
Mitten in … Kathmandu
Der Interviewpartner ist noch nicht da, aber man kann ja schon mal in den Imbiss reingehen. Noch bevor ich mich setze, kommt er. Der Mann sieht etwas alt aus für einen Vertreter der nepalesischen Generation Z. Sind das die Sorgenfalten der Jugend? Ist das Leben im Himalaya-Staat so schwer? Darüber wird zu reden sein. „Süddeutsche, Guten Tag. Schön, dass Sie sich Zeit nehmen.“ Der Mann mustert die Visitenkarte. Wir setzen uns. Ich schildere das Thema der Recherche. Der Mann hört unschlüssig zu. Er spricht unerwartet schlecht Englisch. Egal. Erste Frage: „Wie sehen Sie die Lage vor der Wahl?“ Die Antwort ist schwer zu verstehen, aber geht wohl in die Richtung: Kann man nichts machen. Dann tritt ein junger Mann an den Tisch. In fließendem Englisch stellt er sich als der Interviewpartner vor. Der freundlich radebrechende Mann ist der Wirt des Imbisses. Thomas Hahn

Mitten in … Corralejo
Viktor liebt uns, das sagt er immer wieder. Er kam vor 16 Jahren aus Venezuela nach Fuerteventura, war zwischendurch Hochzeitsfotograf und zeigt jetzt einer Gruppe von 19 Touristen die Sterne. Oder versucht es zumindest. Eigentlich ist alles vorbereitet, die Vulkanebene erreicht, das Teleskop zusammengeschraubt, nur der Abendhimmel auf der Kanareninsel weigert sich. Es sind vor allem dunkle Wolken zu sehen. In 20 Minuten könnte es vielleicht ein kleines Zeitfenster geben, meint Viktor. Das sieht dann allerdings so aus, dass ein Sturzregen einsetzt. In der Dunkelheit sucht die Gruppe mit Stirnlampen den Weg zum Parkplatz. Viktor gibt sein letztes Hemd oder zumindest seine Jacke und läuft im T-Shirt die Reihen ab, damit keiner verloren geht. Als er wenig später wie die anderen klitschnass im Trockenen sitzt, hört der Regen schlagartig auf. Florian Kaindl

Mitten in … Ebersberg
Die Sonne lacht, ein laues Lüftchen weht, also nichts wie raus für eine Runde um den Egglburger See. So sehen es auch andere: Pensionistenpaare, Mütter mit erwachsenen Töchtern oder Hundebesitzerinnen. Natürlich sind auch Menschen mit Kinderwagen unterwegs. Manchmal sogar Männer. Wie der, dem man schon auf 50 Meter Entfernung ansieht, dass er viel und gern spricht. Ein Mittdreißiger, trendige Wuscheltolle am Oberkopf, der helle Blouson lässig geöffnet. Typ Manager, fest vertieft in ein Gespräch. Wahrscheinlich mitten in einem Meeting mit New York, Rio, Tokio, geführt via Headset. Doch was ist das? Beim Näherkommen entpuppt sich der vermeintliche Business-Dialog als Dutzidutzi-Lautmalerei, gekrönt von der Frage: „Und? Macht das Spaß?“ „Jaaaa!“, jauchzt es aus dem Wagen. Hallo, Vorurteil! Du blühst nicht nur zur Winterszeit. Michaela Pelz
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