Buch von Klimaaktivistin Carla Hinrichs: Kriminalisierter Protest

Unangemessen hart wird den Ak­ti­vis­tIn­nen begegnet, die sich als gewaltfrei verstehen: Carla Hinrichs beschreibt in ihrem Buch die „Letzte Generation“.

Sie studierte Jura, wollte Richterin werden, ging bei Rot nicht über die Straße – wenig später saß sie auf der Anklagebank, weil sie sich auf einer Straße festgeklebt und Autos am Weiterfahren gehindert hat.

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Carla Hinrichs ist die bekannteste Aktivistin der Gruppe „Letzte Generation“, die mit spektakulären Aktionen von der Regierung wirksame Maßnahmen gegen die Klimakrise eingefordert hat. In ihrem Buch „Meine verletzte Generation. Wie der Staat uns alle verrät“ beschreibt sie die Zeit, in der sie die Positionen der Ak­ti­vis­t:in­nen in der Öffentlichkeit vertreten hat.

„Die Letzte Generation hätte als Protestbewegung erfolgreicher nicht sein können“, schreibt Hinrichs. Angesichts der Defensive, in die Klimapolitik mittlerweile geraten ist, eine erstaunliche Sicht. Eine selbstkritische Auseinandersetzung mit den eigenen Protestformen liefert Hinrichs leider nicht.

Literataz zur Buchmesse in Leipzig

Zur Buchmesse in Leipzig 2026 erscheint wieder die Literataz – diesmal schon vorab in der wochentaz vom 14. März. Darin geht es um die neuen Bücher von Judith Hermann, Carla Hinrichs, Judith Holofernes, Siri Hustvedt, Michal Hvorecký, Hasan Kikić, Rinah Lang, Dorota Masłowska, Sophia Merwald, Quinn Slobodian, Eva von Redecker, Christoph Ribbat, Lukas Rietzschel, Kuku Schrapnell, Ben Tarnoff, Curtis Sittenfeld, Ronen Steinke, Yasemin Toprak, Michael Wildenhain. Alle Texte zur Buchmesse finden Sie in unserem Schwerpunkt auf taz.de.

Die Buchmesse in Leipzig geht von Donnerstag, 19.3, bis Sonntag, 22.3.

Die taz ist wieder mit einem eigenen Stand vor Ort, an dem in zahlreichen Talks mit Au­to­r:in­nen diskutiert wird – live auf der Bühne in Halle 5 und als Stream im youtube-Kanal der taz.

Dabei ist die Frage, ob Aktionen der Letzten Generation kontraproduktiv gewesen sind, weil sie Munition für die Hetze der Rechten geliefert haben, durchaus berechtigt.

Das Buch

Carla Hinrichs: „Meine verletzte Generation. Wie der Staat uns alle verrät“, Klett-Cotta, Berlin 2026, 272 Seiten, 18 Euro

Trotzdem ist das gut geschriebene Buch lesenswert. Carla Hinrichs zeichnet nach, mit welcher Wucht der Staat auf die Letzte Generation reagiert hat.

Sogenannte präventive Verhaftungen, Hausdurchsuchungen mit gezogenen Waffen, Geld- und Gefängnisstrafen – unangemessen hart wird den Ak­ti­vis­t:in­nen begegnet, die sich als explizit gewaltfrei verstehen und sich auch so verhalten haben.

Nach wie vor bedrohlich für Hinrichs und andere, die noch auf ihre Prozesse warten: die Einstufung der Letzten Generation als kriminelle Vereinigung. Sollte die tatsächlich kommen, wird das Folgen für die gesamte Zivilgesellschaft haben.

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