1860-Keeper Dähne: „Irgendwann ist es nicht mehr möglich, die Tabelle auszublenden“

AZ: Herr Dähne, lassen Sie uns doch am Anfang die Frage des Comedians „Wiggerl“ wiederholen, die er am Dienstagabend beim weiß-blauen Kabarettabend der „Unternehmer für Sechzig“ im Hofbräukeller an Sie, an ihre Mannschaftskollegen, das Trainerteam um Markus Kauczinski und alle anderen anwesenden Herren der Schöpfung gestellt hat: „In einem Saal voller Löwen, voller Alphatiere – wer von den anwesenden Sechzger-Männern hat daheim die Hosen an?“ Ihr Coach Markus Kauczinski hat gleich heftig mit dem Kopf geschüttelt, von der Mannschaft hat niemand aufgezeigt – und ihr Handzeichen müssen wir auch übersehen haben. . .
THOMAS DÄHNE: Ich glaube, dass jeder, der sich da melden würde oder von sich behauptet, zu Hause die Hosen anzuhaben, ein bisserl lügt (lacht). Wenn es im Hause Dähne etwas Wichtiges zu besprechen gibt, dann diskutieren wir das und entscheiden gemeinsam. . .

. . . und am Ende sitzt Ihre Frau am längeren Hebel.
Ach, ich glaube, dass das bei jedem so ist – und ich finde, dass das auch nichts Schlimmes ist. Das ist völlig in Ordnung. Ich muss schon sagen: Diese Einlage und der ganze Abend waren locker und lustig für die ganze Mannschaft. 

Mit einem weiteren gefallenen Spruch wollen wir Sie konfrontieren: „Ihr habt fünf Spiele nacheinander gewonnen, im Jahr 2026 nur ein Spiel verloren. Und jetzt sagt mir mal, warum sollten wir die letzten neun Spiele nicht auch gewinnen?“
Ich wusste, dass diese Frage kommt (lacht). Dazu kann ich nur sagen: In der Dritten Liga kann jeder jeden schlagen. Bei unserem Restprogramm sind noch einige Brocken dabei. Natürlich ist es unser Anspruch, jedes Spiel zu gewinnen – ob das schlussendlich auch passieren wird, steht auf einem anderen Blatt Papier.

Wir haben Präsident Gernot Mang, von dem diese Aussage stammt und nicht von einem Comedian, nochmal darauf angesprochen: Es ging ihm bei der dann doch recht überspitzten Aussage darum, dass die Mannschaft den Glauben behält und niemals aufgibt. 
So ist das auch bei mir angekommen. Ich wohne ja in Salzburg und in Österreich gibt’s dazu einen guten Spruch: „Aufgeben tut ma nur an Brief!“ Im Endeffekt ist es doch so: Wenn wir am Sonntag in Duisburg auf den Platz gehen und nicht an uns glauben würden, dann bräuchten wir da gar nicht erst hinfahren. Wir treffen da auf eine Spitzen-Mannschaft, die oben dabei ist – und die wollen wir besiegen, ganz einfach!

„Wenn die Crunch Time kommt, musst du zuschlagen“

Wie gewinnt man denn bei den Zebras? Bei anderen Drittligisten können Sie sich schlecht erkundigen, denn der MSV hat in 14 Heimspielen zehn Siege, vier Unentschieden und noch keine einzige Niederlage auf dem Konto.
Gute Frage. Ich habe das damals mit Holstein Kiel so gehabt, als wir aufgestiegen sind: Wenn die Crunch Time kommt, wenn du dann irgendwo in dem Dunstkreis mit dabei bist, dann musst du zuschlagen, wenn sich die Chancen ergeben. Darum geht es einfach, dass du bis zum Ende bei der Musik dabei bist. Wir haben jetzt fünf Siege in Folge geholt und ein Punkt gegen Wehen Wiesbaden. Wir haben eine starke Mannschaft und einen brutalen Teamgeist. Wir haben uns in den letzten Wochen nochmal weiterentwickelt. Jetzt wollen wir den nächsten Schritt gehen. Wenn wir gut stehen, haben wir schon viel gewonnen. Vorne sind wir immer für ein Tor gut. Und wenn wir in der ersten Minuten gleich 1:0 hinten liegen sollten: Das kann auch passieren, aber dann müssen wir auch in einem Stadion mit einer solchen Wucht sagen: „Jetzt schießen wir halt zwei und drehen das Ding!“

Die Defensive ist aktuell das Prunkstück: Sechzig hat in 29 Spielen erst 37 Gegentore kassiert, nur Spitzenreiter VfL Osnabrück, Hansa Rostock und Wehen Wiesbaden sind besser. Sie haben schon acht Mal zu null gespielt. Was macht die Abwehr so stark?
Wir haben ein sehr stabiles Fundament gefunden, wir haben viel Selbstvertrauen und man merkt schon, dass es der Gegner extrem schwer hat, gegen uns ein Tor zu schießen. Sehr positiv ist auch: Egal, wer reinkommt, macht seine Sache gut. Max Reinthaler war schon fast abgeschrieben, jetzt ist er als unser Abwehrchef nicht mehr wegzudenken. Oder daneben, Raphael Schifferl oder zuletzt auch Lasse Faßmann: Sie machen einen tollen Job. Unser Trainer hat uns gezeigt, dass es auch sexy sein kann, sein Tor zu verteidigen. Ich bin extrem zufrieden, wie es hintendrin im Moment läuft, auch bei mir persönlich. Aber darauf werden wir uns nicht ausruhen: Wenn wir was erreichen wollen, müssen wir genauso weitermachen.

„Was interessiert uns, ob du jetzt Fünfter, Sechster oder Siebter bist?“

Und, um den Trainer zu rezitieren: Sie müssen in der Offensive gefährlicher werden. Stimmen Sie da zu?
Wir dürfen für den Gegner nicht ausrechenbar sein. Klar ist Siggi (Sigurd Haugen, d. Red.) momentan vorne drin gesetzt als unser bester Stürmer, aber wir haben auch andere Mittel und Wege, als nur lange Bälle auf ihn zu schlagen. Vielleicht spielen wir auch mal wieder mit zwei Stürmern, mit dem ein oder anderen Außenstürmer. Wir haben einen Top-Kader und mehrere torgefährliche Stürmer, die jederzeit reinkommen können. Wenn ich einen Kevin Volland sehe: Bei dem haben sich die Gegenspieler am Anfang auch gedacht: Der war mal Nationalspieler, der hat Champions League gespielt, den haue ich jetzt aus den Socken. Es ist brutal, wie der Kevin das angenommen hat. Oder Siggi Haugen mit seiner Maske: Am Anfang habe ich gedacht: „Was will denn der jetzt mit dem Ding?“ Wir waren alle überrascht, wie schnell der nach seinem Kieferbruch wieder die Bälle weggeschädelt hat, aber genau solche Jungs brauchst du. Ich denke, da sind wir gut für die kommenden neun Spiele gewappnet.

Man merkt den Löwen an, dass die Brust auf der Zielgeraden breiter wird, dass die Aussagen der Protagonisten mutiger werden. Irgendwann wäre es ja auch Kabarett, wenn Sie uns erzählen würden, dass Sie nicht auf die Tabelle schauen und nicht hoch in die Zweite Liga wollen.
Irgendwann ist es gar nicht mehr wirklich möglich, die Tabelle auszublenden. Natürlich weiß jeder, wo du stehst, aber aktuell hat es noch keinen Wert: Was interessiert uns, ob du jetzt Fünfter, Sechster oder Siebter bist? Kevin Volland hat es mal ganz gut auf den Punkt gebracht: Diese Verfolgerrolle liegt uns. In der Dritten Liga rechnet doch eh jedes Jahr jeder mit Sechzig. Vor dieser Saison waren wir ja schon aufgestiegen, bevor auch nur ein Spieler am ersten Spieltag seinen Fuß auf den Rasen gesetzt hat. Für mich gehört dieser geile Verein ja auch, wie es so oft heißt, mindestens in die Zweite Liga. Aber man hat ja gesehen, wie schwer der Weg gewesen ist, um uns in die aktuelle Situation zu bringen. Natürlich wollen wir bis zum Ende des Konzerts dort sein, wo Musik gespielt wird. Und wenn die da oben dann schwächeln, musst du da sein.

Wenn Sie schon so ins Schwärmen geraten, müssen wir den Mann, der bei den Löwen vielleicht nicht die Hosen, aber die Handschuhe anhat, abschließend fragen: Wo sind Sie denn nächste Saison, wenn ihr aktueller Vertrag bei 1860 ausgelaufen ist?
Ich hab ja schon öfter gesagt, dass ich mich, dass wir uns sehr wohlfühlen bei Sechzig und dass wir in Gesprächen sind. Wir werden sehen, ob es in ein paar Tagen oder Wochen etwas zu verkünden gibt.