Dax Unternehmen schütten Rekord-Dividenden trotz Wirtschaftskrise aus – Wirtschaft

Es ist nicht gerade so, dass die allgemeine Lage Anlass zu viel Optimismus in der Wirtschaft geben würde. Der Ukraine-Krieg drückt seit über vier Jahren auf die Stimmung, der Iran-Krieg seit über vier Wochen, und die Prognosen der führenden Wirtschaftsinstitute sind verhalten bis zappenduster. Der Energiepreisschock lässt nicht nur Autofahrer an der Zapfsäule ratlos zurück, er wird auch das Wachstum der deutschen Wirtschaft auf absehbare Zeit schwer nach unten drücken. Die Folgen von all dem? Schwer absehbar, denn selten zuvor waren in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten Kriege, geopolitische Risiken und Ökonomie auf so verhängnisvolle Weise miteinander verwoben wie zurzeit.

Die Stimmung in der Wirtschaft ist also, vorsichtig formuliert, schlecht. Nur: Bei den Dividenden ist das noch nicht angekommen, im Gegenteil, hier ist – noch – Rekordstimmung angesagt. Einer Erhebung des Beratungs- und Prüfunternehmens EY zufolge haben die im Dax börsennotierten Unternehmen in diesem Jahr mehr Geld an ihre Aktionäre ausgeschüttet als jemals zuvor. Insgesamt 55,3 Milliarden Euro zahlen die 40 Unternehmen ihren Aktionären demnach aus, im vergangenen Jahr waren es noch 52,2 Milliarden Euro. Unter dem Strich ist das also eine Steigerung von 5,9 Prozent.

Allerdings lohnt ein Blick auf die Details dieser Zahlen, denn die Lage ist alles andere als einheitlich und unterscheidet sich je nach Branche. „25 DAX-Unternehmen schütten für das abgelaufene Geschäftsjahr mehr aus als im Vorjahr, zehn Konzerne zahlen weniger, bei fünf Unternehmen bleibt die Dividendensumme gleich“, heißt es in der Studie.

Zu den großen Dividendenzahlern der Saison gehört – wie schon im vergangenen Jahr – der Versicherungskonzern Allianz mit einer Ausschüttungssumme von 6,5 Milliarden Euro, was neun Prozent mehr als im Vorjahr sind. Danach kommt die Deutsche Telekom mit 4,8 Milliarden Euro, einem Plus von zehn Prozent. Besonders stark angestiegen sind die Dividenden auch bei MTU Aero Engines, einem führenden Hersteller von Flugtriebwerken, nämlich um 64 Prozent. Bei der Commerzbank, bei der sich der Übernahmekampf mit der italienischen Großbank Unicredit gerade zuspitzt, gibt es einen satten Aufschlag von 61 Prozent, Aktionäre der Deutschen Bank kommen auf ein Plus von 44 Prozent.

Die Autohersteller fahren ihre Dividenden zurück – es läuft eben nicht gut

Nur wenig überraschend ist, dass die Autokonzerne, bis vor einigen Jahren noch verlässliche Lieferanten hoher Dividenden, ihre Ausschüttungen jetzt ziemlich einfrieren. Mercedes-Benz fährt seine Dividendensumme um 19 Prozent herunter, die Porsche Automobil Holding um 21 Prozent und die Porsche AG sogar um 56 Prozent. Was am Ende vielleicht sogar doch noch einigermaßen großzügig ist, denn die Beschäftigten des Sportwagenbauers müssen sich auf einen verschärften Stellenabbau einstellen. 2025 brach der Gewinn um über 90 Prozent auf 310 Millionen Euro ein, und dass es in diesem Jahr wirtschaftlich besser wird, ist nicht sehr wahrscheinlich. Um zu verstehen, wie dramatisch die Lage gerade in Zuffenhausen ist: Im Vorjahr 2024 lag der Gewinn bei Porsche noch bei fast 3,6 Milliarden Euro.

Im Schnitt doch noch hohe Dividenden trotz großer Krisen – die Autoren der Studien bewerten das erstmal positiv. Jan Brorhilker von EY in Deutschland hält die Rekord-Dividenden zunächst mal für eine gute Nachricht. „Trotz der schwierigen Wirtschaftslage und trotz erheblicher konjunktureller und politischer Risiken demonstrieren die DAX-Unternehmen Zuversicht“, sagt er. Viele Unternehmen hätten zuletzt noch „sehr gute Zahlen für das vergangene Jahr vorgelegt“ – davon würden nun die Anleger profitieren. Und dass gerade die Autobauer vorsichtig umgehen mit ihren Ausschüttungen, sei durchaus verantwortungsvoll. „In dieser Situation müssen auch die Aktionäre ihren Anteil beitragen“, so der Berater. „In Form deutlich niedrigerer Dividenden.“

Und damit nun zu den weniger guten Nachrichten für Aktionäre: Brorhilker glaubt, dass es das vorläufig wohl war mit Rekorddividenden. Man solle sich darauf einstellen, dass die Dividendensumme im nächsten Jahr eher unter dem Niveau von 2026 bleiben werden. „Die Anleger sollten sich eher auf Rückgänge einstellen“, sagt er.