Empörung über neue Cent-Münze: Dem Adler fehlt der Ölzweig

Grimmig sieht der nach rechts blickende Weißkopfseeadler aus, mit seinem großen, leicht geöffneten Schnabel und den ausgebreiteten Flügeln, leicht angewinkelt, als würde das ohne Frage majestätische Tier sie gerade erst entfalten, sich zur Abwehr aufbauen oder zum Flug. Detailliert erscheint diese Tierzeichnung auf dem Entwurf der Münzprägung, die die Rückseite des US-Dime für dieses Jahr zieren wird, zum 250-jährigen Jubiläum des Bestehens der Vereinigten Staaten von Amerika.

Doch es ist nicht der Naturalismus des Tiers, der in seiner Anmutung zwischen Computerspiel und Tattoomotiv erscheint, sondern die den Adler des Great Seal of the United States, des großen Staatssiegels, begleitenden Attribute, die derzeit für Empörung sorgen. Oder eher die ausgelassenen.

Während die Pfeile (stellvertretend für den Krieg) in der linken Kralle des Adlers durchaus markant gebündelt in die rechte obere Ecke ragen, fehlt der begleitende Olivenzweig in der nun auffällig leeren rechten Kralle, ewiges internationales Symbol für Weisheit, Frieden und Diplomatie.

Zwar unterzeichnete Donald Trump in seiner ersten Amtszeit den Beschluss einer Jubiläumsmünze, doch wurde das Symbol auch in der Amtszeit Bidens entwickelt. Der Designer Eric David Custer ließ die Kralle absichtlich leer: als Anspielung auf die amerikanischen Kolonisten der Revolution, die 1776 noch auf den Frieden warteten.

Die Blickrichtung geändert

Kritiker des Motivs wiesen darauf hin, dass die Gründerväter jahrelang an der Balance zwischen Frieden und Krieg auf dem Großen Siegel gearbeitet hatten und dass das Weglassen des Olivenzweigs auf einer Münze, die ihr Erbe feiern soll, etwas darüber aussagt, welche Seite dieser Gleichung das Land derzeit betont. So wurde die letzte Veränderung am Siegel 1945 nach Ende des Zweiten Weltkriegs durch Präsident Truman beschlossen, der die Blickrichtung des Adlers in Richtung der Zweige änderte, um die Friedensbestrebungen des Landes zu unterstreichen.

Es birgt eine gewisse Ironie, dass ausgerechnet eine Münze, die schon 1936 so wenig wert war, dass Bing Crosby sie als allgemeingültiges Armutssymbol besang und die heute nicht mal die Ärmsten der Armen annehmen wollen, eine symbolische Botschaft einer Administration tragen soll, die sich statt mit Kleingeld lieber gleich mit Kryptowährung auseinandersetzt.

Wie passend das neue Motiv nun Historie mit Gegenwart verknüpft, ist wohl angesichts der langen Vorbereitung eher dem Zufall der Geschichte geschuldet. Schade, dass wir nicht mehr erfahren werden, wie man in 250 weiteren Jahren auf einen Adler blicken wird, der in die Leere schaute, während er blindlings Luftwaffen mit sich herumtrug.