ZDF-Film „Fast perfekte Frauen“ | FAZ

Da stehen sie nun und sollen ins kalte Wasser springen. Fünf von sechs „Fast perfekten Frauen“ lassen sich bei der Kur, der sie sich unterziehen, auch auf diese Übung ein. Und schreien sich an, weil das Meer so kalt ist und das, was hinter und bald wieder vor ihnen liegt, noch kälter.

Suse (Silke Bodenbender) lässt niemanden an sich heran, Christine (Anne Roemeth) opfert sich für alle anderen auf, Doris (Tanja Schleiff) weiß immer alles besser, über Leisha (Sabrina Amali) bricht alles zusammen, Jennifer (Malene Becker) hat ihre übergriffige Mutter im Nacken, und für „Frau Brandner aus München“ (Ilse Neubauer) soll die Kurklinik nur Zwischenstation auf dem Weg ins Altenheim sein.

„Weil es ein Leben lang zuviel war“

Anfangs gehen die sechs sich gehörig auf die Nerven, doch mit der Zeit geht ihnen auf, was sie gemeinsam haben. Christine, die daheim für die Familie auf Tage vorgekocht hat und deren depressiver Mann „mit der Couch fest verwachsen“ ist, die erst so leise und vernuschelt spricht, dass sie niemand versteht, drückt es aus: Sie sind hier, „weil es ein Leben lang zu viel war“.

Zu viel lastet auf ihren Schultern: Familie, Kinder, Eltern, Beruf. Und dann begeht, kaum dass sie sich füreinander öffnen, eine von ihnen – Suse, die Journalistin, die sich auf einen dubiosen Podcaster eingelassen hat – auch noch einen Vertrauensbruch.

Der richtet in dem Film von Maya Duftschmid (Buch) und Gabriela Zerhau (Buch und Regie), in dem Männer richtigerweise fast nicht vorkommen, zum Glück keinen irreparablen Schaden an. Einen solchen Frauenfilm, der kein schweres Thema auslässt – von Brustkrebs bis sexuellen Missbrauch –, dabei nicht didaktisch daherkommt und, mit leichter Hand und Humor inszeniert, zart auf Hoffnung trotz allem hinausläuft, sieht man bei uns im Fernsehen nicht häufig. Ihn an Karfreitag im ZDF (21.15 Uhr, läuft auch in der Mediathek) einzuschalten, lohnt sich.