Erneutes Drama um Italien: Der viermalige Weltmeister hat zum dritten Mal nacheinander die WM-Teilnahme verspielt. Das Team von Trainer Gennaro Gattuso verlor trotz Führung 1:4 (1:1, 1:1, 1:0) im Elfmeterschießen in Bosnien-Herzegowina. Italien spielte nach einer roten Karte gegen Alessandro Bastoni (41. Minute) lange in Unterzahl.
„Eine weitere historische Niederlage! Wie im schlimmsten Albtraum. Wir halten die Rückkehr zur WM in der Hand – und sehen zu, wie sie uns im Elfmeterschießen entrissen wird. Die Apokalypse geht weiter“, schrieb die Gazzetta dello Sport. „Jetzt müssen alle rausfliegen! Das totale Scheitern. Ein Desaster. Italien sagt zum dritten Mal bitter Lebewohl“, titelte Tuttosport.
Angreifer Moise Kean (15. Minute) erzielte zunächst die Führung und profitierte dabei auch von einem groben Patzer von St.-Pauli-Torwart Nikola Vasilj, dessen missglücktes Zuspiel das Gegentor einleitete. Italien beschränkte sich im Anschluss nur noch aufs Verteidigen und zog sich nach dem unstrittigen Platzverweis gegen Bastoni nach einer Notbremse noch mehr in die Defensive zurück.
Italien lauerte auf Konter, Kean hatte so auch das zweite Tor auf dem Fuß. Doch der Stürmer, der in der 60. Minute allein auf Vasilj zulief, setzte den Ball knapp über das Tor. In der regulären Spielzeit schoss Italien nur zweimal auf das bosnische Tor.
Das in Überzahl überlegene Bosnien drückte lange auf den Ausgleich, wurde durch Haris Tabakovic (79.) von Borussia Mönchengladbach belohnt. Schließlich zerstörte Esmir Bajraktarevic im Elfmeterschießen alle italienischen WM-Träume. Francesco Pio Esposito und Bryan Cristante vergaben für die Italiener.
Der Schalker Edin Dzeko und Bosnien-Herzegowina fliegen zum zweiten Mal nach 2014 zu einer WM-Endrunde, damals in Brasilien waren auch die Italiener zum letzten Mal dabeigewesen. Statt der Squadra Azzurra trifft nun die Mannschaft von Trainer Sergej Barbarez in der Vorrundengruppe B auf Co-Gastgeber Kanada, auf die Schweiz und auf Katar. Bei ihrer Premiere vor zwölf Jahren waren die „Drachen“ als Vorrunden-Dritte hinter Argentinien und Nigeria gescheitert.

Das italienische Warten geht dagegen weiter. Schon 2018 und 2022 scheiterte man in den Playoffs an Schweden und Nordmazedonien. 2010 und 2014 scheiterte Italien in der Gruppenphase. Der Gewinn des EM-Titels 2021 blieb der einzige Lichtblick in dieser dunklen Phase. Das bisher letzte K.-o.-Spiel bei einer Weltmeisterschaft, das Italien bestritt, ist das gewonnene WM-Finale 2006 in Berlin.
Türkei fährt erstmals seit 2002 zur WM
Die Türkei fährt nach 24 Jahren wieder zu einer Fußball-Weltmeisterschaft. Trainer Vincenzo Montella führte den früheren WM-Dritten am Dienstagabend im Finale der Europa-Playoffs zu einem hart erkämpften 1:0 (0:0) in Kosovo. Die Türken sind erstmals seit 2002 für eine WM-Endrunde qualifiziert, sie treffen in der Gruppe D auf Gastgeber USA, Paraguay und Australien.
Die Gäste feierten auf das Ende ihrer quälenden Leidenszeit stürmisch, denn eine ganze Generation von Fans kennt bei der WM bislang nur die Zuschauerrolle. Kerem Aktürkoglu (57.) von Fenerbahce Istanbul stieg mit dem Siegtor zum Spieler des Abends auf. Für Kosovo war bereits das 4:3 in der Slowakei im Halbfinale eine Sensation gewesen. Hoffenheims Fisnik Asllani spielte stark auf und hatte die beste Chance der ersten Halbzeit: Er traf mit seinem Fernschuss die Querlatte (29.).
Die Türken, WM-Teilnehmer 1954 und 2002, waren mindestens gleichwertig und hofften auf einen erneuten Geniestreich von Arda Güler. Der Spieler von Real Madrid hatte das Halbfinale gegen Rumänien (1:0) mit einem Traumpass entschieden. Letztlich war es dann aber Aktürkoglu, der den Ball als Abstauber mit etwas Glück über die Linie schob.
Lewandowski verpasst die WM
In Solna setzte sich Schweden mit 3:2 dank Treffern von Anthony Elanga (20.), Gustaf Lagerbielke (44.) und Viktor Gyökeres (88.) durch. Für Polen waren die Tore von Nicola Zalewski (33.) und Karol Swiderski (55.) nicht genug. Der 37 Jahre alte Lewandowski hat damit seine wohl letzte Chance auf eine WM-Teilnahme verspielt. Gyökeres hatte bereits im Halbfinale drei Treffer erzielt.
Für die Schweden geht es in der WM-Gruppe F gegen die Niederlande, Japan und Tunesien. Vor vier Jahren hatte es bereits das Playoff-Duell zwischen den Schweden und den Polen gegeben – damals setzten sich Lewandowski und Co. durch.
Überraschend gescheitert sind die Dänen. Pavel Sulc (3.) und Ladislav Krejci (100.) hatten Tschechien jeweils in Führung gebracht, Dänemark kämpfte sich durch Tore von Joachim Andersen (73.) und Kasper Högh (111.) in das Elfmeterschießen. Dort vergaben gleich drei Dänen einen Elfmeter, nur Christian Eriksen traf – Tschechien siegte vom Punkt mit 3:1.
