Diesen Fragebogen hat Marcel Proust nie ausgefüllt. Denn er ist eine auf den Fußball zugespitzte Variante eines zu Zeiten des französischen Schriftstellers beliebten Gesellschaftsspiels. Wir spielen es weiter mit Menschen aus dem Fußball, die bereit sind, die Herausforderung an Geist und Charme anzunehmen: diesmal mit Fußballprofi Maximilian Beier.
Was ist für Sie das größte Glück als Fußballer?
Erst einmal, dass ich jeden Tag das machen kann, was mir am meisten Spaß macht. Das weiß ich sehr zu schätzen. Und wenn ich durch mein Spiel und mein Handeln, auch außerhalb des Platzes, andere Kids dafür begeistern und motivieren kann, freut es mich umso mehr. Wenn man es jetzt aber auf das Spiel selbst bezieht, dann würde ich sagen, wenn ich am Ende des Spiels in den Spiegel schauen und sagen kann, dass wir als Mannschaft und ich mit Blick auf meine Position und Aufgaben alles gegeben habe!
Und was ist für Sie das größte Unglück als Fußballer?
Puh, Unglück ist so ein starkes Wort. Ich habe bislang keinen wirklichen Moment gehabt als Fußballer, den ich als Unglück bezeichnen würde. Einschränkungen sind bestimmt gegeben, aber Unglück relativiert ja meine Aussage von oben wieder irgendwo. Höchstens, dass man nicht immer alles essen kann, was man möchte.
Woran erkennen Sie einen guten Spieler?
Daran, dass jemand flexibel auf dem Spielfeld agieren kann, also sowohl auf den Positionen als auch in der Spielweise. Auch jemand, der sich dem Spielgeschehen anpassen kann, wenn nötig, Ruhe reinbringt oder auf der anderen Seite eben Tempo, und damit auch seine Mitspieler mitzieht und besser macht.
Wer ist der beste Spieler, gegen den Sie gespielt haben?
Kylian Mbappé und Lamine Yamal. Das sind schon absolute Ausnahmekicker, die sich auf höchstem Niveau bewiesen haben. Vor allem bei Yamal ist das verrückt mit 18.
Welcher Spieler ist besser, als die Allgemeinheit glaubt?
Waldemar Anton und Grischa Prömel – das sind auf jeden Fall Jungs, die in meinen Augen etwas untergehen und nicht die Anerkennung bekommen, die sie eigentlich verdienen.
Wer ist der wichtigste Trainer in Ihrer Karriere?
Ich hatte sehr, sehr viele gute und prägende Trainer in meiner bisherigen Laufbahn. Wenn ich mich jetzt aber direkt entscheiden muss, nehme ich Patrick Schrade, der damals im Cottbuser Jugendinternat eine sehr wichtige Ansprechperson für mich war, vor allem in den Phasen, in denen es nicht so lief, ich vielleicht auch mal unglücklich war. Das war damals der erste große Schritt für mich von zu Hause weg als Jugendlicher, dabei hat er mich extrem unterstützt und mir auch den Weg geebnet, den ich jetzt gehen darf!
Über was möchten Sie in der Kabine nicht sprechen?
Mir fällt spontan jetzt kein Thema ein, über das ich nicht sprechen könnte. Ich verstehe mich bestens mit den Jungs, habe auch außerhalb des Platzes zu einigen einen sehr engen Draht. Da ist es also auch normal, Privates zu teilen.

Fußballerisch gesehen Fernando Torres. Das war ja ein unfassbarer Spieler. Auch verrückt, was für eine Maschine er jetzt geworden ist. Aber der hatte wirklich alles, was du als Spitzen-Stürmer brauchst: Abschluss, Ballkontrolle, Spielverständnis, Gespür.
Was fürchten Sie in einem Spiel?
Ganz selbstbewusst gesagt: Nichts! Nein, ehrlich, ich finde, wenn man mit Angst in ein Spiel geht, kann man nicht frei aufspielen, und dann ist man automatisch verkrampft, unentschlossen oder zögerlich.
Ein Gedanke, der Sie während eines Spiels überrascht hat?
Vielleicht, wenn mal ein Trick geklappt hat oder ich ein Laufduell gewonnen habe, was ich jetzt auf den ersten Blick eher nicht erwartet hätte. Auch mal der ein oder andere Kopfballtreffer.
Welche Fußballregeln würden Sie ändern?
Meine Abwehrkollegen werden mich dafür verfluchen, aber ich würde das Abseits abschaffen – ganz egoistisch gedacht. Es würden mehr Tore fallen vermutlich, das Spiel dadurch auch etwas dynamischer werden. Aber ich gewinne schon gern auch Spiele zu null, so ist’s nicht!
Wer führt Ihre Gehaltsverhandlungen?
Mein Berater mit meiner Familie und mir natürlich.
Was ist der Sinn des Spiels?
Also Siege und Titel sind schon etwas, wofür man das macht, aber die größte Voraussetzung für all das ist, dass man Spaß an dem hat, was man tut. Nur so kann man die beste Motivation und Leistung abrufen.
Wie gesagt, Fernando Torres ist schon ganz vorne mit dabei. Früher war es auch mal Arjen Robben, der war auch crazy.
Patrick Schrade – aus den bereits genannten Gründen. Zu ihm habe ich bis heute Kontakt.
Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen?
Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einem Mitspieler am meisten?
Neben den fußballerischen Faktoren auf jeden Fall das Zwischenmenschliche. Das pusht dann auch wiederum das Verhältnis auf dem Platz noch zusätzlich.
Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einem Freund am meisten?
Allen voran, dass ich immer noch mit meinen Jungs aus der Kindheit sehr eng bin, dass der Kontakt über die Jahre auch durch die Distanz bei meinen verschiedenen Stationen nie abgerissen ist und wir uns so oft wie möglich noch sehen. Zuletzt war ich mit meinen Jungs bei der Darts-WM in London, das war sehr cool!
Dass ich früher nach schlechten Ergebnissen nicht so gut abschalten und entspannen konnte. Mit zunehmender Erfahrung wurde das aber besser, und ich kann das jetzt viel besser einordnen und für mich die richtigen und notwendigen Schlüsse ziehen.
Ihre Helden der Gegenwart?
Ärzte und generell Menschen, die beispielsweise in Krankenhäusern bzw. im medizinischen Bereich arbeiten. Was die, oft auch unter enormem Druck, leisten, ist wirklich bemerkenswert und unglaublich wichtig.
Ihre Heldinnen der Geschichte?
Was ist der größte Irrtum über das Leben als Fußballprofi?
Vielleicht die Ansicht, wie viel Freizeit wir haben. Es ist jetzt nicht so, dass wir von morgens bis nachts auf dem Vereinsgelände festsitzen, aber in der aktuellen Zeit ist es schon so, dass durch die Auswärtsreisen, vor allem im Ausland, mehrere Tage draufgehen, in denen man schon auch länger von seiner Familie oder Freundin weg ist. Wenn dann noch Länderspielphase ist oder englische Wochen, dann geht das auch öfter mal ineinander über.
Muss ich mich entscheiden? Sonst beide!
Das ist schon auch sehr gemein. Weil beide unglaubliche Erfolge vorzuweisen haben und auch in ihrer Art und Spielweise unterschiedlich sind. Der eine eher vielleicht der ruhige Taktiker, der andere der emotionalere Antreiber.
Was lieben Sie am meisten am modernen Fußball?
Ich glaube, dass die Vielzahl der Spiele derzeit Fluch und Segen zugleich ist. Ich spiele schon sehr gern, aber dann ist wiederum die Frequenz enorm, und die oben genannten Faktoren kommen auch dazu.
Was verabscheuen Sie am meisten am modernen Fußball?
Unverhältnismäßige Kritik oder generell die Extremen, auch was so eklige Hassnachrichten bei Social Media oder so angeht.
Ihre Lieblingsbeschäftigung an einem Spiel- und trainingsfreien Tag?
Da kann es nur eine Antwort geben: Darts! Und natürlich Zeit mit meiner Freundin, die wird das sicher auch lesen.
