Elfmeter-Festival des BVB überwältigt HSV nach 2:0-Führung

Ramy Bensebaini bejubelt seinen Treffer

Stand: 21.03.2026 • 21:56 Uhr

Der Hamburger SV hatte die Überraschung schon vor Augen, doch dann sorgte Ramy Bensebaini mit zwei Elfmetertoren für die Wende. Borussia Dortmund ist nach dem 3:2 (0:2) in der Fußball-Bundesliga weiter nur vom FC Bayern zu schlagen.

„Wenn du so eine gute erste Hälfte spielst und klar führst und dann am Ende auf diese Art und Weise verlierst, ist schmerzhaft, aber gehört zum Fußball dazu“, sagte HSV-Trainer Merlin Polzin nach dem Spiel. Vielleicht war er auch deshalb so entspannt, weil die Partie tabellarisch kaum Bewandtnis hatte.

Für den BVB geht nach oben und unten praktisch nichts mehr und der HSV hatte seine Abstiegssorgen auch mit starken Leistungen und Ergebnissen schon im Vorfeld weitgehend beseitigt, auch wenn der Vorsprung von sechs Punkten noch nicht dazu reicht, gänzlich durchzuatmen. Und trotz dieser Situation, ohne den ganz großen Druck, hatte das Bundesliga-Traditionsduell von Beginn an ordentlich Feuer drin.

HSV-Leihgabe Otele beschäftigt den BVB

Nach einigen vorherigen Szenen, in denen schon deutlich mehr drin gewesen war, hatte Dortmund die erste Großchance, vergab sie aber. Karim Adeyemi sorgte für Chaos, weil er deutlich im Abseits stand und die Abwehr entsprechend abschaltete – aber der Außenstürmer ging nicht zum Ball, so lief Maximilian Beier frei aufs HSV-Gehäuse zu, wo Daniel Heuer Fernandes mit einer starken Fußparade rettete (7.). Dortmund machte in dieser Phase richtig Druck – aber schadete sich danach oft selbst.

In der 19. Minute verlor Daniel Svensson den Ball im Zweikampf an William Mikelbrencis, dessen perfekte Hereingabe Philipp Otele zur Gästeführung ins Tor drückte. Für den 26-Jährige, den die Hamburger im Winter vom FC Basel ausgeliehen haben, war es im siebten Bundesligaeinsatz das erste Tor. Und auch danach machte der Linksaußen den Dortmundern unheimlich Probleme – so auch beim 2:0.

Otele luchste im Aufbau Abwehr-Youngster Luca Reggiani den Ball ab, kurz danach parierte Gregor Kobel noch einen Schuss von Fabio Vieira – doch auch Felix Nmecha leistete sich danach einen Ballverlust, nach dem Lokonga das folgende Zuspiel verwertete (38.). Zuvor hatte der HSV schonmal gejubelt, Ransford Königsdörffer hatte da aber im Abseits gestanden (25.). Hamburg machte wieder mal ein ganz starkes Spiel, verdiente sich die Führung.

Zwei Blackouts von Dortmunds Nationalspieler Nmecha

So drohte dem BVB die dritte Bundesliga-Niederlage der Saison – und die erste gegen ein anderes Team als den FC Bayern München. Neben den Fehlern vor den Gegentoren war daran das Unvermögen vor dem gegnerischen Tor die Ursache. Neben der Beier-Chance gab es noch Pech bei einem Latten-Kopfball von Nico Schlotterbeck (36.), kurz vor der Halbzeitpause leistete sich Nmecha dann seinen zweiten Fauxpas.

Nach einem Foul an Beier gab es Elfmeter für den BVB und Nmecha schnappte sich den Ball – nachdem er sechs Minuten zuvor das 0:2 mitverschuldet hatte. Seinen bis dahin letzten Stafstoß hatte der Nationalspieler fast fünf Jahre vorher für die U23 von Manchester City geschossen und man konnte durchaus den Eindruck haben, dass er diese Übung nach der langen Zeit verlernt hatte. Denn Nmecha schoss den Ball relativ deutlich vorbei am Tor (45.).

Bensebaini macht es beim BVB besser als Nmecha

Für Dortmund-Trainer Niko Kovač kam die Pause genau richtig. Er konnte auf sein Team einwirken und lobte später: „In der zweiten Halbzeit haben wir das Gesicht gezeigt, das wir von Anfang an zeigen wollten.“ Auch weil Kovač mit Serhou Guirassy und Ramy Bensebaini zwei neue Spieler brachte. „Die Wechsel haben das nötige dazu beigetragen, dass wir mehr Druck erzeugen konnten.“

Nach der Pause stand Nmecha wieder im Mittelpunkt, war nach einem starken Angriff frei vorm Tor und machte diesmal alles richtig – doch Heuer Fernandes parierte seinen Chip mit einem herausragenden Reflex (50.). Es war einfach nicht der Abend des 25-Jährigen, auch in der 55. Minute hatte er Pech, als ein Volleyschuss aus 16 Metern ganz knapp am Tor vorbeihoppelte.

Dortmund tat sich ansonsten ziemlich schwer, aber bekam ein weiteres Mal die Gelegenheit, mit einem Elfmeter in die Partie zurückzukehren. Wieder wurde Beier gefoult, diesmal von Mikelbrencis und diesmal nahm sich Bensebaini der Aufgabe an – und verwandelte (73.). Denn der Algerier ist im Gegensatz zu Nmecha echter Spezialist vom Punkt, als Profi war es der 13. Elfmeter, den er ausführte, zum 13. Mal traf er.

Auf Guirassy folgt der nächste Bensebaini-Elfmeter

Der BVB war zurück im Spiel – und machte sich auf den Weg zur Wende. Nach einem völlig verkorksten Einwurf der Hamburger schaltete Dortmund um und zunächst schien Serhou Guirassy die Doppelchance auf den Ausgleich zu vergeben, doch Luka Vuskovic gab den Ball einen entscheidenden Stoß hinter die Linie (78.). Kurz danach hätte Fabio Silva beinahe für die Führung gesorgt, Heuer Fernandes flog aber erneut herausragend (79.).

Doch der HSV-Keeper musste sich dann einem anderen BVB-Spieler geschlagen geben – nämlich Bensebaini, und zwar nach dem dritten Elfmeter für den BVB. Diesmal hatte Miro Muheim einen Schuss mit dem Arm geblockt, wieder war die Entscheidung von Dr. Matthias Jöllenbeck richtig und wieder guckte der Verteidiger Heuer Fernandes spielend leicht aus (84.).

Polzin hatte dafür eine einfache Erklärung: Anders als in der ersten Halbzeit sei es seiner Mannschaft nicht mehr gelungen, für Entlastung zu sorgen: „Dann kassierst du am Ende auch die Gegentore.“ Sehr zur Freude von Kovač, der sagte: „So gefällt mir das und so gefällt das auch unseren Fans.“

HSV schafft es nicht, sich noch mehr Luft zu verschaffen

Wende nach 0:2-Rückstand, das Drama um Nmecha, zwei weitere Elfmeter – das Samstagabendspiel der Bundesliga hatte so viel zu bieten, aber am Ende nur das Happy End für eine Mannschaft, und das war der BVB. Dadurch steigt der Vorsprung auf Rang drei auf neun Punkte (der VfB Stuttgart kann am Sonntag noch auf sechs Zähler verkürzen) und der Rückstand auf die Bayern bleibt bei neun Punkten. Nach der Länderspielpause geht es für Dortmund gegen Stuttgart weiter (04.04., 18.30 Uhr).

Für den HSV war die Niederlage, die nach einer Topchance von Guirassy noch deutlicher hätte ausfallen können (90.+3), zwar ein Rückschlag angesichts der 2:0-Führung, doch Sorgen kommen deswegen nicht auf. Der Vorsprung auf die Abstiegsregion beträgt weiter sechs Punkte und die Leistungen sind weiter zu gut, um aktuell befürchten zu müssen, dass der HSV noch ganz unten reinrutscht. Gegen den FC Augsburg (04.04., 15.30 Uhr) will Hamburg punktemäßig weiter davonziehen.