Was für ein Drama in der DFB-Zentrale in Frankfurt am Main: Nach 14 Jahren Dauerstreit um die Regionalliga hat die Arbeitsgruppe den Verbandspräsidenten gleich zwei Reformvorschläge für das deutsche Ligensystem präsentiert.
Wie von vielen erwartet, verlief die Sitzung äußerst kontrovers. Das Ergebnis: zwei völlig unterschiedliche Modelle für die künftige Gestaltung der 4. Liga. Besonders viel Zuspruch erhält dabei das sogenannte Kompassmodell, das in zahlreichen Regionen und auch unter Fans großen Anklang findet. Es sieht vor, die bisherigen fünf Staffeln auf vier zu reduzieren. Die dann 80 statt 90 Teams sollen mithilfe von KI jährlich so eingeteilt werden, dass die Reisewege möglichst kurz bleiben.
Aufspaltung des Nordostens ist ein Modell
Dem gegenüber steht eine deutlich umstrittenere Variante. In diesem Szenario würde ausgerechnet die Nordost-Staffel aufgeteilt werden – obwohl sie die zuschauerstärkste, medial relevanteste und wirtschaftlich erfolgreichste Regionalliga ist. Inszeniert wurde das von den Verbandsfunktionären aus Bayern, dem Westen, Südwesten und Norden. Die Vereine aus dem Osten würden künftig auf die Regionen Bayern und Nord verteilt.
Dr. Christoph Kern, Präsident vom Bayerischen Fußballverband, trieb die Aufspaltung des Nordostens voran
Die Vertreter der Klubs aller Regionen stemmten sich in der Sitzung gegen das sogenannte „Regionen-Modell“. Durch den Streit zwischen Verbänden und Vereinen kam es am Ende zu zwei gegensätzlichen Konzepten, die nun nebeneinanderstehen.
Der Streit geht jetzt erst richtig los
Ein zentraler Baustein ist allerdings in beiden Modellen erfüllt: Künftig sollen die Meister aller vier Staffeln direkt aufsteigen. Genau diese Frage hatte in den vergangenen Jahren immer wieder für Konflikte gesorgt. Zuletzt war die Regelung klar unausgewogen: Während die Meister aus Südwest und West feste Aufstiegsplätze hatten, mussten die Titelträger aus Nord, Bayern und dem Osten in zwei von drei Spielzeiten in die viel kritisierte Relegation – oft mit gravierenden sportlichen und wirtschaftlichen Folgen für die betroffenen Klubs.
West-Boss und DFB-Vize Peter Frymuth ist nach wie vor unberechenbar
Schon 2018 war ein erster Reformversuch innerhalb einer DFB-Arbeitsgruppe gescheitert. Diesmal gelang es zumindest, zwei konkrete Beschlussvorlagen zu erarbeiten. Allein das gilt bereits als bedeutender Schritt nach vorn – auch wenn der Zwist zwischen den beiden Lagern nun erst richtig an Fahrt aufnehmen dürfte.
Fans und Klubs müssen ums Kompassmodell werben
Im nächsten Schritt sind erneut die Regionalligisten gefragt: Sie sollen über beide Modelle abstimmen. Die Klubvertreter haben im Vorfeld bereits Stimmungsbilder eingeholt – mit einer klaren Tendenz zugunsten des Kompassmodells. Doch die endgültige Entscheidung liegt bei den Präsidenten der Landes- und Regionalverbände. Dort dürfte es noch einmal hoch hergehen. Zwar stehen die Verbandschefs nach Jahren der Blockade unter besonderer Beobachtung, aber am Ende haben sie das letzte Wort.
Solche Spruchbänder werden wohl demnächst häufiger zu sehen sein
Für Klubs und Fans bedeutet das: Sie müssen nun für ihr bevorzugtes Modell werben, ohne selbst direkt wählen zu können. Gerade für die Vereine aus dem Nordosten ist die Situation heikel – denn sie riskieren, ihre bisherige, populäre Staffelstruktur zu verlieren. Die vorliegenden Vorschläge sind damit vor allem ein Drahtseilakt und bergen neuen Zündstoff. Umgesetzt würde das neue System ab der Saison 2028/29, die Qualifikation startet im Sommer 2027.
