Für sie: Der Zwitter-Treter
Gerade erst atmeten modisch interessierte Geringverdiener auf, weil es in diesem Jahr endlich Nachahmermodelle von Saint Laurents perfektem Loafer (mit dem selbstbewussten Namen „Le Loafer“) gibt, da müssen sie schon wieder umdenken. Denn ein neuer It-Schuh hat sich auf leisen Sohlen in den Frühling eingeschlichen. Man sah ihn vor zwei Jahren beim stets untertreibenden französischen Label Lemaire – und dann, bei den letzten Sommerschauen, auf dem Laufsteg von Celine. Seit dort ein neuer Kreativchef lauter Zeug entwirft, das wirklich ins Leben passt, drehen Modefans durch vor Begeisterung. Denn was ins Leben passt, landet früher oder später in den Läden, die sich auch das Volk leisten kann, und so kommt es, dass jetzt Modeketten wie Massimo Dutti oder Cos (Foto) solche Schuhe im Angebot haben.

Aber wie soll man diesen It-Schuh denn nun nennen? Ist er ein Ballerina wegen seiner Weichheit? Oder ein Derby wegen seiner Schnürung? Klar ist: Der hochgeschlossene Ballet Flat (also ohne Zehendekolleté), Soft-Treter der letzten Jahre, hatte sich schon im vorigen Jahr zum Sneakerina gemausert, einem Zwitter aus Turnschuh und Ballerina also. Aber das war nur der erste Schritt auf dem Weg aus dem Turnschuh. Wer bitte kann sich denn noch in den Dingern sehen? Aufs Bequeme aber will man nach Jahren der angenehmen Fußverblödung trotzdem nicht mehr verzichten, und so erscheint dieser Softschnürer sehr zeitgemäß, obwohl er sich nicht zum In-den-Hintern-Treten eignet. Möchte man ja manchmal in diesen Tagen.
Für ihn: Bruder Leichtfuß
Solche filigranen Lederschuhe ohne nennenswerte Sohle sehen an Männern schnell ein wenig seltsam aus. Warum? Weil sie das Mannsbild gewissermaßen auf tönerne Füße stellen und die ganze Erscheinung damit ein wenig instabil wirkt. Klassisches Männerbild ist ja eher: sturmfest und erdverwachsen. Die sogenannten Repetto- oder Zizi-Schuhe aber, die in Frankreich in den 1970er-Jahren schon mal modisch wurden, sind das nicht. Damit legt man keinen markanten Auftritt hin, sondern schleicht eher so daher. Andererseits konnte ein flirrender Typ wie Serge Gainsbourg mit genau diesen Schuhen seinen quecksilbrigen Sex-Appeal sehr gut unterstreichen – er trug sie mit kleinem Absatz.

Wer also Bohemian genug ist, auf offensive Männlichkeit zu pfeifen, der kann mit diesen Schuhen (hier von Celine), die ursprünglich zur Ausrüstung von Tänzern gehörten, durchaus gut durchs Leben tänzeln. Sie machen ihren Träger leicht und elegant und lassen ihn gewissermaßen immer wie auf dem Sprung wirken. Davon abgesehen sind sie auch praktisch, tragen sich im Sommer und im Süden angenehm, passen noch in jeden vollen Koffer und ergeben zusammen mit einer Stoffhose einen feuilletonistischen Look, den viele andere Sommerschuhe nicht haben. Natürlich schlüpft man barfuß hinein, und bei Kauf oder Anprobe sollte man darauf achten, dass die Fußform nicht zu deutlich durch das dünne Leder drückt. Denn das, Gainsbourg hin oder her, sieht niemals gut aus. Wenn man als Betrachter den großen Zeh klar erkennen kann und das Ganze nicht wie ein Schuh, sondern eher wie ein Schläppchen wirkt, wird’s nichts mit der Bohème.
