1860 im Toto-Pokal: Eine überschaubare Leistung reicht, um die Krise zu verhindern – Sport

Der Fußballtrainer Markus Kauczinski ist 56 Jahre alt und verfügt bislang über kein einziges Tattoo an seinem Körper. Da kam es schon überraschend, dass der Übungsleiter des Drittligisten TSV 1860 München in einem Interview mit Sport1 dem ganzkörpertätowierten Fragesteller zusagte, sich im Falle eines Aufstiegs einen Löwen in die Haut stechen zu lassen. Nun könnten traditionell defätistische Sechzigfans auf den Gedanken kommen, Kauczinski habe leicht reden (bzw. sich leicht überreden lassen), der Aufstieg sei nach dem 1:2 in Duisburg und bei fünf Punkten Rückstand auf Platz drei doch eh schon wieder abgehakt. Dem wirkte der Trainer in der Pressekonferenz vor dem Toto-Pokal-Halbfinale beim Ligakonkurrenten Jahn Regensburg entgegen: „Der Impuls war, dass ich immer noch glaube, dass was geht, dass wir dran sind, dass wir wieder in der Lage sind, Serien zu starten. Das wollte ich damit dokumentieren, so werte ich meinen Impuls.“

Am Samstag ging es dann erst einmal um den Finaleinzug im bayerischen Verbandspokal; der Sieger des Endspiels qualifiziert sich für den DFB-Pokal. Es war ein in vielerlei Hinsicht merkwürdiges Fußballspiel, auf den Rängen wie auf dem Platz. 14 089 Besucher bedeuteten einen Zuschauerrekord im Toto-Pokal, rund die Hälfte des Publikums im Regensburger Jahnstadion war dem TSV 1860 München zugeneigt. Dennoch dominierten akustisch lange die Heimfans – weil die Ultras der Löwen diesen Wettbewerb trotz seiner unbestreitbaren sportlichen und wirtschaftlichen Bedeutung stimmungstechnisch boykottieren. Auch auf dem Platz waren die Regensburger lange Zeit überlegen – nur um dann 0:1 (0:0) zu verlieren. „Heute haben wir aus viel Aufwand gar nichts gemacht“, sagte Regensburgs Interimstrainer Munier Raychouni und fasste das Geschehen damit treffend zusammen.

Im Finale müssen die Löwen bei den Würzburger Kickers antreten, voraussichtlich am 23. Mai

Den Löwen reichte somit eine überschaubare Leistung, um zu verhindern, dass aus ihrer in Duisburg beendeten Erfolgsserie im Rekordtempo eine Krise wurde. Die Mannschaft zeigte, dass sie unter Kauczinski weiterhin in der Lage ist, Spiele zu gewinnen, ohne zu glänzen – was dann auch für den Ligabetrieb wieder Mut macht. Verantwortlich zeichneten dafür wieder einmal zwei Spieler, die für Drittligaverhältnisse Ausnahmekönner auf ihren Positionen sind: Torwart Thomas Dähne und Stürmer Sigurd Haugen.

Dähne parierte in der ersten Spielhälfte gegen Benedikt Saller (23. Minute) und spektakulär gegen Adrian Fein (29.), auch unmittelbar nach dem Seitenwechsel war er bei einer brenzlichen Situation im Strafraum-Getümmel zur Stelle. Und dann traf Haugen durch „eine tolle Einzelaktion“, wie auch Kauczinski fand, aus dem sogenannten Nichts (54.). In der Folge veränderte sich das Spiel, beim Jahn häuften sich die Fehlpässe, die Löwen standen stabiler und hatten sogar noch die Chance aufs 2:0, als Tim Danhof die Latte traf (71.). Und bei den Gästefans herrschte nun auch ohne Anleitung durch die Ultras gute Stimmung. Was auch daran lag, dass der zuletzt nicht mehr berücksichtige Florian Niederlechner eingewechselt wurde.

Im Finale müssen die Löwen bei den Würzburger Kickers antreten, voraussichtlich am 23. Mai. Bis dahin könnten sich beide Mannschaften bereits auf anderem Wege für den DFB-Pokal qualifiziert haben – die Unterfranken durch die Meisterschaft in der Regionalliga Bayern, die Löwen durch einen der ersten vier Plätze in der dritten Liga. Dann bekämen die Regensburger noch einmal die Chance auf die DFB-Pokal-Teilnahme in einem Entscheidungsspiel der Halbfinal-Verlierer gegen Regionalligist Burghausen. Sollten die Kickers die Aufstiegsspiele gegen den Nordost-Meister oder die Löwen als Tabellendritter die Relegation bestreiten, müsste fürs Finale zudem ein anderer Termin gefunden werden. Alles kompliziert, sicher ist nur: Einer Tätowierung für den Toto-Pokal-Sieg steht Kauczinski ablehnend gegenüber.