Deutschland. Ex-Skistar Felix Neureuther ist vierfacher Vater – was er von einem Verbot hält, erzählt der 42-Jährige der AZ im Interview.

AZ: Herr Neureuther, seit Donnerstag läuft der Schreibwettbewerb des Bayerischen Jugendpreises. Thema: „Gesunde Kinder auf einer gesunden Erde – wie können wir die Zukunft gestalten?“ Als Gründer der Felix- Neureuther-Stiftung und Botschafter der Werte-Stiftung unterstützen Sie dieses Projekt des Vereins Initiative Werterhalt-Weitergabe e.V. – warum?

FELIX NEUREUTHER: Weil ich glaube, dass man in Zukunft kreative Köpfe braucht, damit auch die nächsten Generationen die Schönheit unserer Natur noch so bewundern können, wie wir sie bewundern durften. Es muss wieder ein Bewusstsein für den wertschätzenden Umgang mit der Natur aufgebaut werden. Da bringt es nichts, sich auf irgendwelche Straßen zu kleben.

Sie selbst sind Vater von vier Kindern – ist da der Gang raus an die frische Luft und in die Natur fester Bestandteil des Tagesprogramms?

Ehrlich gesagt: Wir müssen mit denen raus gehen. Drinnen funktioniert das nicht. Generell lernen Kinder durch Vorleben. Wenn man ihnen als Eltern Dinge glaubwürdig vorlebt, dann macht das was mit den Kindern. Aber wir müssen schon auch schauen, dass in unserem Bildungssystem die Förderung von Kreativität und ein naturbezogener, haptischer Unterricht mehr Gewicht bekommen, dass es Ausflüge gibt und Unterricht im Freien stattfinden kann, damit die Kinder vor Ort lernen, sehen, riechen und spüren können. Es findet ja eh schon alles digital statt.

Einfach mal mit den Kindern rausgehen – das empfiehlt Felix Neureuther.
Einfach mal mit den Kindern rausgehen – das empfiehlt Felix Neureuther.
© imago/Daniel Ingold
Einfach mal mit den Kindern rausgehen – das empfiehlt Felix Neureuther.

von imago/Daniel Ingold

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Ihre älteste Tochter ist schon in der Schule – bekommt die einen solchen Unterricht?

Wenn man in der zweiten Klasse schon iPad-Unterricht hat, ist das in meinen Augen nicht zukunftsorientiert, ganz im Gegenteil. Es ist so wichtig für die Entwicklung des Gehirns, dass Kinder mit einem Stift schreiben! Wo die Bildschirmzeiten ab einem bestimmten Alter ja eh in die Höhe schnellen. Für mich gibt es da nur eine Möglichkeit: Das Verbot der Sozialen Medien muss umgesetzt werden – und ich bin wirklich kein Freund von Verboten. Die Kinder kommen sonst mit so extremen Inhalten viel zu früh in Berührung, sind auf diese Themen überhaupt nicht vorbereitet und können diese gar nicht verarbeiten. Dabei ist doch das Zwischenmenschliche so viel wichtiger! Dafür müssen wiederum auch die Sportstätten viel zugänglicher für alle werden. Klar ist das für die Pädagogen nicht einfach, aber auch da muss man ansetzen.

Grundschüler nutzen im Unterricht Laptops – keine gute Idee, findet Felix Neureuther.
Grundschüler nutzen im Unterricht Laptops – keine gute Idee, findet Felix Neureuther.
© imago/imageBROKER/Unai Huizi
Grundschüler nutzen im Unterricht Laptops – keine gute Idee, findet Felix Neureuther.

von imago/imageBROKER/Unai Huizi

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Wenn Schulkind-Eltern mit Anwalt drohen: Was Felix Neureuther von Lehrern fordert

Was genau meinen Sie?

Lehrer müssen wieder mehr Verantwortung bekommen, Eltern dürfen nicht eine solche Power haben und gleich mit dem Anwalt vor der Tür stehen.

Gefahren für Kinder durch extreme Inhalte im Netz – davor warnt Felix Neureuther.
Gefahren für Kinder durch extreme Inhalte im Netz – davor warnt Felix Neureuther.
© imago/Anastasiya Amraeva
Gefahren für Kinder durch extreme Inhalte im Netz – davor warnt Felix Neureuther.

von imago/Anastasiya Amraeva

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Generell lautet Ihre Empfehlung also weg vom Digitalen, zurück zum Analogen?

Klar, sonst ziehen sich Kinder in eine virtuelle Welt zurück, die einfach keine reale ist. Neulich habe ich mich mit einem Pädagogen aus Weilheim getroffen, der mit Zwölf- oder 13-Jährigen im Unterricht Fake-Accounts kreiert, in Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft, um zu schauen, was dann passiert, was für Anfragen von Pädophilen und Sonstigen da kommen. So sehen die Jugendlichen, wie gefährlich diese digitale Welt tatsächlich ist. Auch dieser Pädagoge sagt: Die einzige Möglichkeit sind Verbote. Anders wird es nicht funktionieren. Wenn nur einer in der Klasse ein Smartphone hat, finden alle einen Zugang dazu. Das ist die Gefahr.