Deutsche Leasing AG: Schlechte Bedingungen für Investitionen des Mittelstands

Der deutsche Mittelstand steht unter Druck. Und vor Entscheidungen mit weitreichenden Folgen. Investitionen werden zurückgehalten, Standortnachteile in Deutschland werden immer offensichtlicher, der Transformationsdruck in Richtung Digitalisierung und Dekarbonisierung nimmt zu. Das Bild, das Kai Ostermann, Vorstandsvorsitzender der Deutsche Leasing AG mit Sitz in Bad Homburg, im Gespräch zeichnet, ist kein gutes.  Ausrüstungsinvestitionen, also der Kauf von Maschinen, Anlagen, IT-Geräten oder Unternehmensfahrzeugen, lägen in Deutschland noch immer deutlich unter dem Niveau von 2019. „Der Investitionsbedarf liegt auf der Hand, trifft aber auf ein schwieriges Umfeld.“ Will heißen: Eigentlich müssten die Betriebe Geld in die Hand nehmen, aber wegen der Rahmenbedingungen schrecken viele davor zurück.

Die Deutsche Leasing finanziert seit mehr als 60 Jahren Investitionen des deutschen Mittelstands im Inland wie international. Als Verbundpartner der Sparkassen-Finanzgruppe bietet die Gruppe eine ganze Palette an Finanzierungsformen an, bei denen Unternehmen Vermögenswerte wie Maschinen, Fahrzeuge, IT-Ausstattung oder Immobilien finanzieren oder leasen und diese selbst als Sicherheit für die Finanzierung dienen.

Das Portfolio ist breit gefächert: Es reicht vom Firmenwagen über Straßenbahnen und Züge bis zu Infrastrukturinvestitionen, etwa in Wind- und Solarparks. Hinzu kommen Dienstleistungen, vom Baucontrolling bis zur Integration von Fördermitteln in Investitionsvorhaben. Die Gesellschaft ist in mehr 20 Ländern aktiv, beschäftigt rund 3200 Mitarbeiter und versteht sich als „Vollsortimenter“ für Realinvestitionen, wie Ostermann sagt. Er ist seit 2010 Vorstandschef, dem Gremium gehört er seit 2006 an. Zuvor leitete er die Vorgängergesellschaft der heutigen DAL Deutsche Anlagen-Leasing, einer Tochtergesellschaft der Deutsche Leasing AG, und war in der Landesbank Schleswig-Holstein in leitender Funktion tätig.

Ersatzinvestitionen statt Erweiterung

Die Diagnose zur Konjunktur fällt nüchtern aus. Neben geopolitischen Risiken macht Ostermann strukturelle Standortprobleme aus: Bürokratie, Energiepreise, keine leitende Idee in der Wirtschaftspolitik. Es gebe zwar weiterhin einen Fachkräftemangel, zugleich aber steige die Arbeitslosigkeit, Insolvenzen nähmen spürbar zu. In dieser Gemengelage verschöben mittelständische Unternehmen Expansion und ersetzten eher Altanlagen, als neue Kapazitäten aufzubauen. „In den letzten zwölf Monaten haben wir eher Ersatzinvestitionen gesehen.“ Erweiterungen fänden, wenn überhaupt, häufiger im Ausland statt.

Kai Ostermann
Kai OstermannDeutsche Leasing

Besonders unter Druck stünden klassische Kernsektoren wie Maschinenbauer, Automobilzulieferer und Logistikunternehmen. Dagegen wüchsen Felder, die unmittelbar mit der Transformation verknüpft sind, etwa aus den Branchen erneuerbare Energien, Speichertechnologien, Netzinfrastruktur sowie öffentlicher und schienengebundener Verkehr, von Straßenbahnen bis zu ICEs. Auch sicherheits- und verteidigungsnahe Industrien gewönnen an Bedeutung. Man finanziere zwar keine Waffen, sagt Ostermann, „aber wir unterstützen Unternehmen, die Maschinen, IT und Infrastruktur aufbauen“.

Die Geschäftszahlen der Deutschen Leasing, die vor Kurzem vorgestellt wurden, spiegeln diesen Befund: Im Geschäftsjahr 2024/25 stieg zwar das Neugeschäftsvolumen um rund elf Prozent auf 11,4 Milliarden Euro (Vorjahr: 10,3 Milliarden Euro). Das Wachstum ist aber vor allem einer großen Investition der Deutschen Bahn zu verdanken, für die die Gesellschaft den Kauf von 25 ICE-Zügen finanzierte. Investitionsvolumen: rund 960 Millionen Euro. Rechnet man das heraus, macht das Neugeschäft seit dem Geschäftsjahr 2021/2022 eher eine Seitwärtsbewegung.

Mehr Leasing, weniger Investitionen

Besonders dynamisch entwickelte sich Green Finance. Gemeinsam mit der Deutsche Anlagen-Leasing erzielte die Gruppe 2024/25 rund 1,2 Milliarden Euro Neugeschäft mit erneuerbaren Energien. Neben großen Freiflächenanlagen oder Windparks rückt die Eigenversorgung der Industrie in den Fokus: Photovoltaik auf Werkdächern, unternehmenseigene Windturbinen und Batteriespeicher. „Viele Unternehmen wollen auf der Energieseite autarker werden“, sagt Ostermann.

Derzeit spiele Leasing bei Ausrüstungsinvestitionen eine größere Rolle, was sich an einer steigenden Leasingquote zeige. Das ist ein Indiz für eine schwierige wirtschaftliche Gemengelage, denn Unternehmen leasen mehr, wenn sie weniger Geld haben und sie „ihr Pulver trocken halten möchten“, sagt Ostermann. Für viele Mittelständler, die gleichzeitig im Kerngeschäft gefordert sind, sei das immer wichtiger, um Transformationsprojekte überhaupt stemmen zu können.

Ostermann sieht die Gefahr, dass aus der konjunkturellen Schwäche eine strukturelle Erosion im Mittelstand wird. Und das weniger, weil einzelne Mittelständler „per se“ ihre Wettbewerbsfähigkeit verlören, sondern weil Standortfaktoren die Unternehmen erdrückten. „Man muss aufpassen, dass man den Anschluss nicht verpasst.“

Für das laufende Geschäftsjahr 2025/26 erwartet die Deutsche Leasing eine stabile Entwicklung, aber keine rasche Entspannung. Dass die Gruppe im deutschen Markt von der Kommunaltram bis zum Industrieequipment nahezu jedes Objekt finanziert, verschafft ihr in Phasen, in denen Branchen sich verändern, Ausgleichsmöglichkeiten. Doch auch das beste Portfolio ersetzt keine Standortpolitik. Die Lage der Deutsche Leasing hängt mittelbar auch von der Lage des Mittelstands ab.