Vorwürfe wegen digitaler Gewalt: Benjamin von Stuckrad-Barre distanziert sich von Christian Ulmen

Der Schriftsteller Benjamin von Stuckrad-Barre hat auf die schweren Vorwürfe gegen den TV-Produzenten Christian Ulmen reagiert, mit dem er nach eigener Aussage jahrzehntelang eng befreundet war. In einem Statement, das der ZEIT vorliegt, schreibt Stuckrad-Barre: „Ich muss mich hier ganz klar von meinem Freund Christian distanzieren.“ Sein Mitgefühl, seine Solidarität, schreibt Stuckrad-Barre, gehörten „alleiniglich“ Collien Fernandes.

Der Spiegel hatte am Donnerstag eine Recherche veröffentlicht, in der die Schauspielerin Fernandes ihrem Ex-Mann langjährige
sexualisierte Gewalt vorwirft
. In dem Artikel und in einem Instagram-Post berichtet sie, dass unter ihrem Namen über Jahre hinweg
Fake-Profile auf verschiedenen Onlineplattformen erstellt worden seien. Über
diese Profile seien Männer aus ihrem beruflichen Umfeld kontaktiert worden und
hätten unter anderem angebliche Nacktfotos und Sexvideos von ihr geschickt
bekommen. Erst als sie eine
Anzeige gegen unbekannt erstattet habe, sei Ulmen ihr gegenüber geständig
gewesen und habe unter anderem vorgebracht, er habe „aus einer Art
Besitzdenken heraus“ so gehandelt.

Ulmens Anwalt Christian Schertz kündigte rechtliche Schritte gegen die Berichterstattung an, bei der es sich „in großen Teilen um eine unzulässige Verdachtsberichterstattung“ handle. Zudem würden „unwahre Tatsachen aufgrund einer einseitigen Schilderung verbreitet“.

„Bei Gewalt endet alles, wirklich alles“

In seinem Statement schreibt Stuckrad-Barre, dass er sich öffentlich äußern müsse, „weil Christian mein Freund war, bis zum vergangenen Donnerstag“. Schweigen könne daher als Billigung aufgefasst werden. Er und Ulmen lernten sich vor fast 30 Jahren bei einem
Fernsehauftritt kennen. Von 2010 bis 2013 produzierte Ulmen eine
Politiktalkshow des Schriftstellers, in der ZEIT gaben sie dazu ein gemeinsames Interview.

Die Schilderungen Colliens hätten ihn erschüttert, schreibt Stuckrad-Barre weiter. „Digitale sexualisierte Gewalt ist Gewalt. Und bei Gewalt endet alles, wirklich alles.“ Er halte die Schilderungen für gut belegt, so Stuckrad-Barre in seiner Stellungname. So schwer es ihm falle, er müsse die Vorwürfe mit Ulmen zusammenbringen. Einen Satz müssten sich vor allem Männer abgewöhnen: „‚Das kann ich mir nicht vorstellen.'“ Stattdessen sehe er es als Aufgabe von Männern, „festzustellen, anzuerkennen und zu verurteilen, dass die allermeisten Gewalttaten gegenüber Frauen innerhalb von Beziehungen stattfinden. Und dass die Täter eben nicht nur irgendwelche düsteren Gestalten aus Statistiken sind, sondern dass darunter auch Menschen sind, die wir bewundern oder lieben.“

Stuckrad-Barre hatte Ulmen schon früher kritisiert

Der Spiegel weist darauf hin, dass Stuckrad-Barre sich schon
einmal kritisch zu Ulmen geäußert hatte. Als dieser 2013 einen
frauenverachtenden Proll spielte, setzte
sich Stuckrad-Barre in der Welt mit der Frage auseinander, warum sich
sein Freund ausgerechnet in dieser Figur so wohlfühlte
. Der Titel des Essays: „Christian Ulmen – mein Freund, das Monster“.

Laut dem Spiegel hatte
Ulmen noch 2023 für Stuckrad-Barres Roman „Noch wach?“ geworben, in dem
es um sexuelle Übergriffe in einem Medienhaus geht. Das Video sei aber
inzwischen
auf Instagram nicht mehr abrufbar. Bei Veröffentlichung des Romans
sprach Stuckrad-Barre in Interviews darüber, dass er selbst als
19-Jähriger sexuelle Gewalt und Machtmissbrauch erlebt habe.