Schilddrüsenüberfunktion: Symptome, Ursachen und Behandlung

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Schilddrüse: Morbus Basedow erkennen und behandeln (7 Min)

Stand: 01.04.2026 09:20 Uhr
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Bei einer Schilddrüsenüberfunktion bildet die Schilddrüse zu viele Hormone. Symptome sind Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck, Zittern und Nervosität. Der Stoffwechsel arbeitet unter Hochdruck. Was hilft?

von Lucia Hennerici

Die Schilddrüse ist ein schmetterlingsförmiges Organ an der Vorderseite unseres Halses. Schilddrüsenhormone sind ein extrem wichtiger Taktgeber für Stoffwechselprozesse wie den Grundumsatz, den Stoffwechsel von Fett, Zucker und Eiweiß sowie den Energiestoffwechsel im Körper – sie sind also auch relevant für die Wärmeproduktion und die Herzfrequenz.

Eine Schilddrüsenüberfunktion, medizinisch Hyperthyreose genannt, ist eine häufige, aber gut behandelbare Erkrankung, bei der die Schilddrüse zu viele Hormone produziert und freisetzt – vor allem die Schilddrüsenhormone Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3). Die Folge: Der Körper arbeitet dauernd auf Hochtouren. Frauen sind häufiger von einer Überfunktion der Schilddrüse betroffen als Männer. Die frühzeitige Diagnose und individuell angepasste Therapie einer Schilddrüsenüberfunktion sind entscheidend, um Komplikationen und Langzeitfolgen zu vermeiden – insbesondere mit Blick auf Herzrhythmusstörungen oder Osteoporose.

Wie fühlen sich Menschen mit einer Schilddrüsenüberfunktion?

Nahezu alle Organsysteme laufen bei einer Hyperthyreose dauerhaft im „gesteigerten Aktivmodus“. Das versetzt den Körper in ständigen Arbeitsstress. Patientinnen und Patienten fühlen sich permanent in „Alarmbereitschaft“, haben dadurch auch Bluthochdruck und Herzrasen, sind gereizt, leiden unter Nervosität und Schlafstörungen. Menschen mit Schilddrüsenüberfunktion verbrauchen deutlich mehr Energie als Menschen mit normaler Schilddrüsenfunktion.

Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion

Grundsätzlich unterscheiden sich die Symptome kaum zwischen Männern und Frauen, allerdings wird die Überfunktion der Schilddrüse bei Männern häufig später erkannt – nämlich erst, wenn Symptome schon stark und der hormonelle fT4-Spiegel hoch ist, wie beispielsweise eine britische Studie zeigte. Bei Frauen ist eine Autoimmun-Erkrankung (Morbus Basedow) häufiger Ursache für eine Schilddrüsenüberfunktion.

Im Allgemeinen zeigt sich die Schilddrüsenüberfunktion anhand dieser Symptome:

  • unbeabsichtigter Gewichtsverlust trotz normalem oder sogar gesteigertem Appetit (durch hormonell gesteigerten Energieverbrauch)
  • Heißhunger (ebenfalls durch gesteigerten Grundverbrauch)
  • Überhitzung mit vermehrtem Schwitzen und Wärmeempfindlichkeit
  • Tachykardie (Herzrhythmusstörungen und Herzrasen) mit oder ohne „Stolperschläge“ (Extrasistolen oder Palpitationen), eventuell Vorhofflimmern
  • Nervosität, innere Unruhe, Reizbarkeit
  • feinschlägiger Tremor, also leichtes Zittern, vor allem der Hände
  • Schlafstörungen
  • Stress und reduzierte Belastbarkeit
  • Muskelschwäche, vor allem proximal, also nah an einem Gelenk (thyreotoxische Myopathie)
  • häufiger Stuhlgang oder Durchfall
  • Haarausfall, dünnes Haar
  • warmes, feuchtes Hautbild

Bei Männern ist starke Muskelschwäche häufiger ein Symptom, außerdem können Libidoverlust und erektile Dysfunktion weitere Anzeichen sein. Bei Frauen kommen Zyklusstörungen als Symptom hinzu.

Symptome der Hyperthyreose im Alter oft schwer zu erkennen

Bei älteren Menschen kann eine apathische oder oligosymptomatische Hyperthyreose auftreten, bei der klassische Symptome für die Schilddrüsenüberfunktion extrem schwach auftreten oder häufig ganz fehlen. Stattdessen treten – neben Herzbeschwerden – folgende Symptome in den Vordergrund, die auf den ersten Blick im Widerspruch zu einer Schilddrüsenüberfunktion stehen:

Ursachen für eine Schilddrüsenüberfunktion

In Regionen der Welt mit ausreichender Jodversorgung ist die Autoimmunstörung Morbus Basedow häufigste Ursache einer Schilddrüsenüberfunktion. Frauen sind davon häufiger betroffen als Männer, wie Studien belegen. Bei Morbus Basedow bildet das eigene Immunsystem Antikörper gegen TSH-Rezeptoren (medizinisch TRAK: TSH-Rezeptor-Antikörper). Diese TRAK binden sich an einen Rezeptor in den Follikelzellen der Schilddrüse (Thyrozyten) und stimulieren diese zur Synthese und Ausschüttung von immer mehr Schilddrüsenhormonen (T3​ und T4​) – völlig unabhängig vom tatsächlichen Bedarf im Körper.

Weitere Ursachen der Schilddrüsenüberfunktion im Überblick:

  • Schilddrüsenautonomie: Schilddrüsenzellen produzieren Hormone unabhängig von der Regulation durch ein Steuerungshormon. Sie können ein einzelnes „heißes“, toxisches Adenom, also eine Wucherung, bilden oder mehrere Zellherde im Körper (multifokale oder disseminierte Schilddrüsenautonomie).
  • akute Thyreoiditis durch Infektion (oft Viren)
  • Hyperthyreosis factitia: Überdosierung der Schilddrüsenhormone mit Medikamenten
  • Jod-induzierte Schilddrüsenüberfunktion (manchmal Jod-Basedow genannt): Ausgelöst beispielsweise durch Gabe von Kontrastmittel oder Amiodaron (Medikament gegen schwere Herzrhythmusstörungen). Kommt es dazu, besteht in der Regel schon eine (unentdeckte) Überfunktion der Schilddrüse, die nur getriggert wird.

Ist eine Schilddrüsenüberfunktion gefährlich?

Eine Schilddrüsenüberfunktion ist meist lange Zeit nicht direkt gefährlich. Allerdings kann die Hyperthyreose unbehandelt zu bedrohlichen und sogar lebensgefährlichen Langzeitfolgen und Komplikationen führen. Dazu gehören:

  • Vorhofflimmern (mit erhöhtem Risiko für Schlaganfall)
  • chronisches Herzrasen (Tachykardie)
  • Herzschwäche (Herzinsuffizienz)
  • Osteoporose und erhöhter Knochenabbau (animierende Wirkung der Hormone T3 und T4 auf Knochen abbauende Zellen)
  • Muskelschwäche und dadurch getriggerte Muskelerkrankungen (Myopathie)
  • Angststörungen und Panikattacken
  • chronische Schlafstörungen
  • Symptome einer Depression
  • Bluthochdruck
  • hoher Blutzucker, der wiederum zu Gefäßschäden führen kann

Wichtig: Auch Langzeitfolgen sind in den meisten Fällen reversibel, wenn die Grunderkrankung durch eine Ärztin oder einen Arzt behandelt wird.

Lebensgefahr durch thyreotoxische Krise

Bleibt eine Schilddrüsenüberfunktion lange unbehandelt oder schlecht behandelt, können bestimmte Auslöser zu einer thyreotoxischen Krise der Schilddrüse führen. Dazu gehören folgende Stressoren:

  • eine Infektion
  • eine OP
  • ein Trauma
  • ein Herzinfarkt
  • ein Schlaganfall
  • eine Ketoazidose (massiver Insulinmangel bei Diabetes Typ 1)
  • eine massive Jodexposition (zum Beispiel durch Kontrastmittel)

Folgen einer thyreotoxische Krise können Fieber, Herzrasen und Bewusstseinsstörungen bis hin zum Koma sein. Sie ist ein Notfall und erfordert sofortige intensivmedizinische Behandlung durch Ärzte, um den Stoffwechsel zu stabilisieren.

Schilddrüsenüberfunktion behandeln

Die Behandlung richtet sich nach Ursache, Schweregrad und Begleiterkrankungen der Schilddrüsenüberfunktion. Ziel ist eine Normalisierung der Hormonproduktion und Linderung der Symptome. Grundsätzlich sind diese Möglichkeiten der Therapie gängig:

  • Medikamentöse Behandlung, vor allem mit Thyreostatika wie Thiamazol, Carbimazol oder Propylthiouracil. Sie hemmen die Hormonproduktion. Gegen Symptome der Schilddrüsenüberfunktion, die das Herz beeinträchtigen, kommen außerdem oft Betablocker zum Einsatz.
  • OP mit teilweiser oder vollständiger Entfernung der Schilddrüse (Thyreoidektomie). Sie wird bei großen Knoten oder Krebsverdacht eingesetzt.
  • Radiojodtherapie durch einmalige orale Gabe von radioaktivem Jod. Die Erfolgsraten liegen laut Guidelines der European Thyroid Association zwischen 80 und 90 Prozent.

Schilddrüsenüberfunktion mit Radiojodtherapie behandeln

Bei der Radiojodtherapie (RJT) wird radioaktives Jod gezielt als Medikament gegen die Erkrankung der Schilddrüse eingenommen (als Kapsel oder Flüssigkeit): Die Radiojodtherapie erfolgt in der Regel stationär. Das radioaktive Jod-131 reichert sich gezielt in den hormonproduzierenden Zellen der Schilddrüse an. Dort zerstört die abgegebene Strahlung das überaktive Gewebe, während andere Organe weitgehend geschont bleiben. Bei Morbus Basedow dauert die Behandlung in der Regel zwölf bis 18 Monate. In dieser Zeit nimmt die Hormonproduktion kontinuierlich ab. Regelmäßige Blutkontrollen sind notwendig, da sich häufig eine behandlungsbedingte Schilddrüsenunterfunktion entwickeln kann, die dann wiederum mit Schilddrüsenhormonen ausgeglichen werden muss.

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