

Wie zwei Kumpel auf Wochenendtour strahlen Verteidigungsminister Boris Pistorius und sein japanischer Amtskollege Shinjiro Koizumi auf dem Foto, das der Japaner am Sonntag früh auf der Plattform X postete. Noch bevor der offizielle Teil des Besuchs aus Deutschland losging, sollte das Bild aus dem Hubschrauber von Tokio in den nahe gelegenen Wahlkreis Koizumis zeigen: Hier kommen zwei, die zusammen durch dick und dünn gehen.
Die beiden Staaten vertiefen schon seit einigen Jahren ihre militärische Zusammenarbeit. Angesichts des Kriegs im Nahen Osten gewinnt die Partnerschaft nun noch an Bedeutung. Schließlich stehen beide vor ähnlichen Herausforderungen.
Angesichts der dramatischen Entwicklungen vor allem im Nahen Osten sei es kaum noch möglich, als Land allein zu agieren, sagte Koizumi im Anschluss an einen etwa zweistündigen Besuch der beiden Minister auf dem Marinestützpunkt Yokosuka an der Bucht von Tokio. Pistorius verwies auf die Rede des kanadischen Ministerpräsidenten in Davos und bekräftigte, dass es heute wichtiger denn je sei, dass die Mittelmächte, die sich weiterhin für eine regelbasierte internationale Ordnung einsetzten, zusammenstünden und klar sagten, wofür sie einträten.
Japan agiert zurückhaltender, als Trump behauptet
Pistorius bedankte sich beim „lieben Shinjiro“ für einen „offenen Dialog, fernab von diplomatischen Floskeln“. Das Treffen habe Klarheit darüber gebracht, dass beide Staaten mit dem gleichen Blick auf die internationale Lage schauen.
Tatsächlich sträuben sich aber auch die Japaner dagegen, Kriegsschiffe in die Kampfregion zu entsenden. Takaichi verweist auf rechtliche Bedenken. Ihre Regierung hat gemeinsam mit Deutschland und anderen europäischen Staaten erklärt, dass sie zum Schutz der Schiffe in der Straße von Hormus bereit seien. Pistorius betonte am Sonntag aber noch einmal, dass ein Waffenstillstand dafür die Voraussetzung wäre.
Pistorius sagt zu Trumps Ultimatum: „Abwarten“
Auf die Frage, wie er das von Trump an Iran gestellte Ultimatum zur Öffnung der Straße von Hormus bewerte, sagte Pistorius nur: „Abwarten.“ Dann fügte er noch hinzu: „Es gibt nichts, was wir tun können.“
Dass nun sowohl Japan als auch Deutschland von der Krise im Nahen Osten betroffen sind, werteten beide Minister als Beleg dafür, wie wichtig ihre Militärpartnerschaft ist. „Mehr Übereinstimmung geht kaum“, sagte Pistorius zu der Bewertung der Lage durch die beiden Minister.
Japan und Deutschland wollen ihre Kommunikation „nicht nur in Krisenzeiten“ weiter vertiefen. Zuletzt haben Kampfflugzeuge beider Länder die weite Reise einmal um die halbe Welt in das jeweils andere Land zurückgelegt, um dort gemeinsame Übungen zu fliegen. Pistorius kündigte an, dass sich die Bundeswehr im Oktober abermals mit 100 Soldaten und einem Rettungszentrum an der Übung „Keen Sword“ in Japan beteiligen werde. „Wir lernen bei jeder internationalen Übung dazu“, sagte der Verteidigungsminister.
Noch bevor Koizumi und Pistorius den japanischen Stützpunkt besuchten, hatten sie gemeinsam den in der Nähe stationierten amerikanischen Flugzeugträger George Washington besichtigt und mit den dort stationierten amerikanischen Streitkräften gesprochen. Nach Angaben Koizumis war es das erste Mal, dass er den Verteidigungsminister eines befreundeten Staates auf den Stützpunkt mitgenommen habe.
Die Befürchtung, die Tokio und Berlin teilen
In Asien besteht die Sorge, dass der Krieg gegen Iran die Sicherheit im Indopazifik gefährden könnte, weil die Amerikaner Soldaten und Ausrüstung von dort in den Nahen Osten verlegen. Die Krise im Nahen Osten dürfe nicht dazu führen, dass in unseren Regionen ein Vakuum entsteht, warnte Koizumi.
Beide Minister bekräftigten ihre Einschätzung, dass die Sicherheit und Stabilität im Indopazifik unzertrennlich verbunden seien mit jener im Euroatlantik. Das zeige etwa der Einsatz nordkoreanischer Soldaten in Russlands Krieg gegen die Ukraine, die dadurch Kampferfahrung sammelten und noch gefährlicher für die Sicherheit in Asien würden, sagte Pistorius. Zudem stünden Japan und Deutschland in Europa und in der Indopazifikregion beide unter dem Druck revisionistischer Kräfte, die die Freiheit der Meere und des internationalen Handels bedrohten, womit er auf Russland und China anspielte.
Von der tieferen Kooperation will auch die deutsche Rüstungsindustrie profitieren. Die Vorstandsvorsitzenden mehrerer Rüstungskonzerne begleiten Pistorius auf seiner Reise. Das Land kauft seine Waffensysteme traditionell in den Vereinigten Staaten oder lässt sie von heimischen Konzernen wie Kawasaki Heavy Industries oder Mitsubishi Heavy Industries entwickeln. Doch im Zuge des Angriffskriegs von Russland auf die Ukraine und der zunehmenden Unberechenbarkeit der Schutzmacht USA will das Land seine Armee rasch aufrüsten und dazu auch stärker mit internationalen Partnern zusammenarbeiten.
Ministerpräsidentin Takaichi weitet den Wehretat des Landes deutlich aus. Für das im April startende Fiskaljahr hat ihre Regierung ein rekordhohes Verteidigungsbudget von mehr als neun Billionen Yen (49 Milliarden Euro) beschlossen. Außerdem will sie die bislang sehr begrenzten Möglichkeiten japanischer Rüstungskonzerne für Exporte und internationale Kooperationen ausweiten. „Hier gibt es noch viel Potential, das wir heben wollen“, sagte Pistorius. Von Japan aus wird der Minister weiter nach Singapur und Australien reisen.
