Lungenkrebs: Symptome, Ursachen und Behandlung

Eine junge Ärztin hält ein Tablett mit einem Rötgenbild einer Lunge in die Kamera.

Stand: 01.04.2026 11:22 Uhr
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Die Symptome bei Lungenkrebs sind unspezifisch. Das Bronchialkarzinom ist heilbar, wenn es früh behandelt wird. Ein neues Screening soll helfen, es früh zu entdecken. Moderne Therapien verbessern die Prognosen.

von Bernd Thomas

Lungenkrebs, medizinisch auch Bronchialkarzinom genannt, ist nach Prostatakrebs bei Männern in Deutschland die zweithäufigste, bei Frauen nach Brust- und Darmkrebs die dritthäufigste Krebserkrankung. Jedes Jahr erkranken rund 58.000 Menschen neu, über 26.000 Männer und 18.000 Frauen versterben jährlich daran.

Die meisten Patienten sind durchschnittlich 68 bis 70 Jahre alt. Mehr als die Hälfte erhält die Diagnose erst, wenn keine Heilung mehr möglich ist. Ein Lungenkrebsscreening, das ab April 2026 Kassenleistung ist, richtet sich speziell an ältere Raucherinnen und Raucher. Es soll helfen, Lungenkrebs früh zu erkennen, die Chancen auf Heilung zu erhöhen und die Sterberaten zu senken.

Lungenkrebs: Anfangs keine oder unspezifische Symptome

Tückischerweise verursacht Lungenkrebs zu Beginn keine oder nur unspezifische Symptome. Entdeckt wird er oft zufällig – zum Beispiel bei der Abklärung anderer Krankheiten. Vor allem starke Raucherinnen und Raucher sollten unspezifische Symptome ernst nehmen.

Das sind zum Beispiel:

  • Husten oder Räuspern, dabei vor allem ein Raucherhusten, der sich plötzlich verändert
  • Luft- und Atemnot
  • Brust-, Bauch- oder Knochenschmerzen
  • Fieber
  • Schwächegefühl

Einige Symptome treten erst auf, wenn die Erkrankung weiter fortgeschritten ist:

  • Starker Gewichtsverlust und Kräfteverfall
  • Atemgeräusche durch Wasser in der Lunge
  • verdickte Fingerspitzen
  • blutiger Auswurf beim Husten

Knochenschmerzen, Müdigkeit, aber auch Kopfschmerzen und Verwirrtheit können durch Lungenkrebs-Metastasen hervorgerufen werden. Das sind Tochtergeschwüre der fortgeschrittenen Erkrankung in anderen Organen – wie zum Beispiel der Leber, den Knochen oder dem Gehirn.

Lebenserwartung bei Bronchialkarzinom

Prognosen zur Lebenserwartung sind schwierig. Sie können individuell sehr stark variieren, von wenigen Monaten bis hin zu mehreren Jahren. Viele unterschiedliche Faktoren spielen dabei eine Rolle.

Hauptrisiko ist Rauchen

Hauptrisiko für Lungenkrebs ist das Rauchen. Es löst bei Frauen acht von zehn und bei Männern sogar neun von zehn Erkrankungen aus. Auch Passivrauchen erhöht das Risiko. Wer mit dem Rauchen aufhört, hat eine bessere Prognose, egal ob die Erkrankung geheilt oder mit Therapien behandelt eine bestimmte Zeit kontrolliert werden kann.

Auch Bewegungsmangel oder ungesunde Ernährung begünstigen Lungenkrebs. Nahrungsergänzungsmittel, wie zum Beispiel Beta-Carotin, Vitamin B6 und B12 können bei Rauchern das Erkrankungsrisiko sogar deutlich erhöhen. Bis auf wenige Ausnahmen ist unklar, ob auch genetische Faktoren Ursache für die Erkrankung sein können.

Weitere Risikofaktoren sind das Gas Radon, Belastungen durch Feinstaub aus Industrie- und Haushaltsabgasen oder dem Verkehr sowie berufliche Risiken. Dazu gehören zum Beispiel Kontakte mit krebserregenden Stoffen wie Asbest oder den sogenannten polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen, kurz PAK oder PAH. Außerdem zählt auch ionisierende Strahlung zu den Risiken für eine Erkrankung.

Lungenkrebs ist im Frühstadium oft heilbar

Grundsätzlich gilt: Je früher Lungenkrebs erkannt und behandelt wird, desto günstiger ist die Prognose. Wird ein Bronchialkarzinom sehr früh entdeckt, kann es sogar geheilt werden. Im Optimalfall reichen dazu eine OP oder einige Bestrahlungen. Ein Verdacht sollte deshalb immer in spezialisierten Praxen und Zentren abgeklärt werden.

Lungenkrebs-Screening: Früherkennung für Raucherinnen und Raucher

Speziell für die Risikogruppe älterer Raucherinnen und Raucher gibt es ab April 2026 ein Lungenkrebsscreening, das von den Kassen bezahlt wird. Durchgeführt wird es in zertifizierten Radiologie-Praxen und -Zentren mit einem Niedrigdosis- oder Lowdose-CT.

Damit lassen sich sehr früh noch sehr kleine Karzinome auffinden. Studienergebnisse wie die der sogenannten Nelson-Studie zeigen, dass mit einem gezielten Screening die Sterblichkeit um bis zu 20 Prozent gesenkt werden kann.

Diagnose Lungenkrebs: Bronchialkarzinom oder anderer Tumor?

Die Diagnose klärt, um welchen Lungenkrebs es sich handelt und wie weit er fortgeschritten ist. Dazu werden verschiedene Untersuchungen wie MRT oder PET-CT eingesetzt. Mit einer Lungenspiegelung, der Bronchoskopie, werden Gewebeproben entnommen und untersucht. Damit lassen sich auch spezifische, molekulargenetische Eigenschaften des Tumors bestimmen.

Mediziner unterscheiden zwei große Gruppen des Bronchialkarzinoms. Das ist zum einen der eher seltene, kleinzellige Lungenkrebs, SCLC (Small Cell Lung Cancer). Zum anderen gibt es den mit bis zu 85 Prozent sehr häufigen, nicht kleinzelligen Lungenkrebs, NSCLC (Non-Small Cell Lung Cancer). Er wird vorwiegend durch das Rauchen verursacht.

In der Lunge finden sich manchmal aber auch Metastasen anderer Krebsarten und selten treten sogenannte Weichteilsarkome auf. Das sind Tumore, die aus dem Bindegewebe der Lunge stammen.

Entsprechend der Größe, ob Lymphknoten betroffen und ob schon Metastasen vorhanden sind, wird der Tumor nach internationalen Standards in unterschiedliche Grade eingestuft. Je nach Art und Schwere der Erkrankung unterscheiden sich die Therapien.

Behandlungen richten sich nach möglichen Zielen

Behandlungen sollten immer in zertifizierten Lungenkrebszentren erfolgen. In interdisziplinären Konferenzen werden Therapieoptionen für einen optimalen Therapieerfolg diskutiert und aufeinander abgestimmt. Zuvor werden sie mit den Patienten besprochen.

Behandlungsziele richten sich danach, ob eine Operation möglich und sinnvoll ist, ob und inwieweit der Krebs entfernt oder zumindest zurückgedrängt werden kann und ob und wie eventuell auch andere Organe, in denen sich bereits Metastasen finden, behandelt werden müssen.

Operation, Chemotherapie, Bestrahlungen, Immun- und gezielte Therapien können dazu alleine oder kombiniert eingesetzt werden. Muss nur ein kleiner Teil des Lungengewebes entfernt oder zerstört werden, verursacht das so gut wie keine langfristigen Einschränkungen.

Immun- und zielgerichtete Behandlungen verbessern Prognose

Inzwischen gibt es effiziente Immun- und zielgerichtete Therapien, die vor allem Menschen helfen, die nicht geheilt werden können. Viele Patienten gewinnen so zusätzliche Monate bis Jahre mit guter Lebensqualität.

Dazu werden Mutationen des Tumorgewebes genutzt, die eine gezielte Behandlung einzelner Stoffwechselprozesse ermöglichen. Das geschieht meist mit Tabletten. Über 20 verschiedene Mutationen sind bereits bekannt, vor allem beim nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom.

Zielgerichtete Therapie: Tabletten stoppen Tumor-Wachstum

Verschiedene zielgerichtete Krebsmedikamente hemmen zum Beispiel Wachstumssignale und damit das Tumorwachstum bei nicht kleinzelligen Lungenkarzinomen. Die Wirkung kann über Jahre anhalten. Lässt sie nach, kann ein Wechsel auf ein ähnliches Arzneimittel sinnvoll sein. Nebenwirkungen treten vergleichsweise selten auf.

Hemmung der Blutversorgung des Tumors

Einen anderen Wirkmechanismus nutzen sogenannte Angiogenese-Hemmer. Sie blockieren die Neubildung von Gefäßen des Tumors und verhindern damit dessen Versorgung.

Immuntherapien unterstützen Immunsystem gegen den Krebs

Immunonkologische Therapien nutzen die natürlichen Fähigkeiten des körpereigenen Immunsystems. Krebszellen verstecken sich oft oder unterdrücken einen Angriff der Körperabwehr mit chemischen Stoffen. Die entsprechenden Signalwege werden durch Immuntherapien gezielt unterbrochen. Sogenannte Checkpoint-Inhibitoren mobilisieren das Immunsystem nachhaltig und versetzen es in die Lage, die Krebszellen zu erkennen und zu zerstören.

Auch bei kleinzelligem Lungenkrebs werden im fortgeschrittenen Stadium immunonkologische Wirkstoffe in Kombination mit einer Chemotherapie eingesetzt. Allerdings schlägt diese Therapie nicht bei allen Betroffenen an.

Palliative Versorgung unheilbar Erkrankter

Greifen die Therapien nicht mehr, können sich Patienten und Angehörige an Palliativstationen in Lungenkrebs-Zentren oder an spezielle palliative Versorgungsteams wenden. In solchen Teams arbeiten erfahrene Medizinerinnen und Pflegekräfte zusammen, um Patienten Lebensqualität und Selbstbestimmung in der letzten Lebensphase zu ermöglichen.

Expertinnen und Experten im Beitrag:

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In der Krebstherapie gewinnen Immuntherapien immer mehr Bedeutung. Sie sollen das körpereigene Abwehrsystem aktivieren.