EM-Qualifikation: U21 feiert zwei Siege und steht nun wieder ganz oben – Sport

Der Fußballtrainer Antonio Di Salvo muss jetzt wieder für ein halbes Jahr in eine Art Stand-by-Modus schalten. Vier Monate lang hatte der 46-Jährige seine U21-Nationalmannschaft nicht beisammen gehabt, dann gewann diese am Freitag mit 3:0 gegen Nordirland und am Dienstag mit 2:0 in Griechenland – und jetzt gehen sie wieder bis September auseinander.

Für Auswahlfußballer geht es immer darum, auf den Punkt genau abzuliefern, und etwas anderes kann man nicht behaupten über die deutsche U21, die sich mit den jüngsten beiden Siegen die Spitzenposition in ihrer EM-Qualifikationsgruppe zurückgeholt hat. 51 Mannschaften spielen in neun Gruppen um 14 Tickets zur U21-Europameisterschaft 2027 in Serbien und Albanien. Rechtzeitig zur nun halbjährigen Pause führt Deutschland die Gruppe F an (18 Punkte), der deutsche Stürmer Nicolo Tresoldi die Torschützenliste (sechs Tore) und der deutsche Kapitän Tom Bischof das Ranking der Vorlagengeber (fünf Assists). „Ich bin glücklich“, sagte Di Salvo am Dienstagabend.

Besonders das Spiel in Athen war aufgeladen gewesen, hatte die deutsche Mannschaft das Hinspiel doch 2:3 verloren und lief damit Gefahr, als Gruppenzweiter in die Playoffs zu müssen. Ein Sieg mit zwei Toren Differenz war erforderlich. „Da war Druck auf dem Kessel“, umschrieb Di Salvo die Konstellation. „Hier stand alles auf dem Spiel“, sagte der Stürmer Saïd El Mala. Doch die U21 lieferte ab. Sie gewann 2:0 durch Tore von El Mala (11.) und Anton Kade (73.). Für beide war es das Premierentor in der U21. Für den Augsburger Kade war es ein seltener Kopfballtreffer und für den Kölner El Mala war es ein umso emotionaleres Tor, weil er am Samstag mitten im U21-Lehrgang vom Tod der Großmutter erfahren hatte. Er entschied sich zu bleiben – und am Dienstagabend schoss er das Tor für sie. „Ich hoffe, dass ich meine Oma da oben damit glücklich gemacht habe“, sagte er hinterher im Interview bei Pro 7 Maxx. Es ging viel ums Glücklichsein am Dienstagabend.

Die U21 ist für junge Fußballer eine Wohlfühloase

Drei Siege gegen die drei schwächsten Mannschaften der Gruppe (Lettland, Malta Georgien) benötigt die U21 im Herbst jetzt noch, um sich für die EM zu qualifizieren. Das erscheint nicht unmöglich. Die vielen Stand-by-Phasen, die ein U21-Trainer so hat, werden dem gebürtigen Paderborner und Wahl-Münchner Di Salvo durch viele Erfolge versüßt. Seine U21 hat in den vergangenen zweieinhalb Jahren von 29 Spielen nur zwei verloren: das EM-Finale im Juni 2025 (2:3 gegen England) und das Qualifikationsspiel gegen Griechenland (2:3) im vergangenen Oktober.

Die U21 ist für junge Fußballer eine Wohlfühloase. Das hält Talente wie Lennart Karl oder Saïd El Mala zwar nicht davon ab, sich vom Bundestrainer Julian Nagelsmann zwischendurch für die A-Nationalmannschaft nominieren zu lassen. Aber die größere Chance, ein Finale zu spielen, haben sie mit der U21 alle zwei Jahre bei der EM.

Für den jungen El Mala, 19, stellte sich nach der Nachricht vom Tod der Großmutter die Frage, ob er heimreist, aber er entschied sich, bei der U21 zu bleiben. „Die Mannschaft hat ihn super aufgefangen“, sagte der Trainer Di Salvo nicht ohne Stolz auf die auch emphatischen Tugenden seines Kaders: „Ich glaube, es hat Saïd gutgetan, bei uns zu bleiben.“ El Mala habe auch viel mit der Teampsychologin Helena Schmitz gesprochen.

Und so waren es in jeder Hinsicht mal wieder zehn erfolgreiche, aber auch tröstliche Tage für die U21 von Trainer Di Salvo. Viele seiner Spieler müssen jetzt zu ihren Klubs in den Bundesliga-Abstiegskampf zurückkehren: El Mala zum 1. FC Köln, Mio Backhaus zu Werder Bremen, Lukas Ullrich zu Borussia Mönchengladbach, Nelson Weiper zum 1. FSV Manz 05, Dzenan Pejcinovic zum VfL Wolfsburg und Arijon Ibrahimovic zum 1. FC Heidenheim. Auf die Rückkehr in die Wohlfühloase U21 müssen auch sie jetzt ein halbes Jahr warten.