Am Mittwochabend stand Bernd Neuendorf als Präsident des Deutschen Fußball-Bundes im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund und sagte: „Der deutsche Fußball muss sich nicht verstecken, was Talente angeht.“ Und genau das macht der deutsche Fußball ab sofort im Deutschen Fußballmuseum auch nicht. Im Gegenteil: Er präsentiert sie in einer Multimedia-Show als Superhelden mit Superkräften.
„Superheroes. Jamal Musiala. Florian Wirtz“ – so heißt die Ausstellung, die jetzt eröffnet wurde; von Samstag an ist sie für die Öffentlichkeit zu sehen. Bis zum 6. Januar 2027 läuft täglich (außer montags) in Dauerschleife auf zwei gewaltigen gegenüberliegenden Leinwänden ein 26-minütiger Film, der sich mit Pathos, Pomp und Popmusik Jamal Musiala vom FC Bayern und Florian Wirtz vom FC Liverpool widmet. Immer wieder werden sie in dem Film comicartig zu Helden à la Spider-Man und Superman stilisiert.

:„Mit Florian Wirtz bin ich auf dem Platz immer glücklich“
2024 war sein Jahr: Bayern-Profi Jamal Musiala spricht im Interview über die neue Harmonie im Nationalteam – und darüber, was er an seinem Spiel verändert hat.
Zur Beruhigung all jener, die die Superheroisierung zweier gerade 22 (Wirtz) und 23 (Musiala) Jahre alter Fußballer skeptisch sehen könnten, sagen beide Spieler im Film in einem Zitat sozusagen gleichzeitig und sehr demütig: „Ich glaube nicht, dass ich Superkräfte habe.“
Die Eltern Hans Wirtz und Karin Groß sowie die Mutter Carolin Musiala waren am Mittwoch auch im Fußballmuseum und sahen den Film zum ersten Mal. Hinterher zeigten sie sich überwältigt von der visuellen Kraft, berichteten aber auch von anfänglichen Zweifeln. „Den Florian zum Superhelden zu machen, kam uns zuerst etwas merkwürdig vor“, sagte Vater Wirtz, „aber dann hat man uns erklärt, dass die Ausstellung dazu gedacht ist, Kinder zu stärken, sodass sie an sich glauben.“ Mutter Musiala ergänzte: „Es geht darum, die nächste Generation im Fußball zu motivieren – und den Gedanken, mit dieser Ausstellung andere anzustecken, findet Jamal super.“ Jamal Musiala und Florian Wirtz konnten bei der Eröffnung nicht dabei sein. Wirtz war bei der Nationalmannschaft in Herzogenaurach, Musiala trainiert nach einer Verletzung in München. „Er erholt sich, um für die Weltmeisterschaft wieder fit zu sein“, sagte seine Mutter ins Mikrofon und erntete Jubel vom jungen Premierenpublikum.
Es geht darum, die nächste Generation im Fußball zu motivieren.
Carolin Musiala, Mutter von Jamal Musiala
Um am pädagogischen Auftrag der Superhelden-Ausstellung keine Zweifel aufkommen zu lassen, hatte das Museum für die Eröffnung mehrere Hundert Kinder eingeladen. „Bei unserer letzten Ausstellung ‚Netzer‘ haben wir in die Siebzigerjahre zurückgeschaut“, sagte der Museumsdirektor Manuel Neukirchner, „und jetzt wagen wir einen Perspektivwechsel. So nah am Puls der Zeit waren wir noch nie.“
Wirtz und Musiala appellierten im Laufe des mit vielen Actionszenen gespickten Films immer wieder ans Publikum, an seine Träume zu glauben. „Trau dich, zu träumen!“, sagt Wirtz im Film. Damit sich niemand von der Unerreichbarkeit der Helden abschrecken lässt, brechen sie ihre vermeintlichen Superkräfte auf ganz irdische Züge herunter. „Fünf Prozent sind Superkraft, die anderen 95 Prozent sind Arbeit und Training“, sagt Wirtz. „Meine Superkraft ist, an meinen Traum zu glauben“, sagt Musiala.

„Wir brauchen Vorbilder und Idole, denn über Vorbilder kommen die Kinder zum Fußball“, sagt der DFB-Präsident Neuendorf. Ein Nebengang des großen Vorführraums im Museum ist gewissermaßen ein begehbarer Comic. Am Ende des Flurs sieht man Musiala und Wirtz rücklings, wie sie in die Ferne zum Horizont schauen, aber statt in eine untergehende Sonne blicken sie in das gleißende Antlitz des WM-Pokals. Diesen zu gewinnen, sagen sie im Film, sei ihr allergrößter Traum.
Da trifft es sich gut, dass im Sommer eine Weltmeisterschaft stattfindet, und dass beide dort mitspielen sollen. Julian Nagelsmann nominiert seinen WM-Kader zwar erst Ende Mai, aber schon am Mittwochabend sagte der DFB-Präsident Neuendorf: „Die beiden sind für die WM gesetzt – das darf ich schon verraten.“
