„Wirtschaftliches Ausbluten“: Tausende Apotheken am Montag aus Protest geschlossen

„Wirtschaftliches Ausbluten“Tausende Apotheken am Montag aus Protest geschlossen

21.03.2026, 18:57 Uhr

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Am Protest teilnehmende Apotheken machen zum Teil vorab mit Plakaten aufmerksam. (Foto: picture alliance / Snowfield Photography)

Die Honorare bei Apotheken sind seit 13 Jahren auf demselben Niveau, doch die Kosten steigen. Jetzt machen die Apotheker auf den Missstand aufmerksam. „Wir möchten zeigen, wie es aussieht, wenn wir nicht da sind“, sagen sie – und protestieren mit Schließungen.

Die Apothekerschaft veranstaltet am Montag einen bundesweiten Protesttag. Laut den Angaben der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) bleiben die „allermeisten“ Apotheken zu diesem Anlass geschlossen. Die Akutversorgung mit dringenden Medikamenten sei allerdings flächendeckend gesichert, hieß es. Rund um die Uhr würden bundesweit über 1000 Notdienstapotheken bereitstehen, erklärte ABDA-Präsident Thomas Preis.

„Wir raten Patientinnen und Patienten, nicht akut notwendige Rezepte noch vor dem Protesttag einzulösen oder dann wieder ab Dienstag, dem 24. März“, so Preis. Sollte jemand doch am Montag dringend Arznei benötigen, finden sich auf der Apotheken-Webseite über die Postleitzahlen-Abfrage die Notdienst-Apotheken in der Nähe. Telefonisch kann der Notdienst unter der Rufnummer 0800/0022833 erfragt werden.

Wie viele Apotheker sich an dem Protest beteiligen und welche Apotheken daher am Montag geschlossen bleiben, lässt sich im Vorhinein nicht sagen. Die Landesapothekenverbände hätten dazu keine Daten, sagte eine Sprecherin. Man sollte aber davon ausgehen, dass die Stammapotheke geschlossen ist – und andere eben auch.

Mit dem bundesweiten Protesttag kämpfen die Apotheken laut der Vereinigung um eine Honorarerhöhung. „Unser packungsbezogenes Honorar wird von der Bundesregierung festgelegt“, erklärte Preis. „Der Koalitionsvertrag sieht eine Erhöhung der Vergütung von 8,35 auf 9,50 Euro pro Packung vor. Die Politik muss jetzt zu ihrer Zusage stehen“, forderte er.

„Ohne Anpassung folgen Schließungen“

Sie seien seit Jahren unterfinanziert, sagten auch die Landesverbände dazu. „Seit 13 Jahren wurde das Honorar bei der Abgabe von rezeptpflichtigen Medikamenten nicht mehr angepasst“, erklärte Jörn Graue, Vorsitzender des Hamburger Apothekervereins. Gleichzeitig aber seien die Personalkosten massiv gestiegen. „Diese chronische Unterfinanzierung hat dazu geführt, dass bundesweit fast jede fünfte Apotheke für immer schließen musste.“ Bundesweit sind den Verbänden zufolge jetzt noch 160.000 Menschen bei Apotheken beschäftigt.

„Wenn die Anpassung nicht kommt, folgen weitere Schließungen mit Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit“, betonte der bayerische Verbandsvorsitzende Hans-Peter Hubmann. Anke Rüdinger, Vorsitzende des Berliner Apotheker-Vereins, sprach von einem „wirtschaftlichen Ausbluten der Vor-Ort-Apotheken“. Dies gefährde die „flächendeckende, sichere und schnelle Arzneimittelversorgung für Bürgerinnen und Bürger“, wie sie sagte.

Mit den Protesten wollen die Apotheker ein Zeichen setzen: „Wir möchten zeigen, wie es aussieht, wenn wir nicht da sind. Das ist in der Großstadt sicherlich ein anderes Bild als auf dem Land“, sagte Hans-Günter Lund, Vorsitzender des Apothekerverbandes Schleswig-Holstein. Aber auch dort werde man das deutlich spüren. Den Apothekern gehe es darum, die Apotheke um die Ecke zu erhalten. Neben den Schließungen sollen am Montag vier Kundgebungen und Demonstrationen in Berlin, München, Düsseldorf und Hannover auf das Anliegen der Apothekerschaft aufmerksam machen.

Quelle: ntv.de, mpa/dpa/AFP