Kalt genug war es an diesem Wochenende, da hatten vielleicht nicht alle Lust auf noch mehr Schnee und Eis. Aber die Show musste durchgezogen werden, schließlich galt es, die neue „World of Frozen“ im Disneyland Paris zu eröffnen. So fand sich in dem Vergnügungspark vor den Toren von Paris von der Schauspielerin Isabelle Huppert über das Model Naomi Campbell bis zu Schuhdesigner Christian Louboutin am Samstag allerlei Prominenz ein, um vor der künstlichen Bergkulisse und einem Dorf im Alpin-Style zu posieren. Sie konnten nach der Eröffnungsshow ein Spektakel aus Drohnen, Lichtinstallationen und Feuerwerk verfolgen, das künftig allabendlich eine Attraktion sein soll.
Am Sonntag wurden dann die Tore für alle Besucher geöffnet, die Tickets waren seit Monaten ausverkauft. Für die fünfminütige Fahrt über einen See musste man mehrere Stunden Wartezeit in Kauf nehmen. Zu sehen ist die detailgetreue Nachbildung von Arendelle, dem Königreich aus der bekannten Filmreihe „Die Eiskönigin – Völlig unverfroren“, das Schloss inklusive. Dort sind Begegnungen mit den Filmfiguren aus dem erfolgreichsten Animationsfilm aller Zeiten möglich, mit Elsa und Anna sowie dem Schneemann Olaf, einem Roboter. Aber auch andere Erlebniswelten im Park wurden überarbeitet. Man kann einen Spider-Man im „Marvel Avengers Campus“ treffen oder „Findet Nemo“ folgen.

Dass sich nicht alles ums Vergnügen dreht, sondern wirtschaftliche Interessen dahinterstecken, wurde am Freitag bei einem Besuch des französischen Präsidenten Emmanuel Macron im Disneyland deutlich. Er nutzte nicht einmal probeweise eine der Attraktionen, sondern besichtigte neue Restaurants und schüttelte viele Hände von Beschäftigten. Macron sieht das Erweiterungsprojekt als willkommene Förderung für den Standort Frankreich. Er rechnete vor: Zwei Milliarden Euro seien nun investiert worden, insgesamt 13 Milliarden seit der Eröffnung des Disneylands 1992; tausend neue Jobs seien geschaffen worden, insgesamt hängen 70 000 Arbeitsplätze in der Region vom Wohl und Wehe des Disneyland ab.
Die Fläche des Parks wurde in achtjähriger Bauzeit verdoppelt. Bisher gab es den „klassischen“ Disneyland-Park und die Walt Disney Studios, die 2002 dazukamen. Dieser Teil wird nun nach der Erweiterung in Disney Adventure World umbenannt. In einem weiteren Bereich, der dem „König der Löwen“ gewidmet ist, wird noch gebaut, die Eröffnung ist für 2029 vorgesehen. Es wird die erste Attraktion dieser Art weltweit sein, die die Geschichte rund um die Filmfigur Simba umfassend darstellt.
Mit dieser Expansion will sich Disney, das am Standort Paris durchaus eine wechselvolle Geschichte mit zeitweisen Besucherproblemen, abgesagtem Börsengang und Schulden hat, gegen Konkurrenz wappnen. 445 Millionen Besucher haben nach Angaben des Unternehmens seit der Eröffnung vor 34 Jahren das Resort besucht. Mit 16 Millionen Besuchern pro Jahr ist das Disneyland Paris demnach die am stärksten frequentierte touristische Destination in Europa. Aber inzwischen entstehen auch in anderen Ländern solche Attraktionen, sodass Disney Neues bieten muss. Mit dem Parc Asterix gibt es auch einen Mitbewerber im eigenen Land, der in Leipzig einen Ableger bekommen soll.
Der US-Amerikaner Josh D’Amaro, für den es einer der ersten öffentlichen Auftritte als neuer Chef des Disney-Konzerns war, sagte dem Themenpark in Paris jedenfalls eine „strahlende Zukunft“ voraus. Schließlich würden in Zeiten wie diesen viele nach Ablenkung suchen. Zumindest bei einem Besuch in Disneys „Frozen World“ soll Besuchern warm ums Herz werden.
