Erst im vergangenen Jahr trauerten die Löwen an Ostern um Werner Lorant, nun müssen sie erneut von einem Erfolgstrainer Abschied nehmen. Wie der Fußball-Drittligist TSV 1860 München am Sonntagnachmittag auf seiner Homepage bestätigte, ist Karsten Wettberg „nach langer Krankheit im Alter von 84 Jahren friedlich eingeschlafen“.
Wettberg kam im Februar 1990 zum TSV 1860. Er hatte sich zuvor schon als Erfolgscoach im hochklassigen bayerischen Amateurfußball einen Namen gemacht, etwa in Landshut und Unterhaching, doch die Löwen nannte er „die größte sportliche Herausforderung meines Lebens“. Er sollte sie meistern: Von Februar 1990 bis Juni 1991 schaffte er mit seiner Mannschaft eine sensationelle Serie von 54 Pflichtspielen ohne Niederlage.
Im ersten Anlauf verpasste er dabei den Aufstieg aus der Bayernliga in die zweite Liga noch knapp, durch ein 3:3 am letzten Spieltag gegen den Tabellenführer FC Schweinfurt 05, der von Lorant trainiert wurde. Ein Jahr später aber erhielt Wettberg dann den Titel „König von Giesing“ – bei der Ehrung zum Aufstieg 1991 in die zweite Bundesliga auf dem Rathausbalkon vom damaligen Münchener Oberbürgermeister Georg Kronawitter. Legendär ist sein Interview in Unterhose, das er nach dem letzten Spiel der Aufstiegsrunde gegen Borussia Neunkirchen dem BR gab; die Anhänger waren auf den Platz gestürmt, einige hatten ihm die Kleidung vom Leib gerissen.
Sein Hausverbot am Trainingsgelände wurde offiziell nie aufgehoben
Die Erfolgsserie endete allerdings direkt am ersten Spieltag der zweiten Bundesliga Süd beim SC Freiburg. Der mit insgesamt 52 Titeln erfolgreichste Amateurtrainer Deutschlands konnte den Klassenverbleib nicht realisieren. Er wurde am 18. Mai 1992 nach einem 0:1 beim VfB Leipzig entlassen; die Löwen mussten an einer Abstiegsrunde teilnehmen, die sie – auch ohne Wettberg – nicht erfolgreich gestalten konnten. Den Titel „König von Giesing“ aber behielt er, und obwohl er nur gut zwei Jahre im Amt war, hatte sich Wettberg für alle Zeiten ins Gedächtnis des Löwen gebrannt.

Dabei schaffte Wettberg alle seine fußballerischen Erfolge – auch bei den Löwen, danach war er beispielsweise noch beim FC Augsburg und bei Jahn Regensburg tätig – im Nebenberuf: Bis 2002 arbeitete er bei der Post, zuletzt als Postoberamtsrat. Ab 2002 saß er im Kreistag des Landkreises Kelheim, schon 2006 wurde ihm für seine diversen Engagements der Bundesverdienstorden verliehen.
Auch bei den Löwen engagierte sich Wettberg: Zwischen 2007 und 2008 war er Vizepräsident, danach noch kurzzeitig im Aufsichtsrat tätig. Und das, obwohl er offiziell ein nie aufgehobenes Hausverbot am Trainingsgelände hatte, das ihm Präsidentin Lilo Knecht bei seiner Entlassung erteilt hatte. „Das Verbot“, erzählte Wettberg später, „habe ich bestimmt 1000 Mal übertreten.“
