Ski Alpin: Shiffrin wehrt Aichers Angriff ab – dann fließen die Tränen

Mikaela Shiffrin im Riesenslalom

Stand: 25.03.2026 • 13:48 Uhr

Bis in den zweiten Lauf hatte Emma Aicher das Rennen um den Sieg im Gesamtweltcup offen gehalten, ehe sie nach einem Patzer im Riesenslalom noch zurückfiel.

Die 22-jährige Alpin-Allrounderin musste sich im Kampf um die große Kristallkugel wie erwartet der großen Mikaela Shiffrin geschlagen geben.

Shiffrin egalisiert Rekord

Die US-Amerikanerin kam nach einer Leistungssteigerung im Riesenslalom von Hafjell (Norwegen) zwar „nur“ auf Rang elf (+2,02 Sekunden), das sollte der 31-Jährigen aber zu ihrem sechsten Sieg im Gesamtweltcup reichen. Shiffrin zog damit mit der österreichischen Rekordhalterin Annemarie Moser-Pröll gleich.

Als ihr Sieg feststand, flossen bei Shiffrin die Tränen, die Erleichterung war ihr deutlich anzusehen. „Zwischendurch dachte ich, ich kriege hier keinen Punkt und Emma gewinnt das Ding“, sagte Shiffrin danach im ZDF, „deshalb bin auch so emotional.“

Aicher patzt im zweiten Lauf

Aicher hatte schon vor dem Rennen nur noch eine Mini-Chance auf den Gesamtweltcupsieg, warf im Riesentorlauf aber noch einmal alles in die Waagschale. Nach einem Patzer im zweiten Lauf beendete sie den Wettkampf aber noch hinter Shiffrin auf Platz zwölf (+2,04). Zur Halbzeit hatte Aicher noch Rang drei belegt.

Es ist schon cool, dass ich bis zum Ende mithalten konnte„, sagte Aicher im Anschluss. „Aber es war mir klar, dass ein Wunder passieren muss. Trotzdem bin ich sehr zufrieden mit meiner Saison.

Grenier gewinnt vor Holtmann und Scheib

Den Sieg im letzten Rennen der Saison sicherte sich die Kanadierin Valerie Grenier vor Lokalmatadorin Mina Fuerst Holtmann (+0,43 Sekunden) und Julia Scheib aus Österreich (+0,57), die zuvor bereits die kleine Kristallkugel im Riesenslalom gewonnen hatte.

Speed-Spezialistin Kira Weidle-Winkelmann lieferte bei ihrem überhaupt ersten Riesenslalom-Rennen einen überzeugenden Auftritt ab und wurde 22. (+2,74). Noch einen Platz vor ihr landete Lena Dürr (+2,70) nach einer Steigerung im zweiten Lauf.

Shiffrin geht mit großem Vorsprung ins Rennen

Dass Aicher für den Sieg im Gesamtweltcup nicht weniger als ein Ski-Wunder brauchte, war bereits vor dem Rennen klar. Shiffrin lag nach ihrem Slalom-Sieg am Vortag bereits mit 85 Punkten vorne. Die Rechnung war aus Aichers Sicht einfach: Nur wenn sie gewinnt und Shiffrin nicht punktet, würde sich das Blatt noch einmal wenden.

Doch schon ein Blick auf die Zahlen untermauerte, warum dieses Unterfangen einer Herkulesaufgabe glich: Während Aicher in ihrer jungen, aber doch schon so erfolgreichen Karriere noch nie auf einem Riesenslalom-Podest stand, fuhr Shiffrin in ihrer einmaligen Laufbahn bereits 44 Mal in dieser Disziplin unter die besten drei – 22 Mal stand sie dabei ganz oben.

Aicher nach erstem Lauf klar vor Shiffrin

Und dennoch rieben sich die Zuschauer nach dem ersten Durchgang verwundert die Augen. Aicher hatte das Risiko nicht gescheut und eine tolle Fahrt in den Schnee gezaubert. Zur Halbzeit lag sie auf einem starken dritten Platz und schüttelte im Zielraum ungläubig den Kopf. Ihr Rückstand auf die führende Kanadierin Grenier betrug nur 0,26 Sekunden.

Shiffrin war dagegen deutlich zaghafter ins Rennen gegangen und hatte sich im Mittelteil der Strecke zudem ein paar kleine Fehler erlaubt. Als 17. (+1,55 Sekunden) lag die US-Amerikanerin zu diesem Zeitpunkt außerhalb der Punkteränge, da beim Weltcup-Finale nur an die ersten 15 Fahrerinnen Zähler vergeben werden.

Mikaela Shiffrin im Riesenslalom

Shiffrin steigert sich und beseitigt alle Zweifel

Die Ausnahmefahrerin aus Colorado brauchte also eine Leistungssteigerung und musste mindestens zwei Plätze aufholen, um im Gesamtweltcup vorne zu bleiben. Das gelang ihr dann auch mit Bravour: Shiffrin ging dieses Mal deutlich mehr ins Risiko und legte mit einer sauberen Fahrt vor. Weil die Italienerin Asja Zenere und A J Hurt (USA) direkt im Anschluss ihre Zeit nicht knacken konnten, war das Rennen um die große Kristallkugel vorzeitig entschieden.

Meine Nerven waren seit heute morgen angespannt. Ich hatte gestern ein komisches Gefühl„, sagte Shiffrin im Anschluss lächelnd. „Emma ist im ersten Durchgang spektakulär gefahren. Ich habe schon die Schlagzeilen vor mir gesehen und wusste, dass ich es umbiegen muss. Der zweite Lauf war dann glücklicherweise deutlich besser.

Aicher ist endgültig in der Weltspitze angekommen

Auch wenn der ganz große Coup ausblieb, kann Aicher auf eine herausragende Saison zurückblicken: zwei Silbermedaillen bei Olympia, drei Weltcup-Siege, zehn Podestplätze – Aicher hat in diesem Winter endgültig gezeigt, warum sie der große deutsche Alpin-Star der nächsten Jahre werden kann.

Denn die Tochter eines Deutschen und einer Schwedin hat sich in den letzten Monaten kontinuierlich gesteigert. Ihre Ausfallquote ist im Vergleich zur Vorsaison deutlich gesunken. In den Speed-Disziplinen und im Slalom gehört sie bereits jetzt zur absoluten Weltspitze. Und auch im Riesenslalom – ihrer vermeintlich schwächsten Disziplin – hat sie enorme Fortschritte gemacht. Auch deshalb geht Aicher in der nächsten Saison als klare Mitfavoritin ins Rennen um den Gesamtweltcup.