Sieben Bayern und ein großes Fragezeichen: Das ist Nagelsmanns WM-Elf

Für Julian Nagelsmann war die Länderspielperiode nach dem 2:1 gegen Ghana in Stuttgart inklusiver hitziger Diskussionen um Deniz Undav und Leroy Sané noch nicht vorbei. Der Bundestrainer reiste weiter nach Eindhoven, um dort Deutschlands dritten WM-Gruppengegner Ecuador im Testspiel gegen die Niederlande zu beobachten. Und was er sah, war durchaus beachtlich: Die Südamerikaner holten ein 1:1. Ebenfalls gut in Form zeigte sich die Elfenbeinküste, zweiter WM-Kontrahent der DFB-Elf, die mit 1:0 gegen Schottland gewann. Nur Curaçao, Auftaktgegner des Nagelsmann-Teams am 14. Juni in Houston, kassierte eine deutliche Niederlage beim 1:5 gegen Australien.

Nagelsmann bangt um Nmecha

Zweieinhalb Monate vor Turnierstart zeichnet sich ab, wie groß (oder klein) die Hürden für die DFB-Elf in der Vorrunde werden – und welche Rolle Nagelsmanns Mannschaft generell bei der WM spielen kann. Zu den Topfavoriten zählen sicher andere Nationen, aber bei voller Fitness und einem stabileren Defensivverhalten als zuletzt ist Deutschland eine Überraschung zuzutrauen.

Knieverletzung: Dortmunds Felix Nmecha.
Knieverletzung: Dortmunds Felix Nmecha.
© IMAGO/Bahho Kara
Knieverletzung: Dortmunds Felix Nmecha.

von IMAGO/Bahho Kara

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Wobei wir schon bei einem Knackpunkt wären: Fitness. Marc-André ter Stegen, der als Nummer eins eingeplante Torhüter, wird es aufgrund einer Oberschenkelverletzung und weiterer Blessuren zuvor wohl nicht nach Nordamerika schaffen. Bei Dortmunds Mittelfeldstar Felix Nmecha (Außenbandverletzung im Knie) hat Nagelsmann öffentlich zumindest Bedenken geäußert, ob der 25-Jährige rechtzeitig fit wird. Und Bayerns Jamal Musiala ist derzeit das größte Fragezeichen überhaupt unter den Stammspielern.

Musiala als Schlüsselfigur mit Fragezeichen

„Meine Hoffnungen sind groß“, sagte Nagelsmann nach dem Ghana-Spiel, als er auf Musialas Verfassung angesprochen wurde, „aber ich möchte keinen Druck auf ihn ausüben. Er setzt sich selbst schon genug unter Druck. Das ist normal.“ Der 23-Jährige verpasste die beiden Länderspiele wegen einer Schmerzreaktion an seinem operierten linken Sprunggelenk. Musiala hatte sich im Juli 2025 bei der Klub-WM in den USA einen Wadenbeinbruch mit mehreren Bänderrissen zugezogen. Seitdem kämpft er darum, wieder in Bestform zu kommen. Und muss immer wieder Rückschläge hinnehmen. Musialas letztes Länderspiel datiert vom 23. März 2025 gegen Italien. „Er hat nicht mehr so viel Zeit“, sagte Nagelsmann: „Das steht außer Frage.“

Wieder im Teamtraining beim FC Bayern: Jamal Musiala (l.).
Wieder im Teamtraining beim FC Bayern: Jamal Musiala (l.).
© IMAGO/Eibner-Pressefoto/Jenni Maul
Wieder im Teamtraining beim FC Bayern: Jamal Musiala (l.).

von IMAGO/Eibner-Pressefoto/Jenni Maul

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Erreicht Musiala sein körperliches Toplevel, ist er als Zehner in der offensiven Dreierreihe gesetzt – und damit ein ganz wichtiger Teil in Nagelsmanns WM-Elf mit insgesamt sieben Bayern-Spielern. Links neben Musiala vertraut Nagelsmann auf Florian Wirtz, der sein Formtief beim FC Liverpool überwunden hat. Rechts kann der Bundestrainer zwischen Serge Gnabry, Leroy Sané, Lennart Karl oder Jamie Leweling wählen. Der formstarke Gnabry würde aktuell wohl den Vorzug erhalten – er könnte aber auch zentral spielen, sofern Musiala nicht fit werden sollte. Dann hätte Bayern-Youngster Karl nach einem tollen Länderspiel-Debüt realistische Chancen auf die Anfangsformation.

Offensive mit vielen Optionen

Ganz vorne, auch da lässt Nagelsmann kaum einen Zweifel, ist der variable und technisch starke Kai Havertz seine bevorzugte Wahl. Dahinter kommen Nick Woltemade und Fan-Liebling Undav, womöglich beruft der Bundestrainer auch noch Niclas Füllkrug. Offensiv stimmt die Auswahl – und die Qualität. Aber dahinter?

Deutschlands Sechser: Aleksandar Pavlovic.
Deutschlands Sechser: Aleksandar Pavlovic.
© IMAGO/Herbertz / Nico Herbertz
Deutschlands Sechser: Aleksandar Pavlovic.

von IMAGO/Herbertz / Nico Herbertz

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Im zentralen Mittelfeld wären aufgrund der Nmecha-Verletzung wohl die Bayern-Profis Aleksandar Pavlovic und Leon Goretzka erste Wahl, als Alternativen stehen Angelo Stiller, Pascal Groß oder Anton Stach bereit. Weltklassespieler wie früher Bastian Schweinsteiger oder Toni Kroos findet man auf dieser so bedeutenden Position nicht. Und auch die Defensive mit Kapitän Joshua Kimmich (rechts), Jonathan Tah und Nico Schlotterbeck (beide zentral) sowie David Raum (links) muss bei der WM erst beweisen, dass sie gegen Topgegner bestehen kann. Gleiches gilt für Oliver Baumann, der in sein erstes großes Turnier als Stammkeeper geht.

Hat diese Elf eine Chance auf den fünften WM-Titel? „Wir haben auf jeden Fall die Fähigkeiten, ein sehr gutes Turnier zu spielen“, sagte Nagelsmann: „Wie jeder weiß, ist in K.o.-Spielen immer alles möglich – und da müssen wir hinkommen.“ Was bei den Gruppengegnern Curaçao, Elfenbeinküste und Ecuador ohne jede Diskussion gelingen sollte.