Der FC Bayern marschiert weiter mit großen Schritten in Richtung Meisterschaft. Beim Aufeinandertreffen mit Union Berlin dauerte es bis zum ersten Treffer etwas, dann aber präsentierte sich der Bundesliga-Spitzenreiter gewohnt dominant. Die Elf von Trainer Vincent Kompany gewann völlig letztlich verdient mit 4:0 (2:0).
Gegen vorne harmlose und in der Defensive zumeist überforderte Unioner trafen Michael Olise (43.), Serge Gnabry (45.+1) per Doppelschlag zur Pausenführung. Harry Kane (49.) und erneut Gnabry (67.) legten nach dem Seitenwechsel nach – erst dann ließen die Bayern etwas locker.
Anders als im Hinspiel (2:2) und im Pokal-Achtelfinale (3:2 für die Bayern) konnten die Köpenicker die in dieser Saison so überlegenen Münchner diesmal nicht ärgern. Die Bayern bleiben mit jetzt 70 Punkten unangefochtener Spitzenreiter – die Meisterschaft ist bei sieben verbleibenden Spielen wohl nur noch Formsache. Union steht mit 31 Punkten im Tabellenmittelfeld.
Goretzkas Lob für Trainer Kompany
„Wir wissen einfach auf jeder Position, was zu tun ist – im Moment funktioniert es sehr gut„, analysierte Münchens Leon Goretzka am Sportschau-Mikrofon – und hob die Leistung von Trainer Kompany hervor: „Das ist dem Trainer zuzuschreiben, dass es so gut funktioniert. Selbst Jungs, die noch nicht so lang dabei sind, wissen, was auf dem Platz zu tun ist.“
„Unter’m Strich haben wir es heute nicht gut gemacht„, befand Unions Kapitän Christopher Trimmel nach der Partie treffend. „Wir haben mit dem Ball nicht mutig gespielt. In der Defensive haben wir den Bayern zu viel angeboten.“
Trotz dünnem Kader: Die Bayern haben das Spiel im Griff
Kompany hatte in Luis Diaz (Gelb-Rot), Nicolas Jackson (Rot) und Jonathan Tah (fünfte Gelbe) auf gleich drei gesperrte Spieler verzichten müssen, hinzu kam der kurzfristige Ausfall von Aleksandar Pavlović, der aufgrund von Hüftbeschwerden passen musste. So durften unter anderem Goretzka und Lennart Karl beginnen – und sich nach der jüngsten Kadernominierung von Bundestrainer Julian Nagelsmann bestärkt in den Vordergrund spielen.
Zu Beginn klappte das gegen tief verteidigende Köpenicker allerdings noch nicht – die Bayern fanden kaum ein Durchkommen. Erste Annäherungen der Münchner durch Karl (16.) und Serge Gnabry (21.) brachten Berlins Keeper Frederik Rönnow noch nicht in Bedrängnis. Die Gäste selbst wollten über Livan Burcu und Tim Skarke Akzente im Konterspiel setzen, was aber allerhöchstens in Ansätzen funktionierte. Die Münchner waren in der Defensive hellwach und erlaubten dem Baumgart-Team kaum einmal drei erfolgreiche Pässe in Folge.
Schwerer Stand gegen die Bayern: Livan Burcu, hier im Duell mit Serge Gnabry (l.)
Schlenzer und Abpraller: Olise und Gnabry treffen
Knapp vor der Halbstunden-Marke setzte Joshua Kimmich den startenden Josip Stanišić ein, der links durchbrach und Karl mustergültig bediente. Der 18-Jährige schob den Ball völlig freistehend aus zentraler Position aber an den Pfosten. Es war dennoch sowas wie ein Wendepunkt der Partie: Die Angriffe der Münchner wurden jetzt deutlich zwingender. Mehrfach kombinierten sich die Bayern in den gegnerischen Sechzehner, die Führung wurde so nur eine Frage der Zeit.
Die Zeit war dann gekommen, als Goretzka einen feinen hohen Ball in den Rücken der Union-Abwehr spielte. Olise hatte bei der Ballannahme etwas Glück, schaltete dann gegen Stanley Nsoki aber schnell und traf unwiderstehlich mit seinem starken linken Fuß ins lange Eck.
Michael Olise (l.) setzt sich gegen Stanley Nsoki durch und trifft zum 1:0
Und die Bayern setzten direkt nach: Eine Kimmich-Halbfeldflanke klärte Rönnow mit der Faust nicht konsequent genug, Gnabry nahm den Abpraller am langen Pfosten direkt und hatte etwas Glück, dass Trimmel den Ball vor der Torlinie nicht mehr klären konnte. Mit dem 2:0 ging es in die Pause, angesichts von 12:1 Torschüssen zugunsten der Gastgeber ein hochverdientes Halbzeitergebnis.
Kane sorgt für die Vorentscheidung für die Bayern
Auf den Doppelschlag vor der Pause folgte ein schnelles Tor zu Beginn der zweiten Hälfte, das schon so etwas wie den frühen K.o-Schlag für die Gäste bedeutete: Konrad Laimer setzte Kane im Strafraum ein, der von Leopold Querfeld etwas zu viel Platz bekam. Der Engländer drehte sich einmal und schoss aus ca. 15 Metern platziert ins rechte untere Eck ein.
Natürlich trifft auch er: Harry Kane (r.) jubelt mit Michael Olise
Es war bereits Kanes 31. Saisontor, so viele, wie Union gesamtes Team zusammen erzielt hat. Bayerns Torjäger darf damit nach wie vor vom Bundesliga-Torrekord träumen. Robert Lewandowski traf in der Saison 2020/21 41 Mal – ebenfalls für die Münchner.
Karl nach zweiter vergebenen Großchance ausgewechselt
An der Statik des Spiel veränderte sich auch durch das dritte Münchner Tor nichts. Wenn überhaupt ließen die Gastgeber nur minimal nach – eine Qualität, die in dieser Saison schon mehrfach auffiel: Die Kompany-Elf bleibt auch bei Führung hungrig. Zunächst vergab Karl noch seine zweite Großchance der Partie (57.) und wurde kurz darauf ausgewechselt. „Das beschäftigt mich nicht, wir haben 4:0 gewonnen, das ist das Wichtigste„, kommentierte der Youngster nach dem Spiel seine Fehlschüsse.
Wenig später jubelten die Bayern aber wieder: Erneut landete ein Abpraller bei Gnabry, wieder knallte der deutsche Nationalspieler den Ball ins kurze Eck – und durfte sich mit seinem bekannten „Koch-Jubel“ über seinen Doppelpack freuen.
Und was ging für die Gäste? Weiterhin kaum etwas. Die Köpenicker wollten eine echte Klatsche verhindern, immerhin das gelang. Nach vorne blieb es aber zu wenig, auch wenn der eingewechselte Ex-Münchner Woo-yeong Jeong den Münchner Torwart Jonas Urbig mal zu einer Flugeinlage zwang (77.). Für die Gäste gilt aber ebenso wie für so viele Bundesligisten, die chancenlos aus München abreisen: Die Punkte müssen auf anderen Plätzen geholt werden.
Bayern in Freiburg, Union gegen St. Pauli
Für die Bayern geht es nach einem sehr zufriedenstellenden Wochen mit Rückenwind in die Länderspielpause. Im April geht es dann Schlag auf Schlag: Zunächst sind die Münchner am Samstagnachmittag (4. April) beim SC Freiburg zu Gast (15.30 Uhr), dann wartet schon das Hinspiel des Champions-League-Viertelfinals bei Real Madrid (7.4., 21 Uhr). Union empfängt nach der Länderspielpause am Sonntag den FC St. Pauli (15.30 Uhr).

