Die Stürmerfrage treibt das DFB-Team weiter um. Kai Havertz und Nick Woltemade konnten gegen die Schweiz nicht glänzen, trotz seiner Formstärke hatte Julian Nagelsmann für Deniz Undav keinen Platz.
Wenn man einen Florian Wirtz in der Form wie beim 4:3-Sieg gegen die Schweiz im Team hat, muss man sich nicht ganz so viele Sorgen um das eigene Offensivspiel machen. Trotz seiner Klasse wird es dem 22-Jährigen aber unmöglich sein, in jedem Spiel zwei Tore vorzubereiten und zwei Treffer zu erzielen. Der Angriff des DFB-Teams sollte von mehreren Schultern getragen werden, aber die Frage besteht weiter: Welche Stürmer-Schultern sollen es sein?
Havertz mit „sechs, sieben sehr gefährlichen Situationen“
Im ersten der beiden Vor-WM-Tests versuchte Julian Nagelsmann, den Angreifern eine Bühne zu bieten, die aktuell seine Hilfe brauchen. Kai Havertz startete, in der 63. Minute übernahm Nick Woltemade. Havertz konnte seine Chance nicht nutzen, er gab drei Torschüsse ab, seine Dribblings misslangen und er verlor acht von neun Zweikämpfen. Woltemade schoss zweimal Richtung Tor und gewann nur eins von fünf Duellen gegen gegnerische Spieler. Beide blieben ohne Erfolgserlebnis.
Bei Havertz ist der fehlende Rhythmus zu erkennen, nachdem er beim FC Arsenal lange verletzungsbedingt ausgefallen war. „Er hat sechs, sieben sehr gefährliche Situationen. Und ja, er muss gesund sein und zu einer guten Fitness finden. Dann ist das für uns auf dem Niveau wie Florian Wirtz oder wie Jamal Musiala“, sagte Nagelsmann. Aktuell muss man allerdings feststellen, dass Havertz dieses Niveau bei weitem nicht erreicht.
Formschwacher Woltemade erhält den Vorzug vor Undav
Viel besser läuft es jedoch auch für Woltemade nicht, der bei Newcastle United schon vor langer Zeit seinen Stammplatz verloren hat. „Nick hat bei uns eine super Quote, in Newcastle gerade aber keinen leichten Stand“, sagte Nagelsmann, der darauf setzte, dem 24-Jährigen ein besseres Gefühl geben zu können, bei „RTL“. „Ich sage, es ist ratsam, dass Nick Woltemade bei uns wieder in die Spur kommt, weil bei Newcastle läuft es nicht 100 Prozent rund.„
Ob das gelungen ist, weiß nur Woltemade selbst. Aber: Die Jokerrolle kennt er auch aus dem Klub, was ihm wirklich gut getan hätte, wäre ein persönliches Erfolgserlebnis. Solche erlebte Deniz Undav in den vergangenen Wochen und Monaten reihenweise, für einen Einsatz gegen die Schweiz reichte es dennoch nicht.
„Ich habe die Wahl, einem Topstürmer, der gut drauf ist, noch weiter Selbstbewusstsein zu geben, oder einen Top-Stürmer, der gerade nicht ganz gut drauf ist, fallen zu lassen“, sagte Nagelsmann. „Dennis hat ohnehin einen Lauf. Ob er jetzt spielt oder nicht, wird in seinem Selbstvertrauen für diese Woche nichts ändern.“ Doch hat das Schweiz-Spiel gereicht, um das Selbstvertrauen von Havertz und Woltemade zu stärken, weil sie gespielt haben?
Darf Undav gegen Ghana ran?
Vor dem Spiel am Montag gegen Ghana (20.45 Uhr, live im Ersten und Stream auf sportschau.de) muss Nagelsmann die Stürmerfrage neu bewerten. Die Partie findet in Stuttgart statt, was die Chancen für Undav sicher nicht verschlechtern dürfte, sich erstmals seit dem 8. Juni 2025 (0:2 gegen Frankreich) im DFB-Trikot zeigen zu dürfen. In dem hat der 29-Jährige übrigens auch eine gute Bilanz vorzuweisen, in sechs Länderspielen hat er drei Tore erzielt und so eine bessere Quote als Woltemade (vier Treffer in neun Partien).
Nagelsmann verwies darauf, dass die Partie gegen die Schweiz spielerisch nicht unbedingt passend für Undav gewesen sei. Gegen Ghana (verlor gerade 1:5 gegen Österreich) wird sie mit mehr Ballbesitz höchstwahrscheinlich prädestiniert für den VfB-Stürmer sein. Doch nicht nur deswegen ist die Frage, ob der Bundestrainer überhaupt noch an ihm vorbeikommt. Zumal sich Profis mit starken Leistungen doch einen Platz im DFB-Team verdienen sollen – und nicht befürchten müssen, dass sie wegen einer guten Form auf der Bank landen.

