Erstes EU-Land rationiert: Mineralölbranche pflichtet Reiches Warnung vor Spritknappheit bei

Erstes EU-Land rationiert Mineralölbranche pflichtet Reiches Warnung vor Spritknappheit bei

25.03.2026, 14:16 Uhr

imageVon Max Borowski

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„Die globale Versorgung ist aufgrund des Nahostkonflikts bereits deutlich aufwendiger geworden“, heißt es beim Branchenverband Fues und Energie. Besonders bei Diesel werde das internationale Angebot knapper. (Foto: picture alliance / Zentralbild)

Geht den Tankstellen infolge des Iran-Kriegs bald das Benzin aus? Wirtschaftsministerin Reiche spricht von „Knappheiten“ möglicherweise schon Ende April. Der Verband der Mineralölkonzerne hält diese Warnung für berechtigt. Für die kommenden Monate ist Deutschland allerdings gut gerüstet.

Die Bundesrepublik hat schon drei schwere Energiekrisen erlebt: die erste Ölkrise am Anfang der 1970er Jahre, die zweite an deren Ende und zuletzt die Energiekrise 2022 infolge des russischen Kriegs gegen die Ukraine. Stark steigende Preise für Benzin und Diesel waren die Folge. Zum Äußersten kam es allerdings nie: dass Kraftstoffe nicht nur teurer, sondern physisch wirklich knapp wurden.

Doch genau davor warnt nun die Bundeswirtschaftsministerin, sollte der Iran-Krieg andauern und die Blockade der Straße von Hormus Bestand haben. „Noch sehen wir keine Knappheiten beim Volumen, aber wenn der Konflikt nicht endet, rechnen wir damit vermutlich Ende April oder im Mai“, sagte Katherina Reiche auf einer Konferenz in den USA. Droht Deutschlands Tankstellen damit zum ersten Mal in der Nachkriegsgeschichte das Benzin auszugehen?

Auf Nachfrage von ntv.de präzisiert das Wirtschaftsministerium die Warnung der Ministerin. Diese habe sich auf ein „Worst-Case-Szenario aus unverminderter militärischer Auseinandersetzung im Nahen Osten in Verbindung mit einer dauerhaften Unpassierbarkeit der Straße von Hormus bezogen“, teilte eine Sprecherin mit. Das Ministerium beobachte die Entwicklung genau. Rohöl komme weiter ungehindert nach Deutschland etwa aus Kasachstan und Norwegen. „Unsere Lieferketten funktionieren“, so die Ministeriumssprecherin. „Wir sehen keine physischen Engpässe in Deutschland.“

Selbst für den Fall, dass sich die Lage im Nahen Osten nicht schnell entspanne, sei Deutschland vorbereitet. Das Ministerium verweist auf Deutschlands strategische Reserven, die für 90 Tage ohne jegliche Lieferung aus dem Ausland ausreichen. Dass Teile dieser im Rahmen einer gemeinsamen Aktion der Mitgliedsländer der Internationalen Energieagentur freigegeben wurden, bedeute nicht, dass die entsprechenden Mengen komplett auf dem Markt angeboten worden seien. Die Reserve sei „noch sehr gut vorhanden“.

Besonders Dieselangebot wird knapper

Bei bisher weiter laufenden Importen und weitgehend vollen Reserven ist die Versorgung in Deutschland also mindestens für mehrere Monate gesichert. Da bei einer weiteren Verschlechterung des Angebots auf dem Weltmarkt die Preise deutlich steigen dürften, würde in diesem Fall auch die Nachfrage nach Benzin und Diesel wohl zurückgehen. Daher ist damit zu rechnen, dass die physische Versorgung, anders als das Preisniveau, auch für einen längeren Zeitraum stabil ist.

Eine Garantie, dass das alles langfristig im „Worst Case“, also dem schlimmsten Fall reicht, gibt es nicht. Der Verband der Mineralölbranche, der Wirtschaftsverband Fuels und Energie, schließt sich Reiches Warnung ausdrücklich an. „Die Ministerin warnt zu Recht vor weiteren möglichen Auswirkungen des Konflikts“, sagte Verbandssprecher Alexander von Gersdorff ntv.de. Niemand wisse, wie sich dieser Konflikt mittelfristig entwickle.

Aktuell sei die Versorgung gesichert, so von Gersdorff. „Aktuell drohen keine Lieferengpässe bei Benzin, Diesel oder Heizöl. Aber die globale Versorgung ist aufgrund des Nahostkonflikts bereits deutlich aufwendiger geworden.“ Besonders bei Diesel werde das Angebot immer knapper, weil Rohöl als auch Diesellieferungen aus dem Nahen Osten ausfielen.

Undenkbar ist die Rationierung von Kraftstoffen in der aktuellen Krise keineswegs. Als erstes EU-Land hat Slowenien vor zwei Tagen mit der Rationierung von Sprit für Privatkunden begonnen. Jeder Autofahrer darf seitdem täglich höchsten 50 Liter tanken. Während der Energiekrise 2022 hatten mehrere europäische Länder Treibstoffmangel an den Tankstellen erlebt. Grund dafür war, dass einige Regierungen, darunter Ungarn, strikte Preisobergrenzen für Benzin und Diesel eingeführt hatten, sodass der Verkauf angesichts der damals hohen Ölpreise zum Minusgeschäft für die Unternehmen wurde.

Quelle: ntv.de