Herzblatt-Geschichten: Warum Michelle Hunziker angeblich auf Fernsehärzte steht

Dass die Jahre unerbittlich vorbeiziehen, merkt man an allen zwickenden Ecken und Enden des Körpers, ebenfalls aber an den Schlagzeilen der Regenbogenblätter. Eine schier endlos lange Zeit hat man dort Königs- und Prinzenpaaren wöchentlich Nachwuchs angedichtet und ließ sich auch nicht beirren, als die Protagonistinnen hoch in ihren Vierzigern waren.

Nun endlich fordert die Biologie ihren Tribut. „Mary & Frederik – 2. Jawort und eine süße Überraschung“, behauptet zwar „Das goldene Blatt“ über die Dänen Mary (54) und Frederik (57), „Noch ein Baby? Königin Letizia – Süße Sehnsucht“ wiederum „Neue Welt“ über die Spanierin Letizia (53). Dann aber müssen wir lesen: „Schon lange kursiert das Gerücht, dass sie und Felipe (58) überlegen sollen, ein Baby zu adoptieren.“ Und „Das goldene Blatt“ schreibt über das Dänenpaar: „Wie es heißt, überlegen die beiden nun, ein Kind zu adoptieren. Es wäre so schön!“ Letztere vier Worte übrigens bedeuten, wir haben das hier schon mal ausgeführt, dass das Ganze totaler Quatsch ist.

Dreißig ist fünfzig

Die Besessenheit der Blätter mit Altersangaben führt zu Absurditäten wie einem Interview von „Schöne Woche“ mit der Schauspielerin Diana Staehly. Befragt, ob sie noch Kontakt habe zu den einstigen Kollegen aus „Stromberg“, antwortet sie: „Ja, zu Oliver Wnuk (50). Wir sind seit über 20 Jahren eng befreundet. Und mit Milena Dreißig (50) treffe ich mich auch regelmäßig. Bei ,Rote Rosen‘ habe ich mich mit Birthe Wolter (44) sehr angefreundet, inzwischen bin ich die Patentante ihres Sohnes.“ Einzig das Alter des Patensohns hat man ihr nicht hineinredigiert, das war „Schöne Woche“ wohl unbekannt. Milena Dreißig übrigens hätten wir noch gar nicht auf fünfzig geschätzt, sondern höchstens auf, ähm, dreißig. Pardon.

Eine Nachlässigkeit erlaubt sich „Die neue Frau“ bei ihren Phantastereien über Liebesreigen in der Schlagerbranche. Es taucht nämlich Beatrice Egli auf als „die hübsche Schweizerin“, Florian Silbereisen als „der sympathische Niederbayer“, Giovanni Zarrella als „der smarte Italoschwabe“ – allerdings ganz ohne Etikett Barbara Schöneberger. Nächstes Mal bitte unbedingt „die quirlige Münchnoberlinerin“ hinzufügen.

Dieser Text stammt aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.



Die aparte Italoschweizerin Michelle Hunziker soll, wie „Gala“ bemerkt hat, einen neuen „Dottore Amore“ daten. Über besagten Giulio Berruti lesen wir: „Der ausgebildete Zahnarzt ist Beauty-Unternehmer mit eigener Marke.“ Und: „2022 war die Moderatorin kurz mit Giovanni Angiolini liiert – ebenfalls Mediziner und ebenfalls TV-Gesicht.“ Womöglich liegt hier tatsächlich ein Beuteschema vor. Eckart von Hirschhausen wird schon ganz wuschig.

Sie steht im Echinacea-Feld

Der Naturmedizin zugewandt hat sich „Bunte“ zufolge Gisele Bündchen: „Die Brasilianerin ist bekennende Umweltschützerin und bevorzugt auch pflanzliche Medizin. Hier steht sie in einem Echinacea-Feld. Der Korbblütler ist bekannt für die Stärkung des Immunsystems.“ Interessant, haben wir nicht gewusst. Wie lange muss man denn stehen in so einem Feld, bis das Zeug zu wirken beginnt?

Ziemlich neben sich stand, bevor er sich eine Auszeit gönnte, Sänger Johannes Oerding. „Es gab 2023 einen Moment auf einem meiner letzten Konzerte während der Open-Air-Tour“, lässt er „Bunte“ wissen. „Ich stand auf der Bühne und habe beim Singen über meinen Einkauf für den nächsten Tag nachgedacht. Da wusste ich: Wenn es so weit ist, dass dich das alles gar nicht mehr juckt, dann brauchst du dringend eine Pause.“ Daraufhin hat er . . . Moment . . . haben wir eigentlich noch Radieschen zu Hause? Hm, die Hafermilch geht wohl auch schon zur Neige.

Ob er noch Radieschen hat? Johannes Oerding
Ob er noch Radieschen hat? Johannes Oerdingdpa

Auszeiten in der Natur sucht Matthias Schweighöfer, der „Bunte“ erzählt: „An der Natur ist einfach alles gut; sie erdet einfach.“ Generell ließe sich sagen, dass die Erde erdet. Aber ob die Natur etwas weniger erdet, wenn es sich bei ihr um das Meer handelt? Als „Bunte“ noch nach seinem größten Traum fragt, antwortet Schweighöfer: „Also, auch wenn es kitschig klingt, aber mein größter Traum ist natürlich, lange zu leben und gesund zu sein.“ Für uns klingt das eher ernüchternd pragmatisch. „Mit meiner Liebsten auf einem pinken Einhorn in den Sonnenuntergang zu reiten“ – das fänden wir kitschig. Aber auch sehr, sehr schön.

Weniger schön klingt, was „Bunte“ über das deutsche WM-Domizil in North Carolina herausgefunden hat: „WM-Fluch? Unsere Nationalmannschaft schläft im Spuk-Hotel“, reportiert sie. Über „The Graylyn Estate“ erzähle man sich Schauergeschichten, etwa „von einem Mädchen, das Blumen trägt, und einem Mann mit Zylinder“. Erfreulich wäre es, stellten sich auch noch der Geist von Spiez und der Geist von Malente ein, denn die haben uns angeblich zu den WM-Titeln 1954 und 1974 verholfen. Als nützlich erweisen könnten sich zudem gefährliche Gestalten wie die Kobra, der Bomber und das Kopfballungeheuer. Möglichst nicht blicken lassen sollte sich allerdings: das Abstiegsgespenst.