Digitale Gewalt: Collien Fernandes kritisiert deutsche Justiz – Kultur

Collien Fernandes hat sich einen Tag nach der Veröffentlichung der aufsehenerregenden Spiegel-Recherche, in der sie ihrem Ex-Mann Christian Ulmen schweren digitalen Missbrauch vorwirft, ausführlich in den „Tagesthemen“ geäußert. In dem Interview, von dem zuvor schon Ausschnitte in der „Tagesschau“ ausgestrahlt worden waren, fordert die Schauspielerin und Moderatorin mehr gesellschaftliche Aufmerksamkeit für das Thema digitale Gewalt. „Ich habe das Gefühl, dass es jahrelang nicht ernst genommen wurde. Ich finde es wichtig, aufzuzeigen, dass digitale Gewalt reale Gewalt ist. Ich war lange in psychotherapeutischer Behandlung.“

Ulmen soll während ihrer Ehe über Jahre hinweg künstlich erstelltes, teils explizit pornografisches Material von Fernandes verbreitet und unter ihrem Namen und ohne ihr Wissen Fake-Accounts bei sozialen Medien wie Linkedin erstellt haben. Der Schauspieler soll sich außerdem mit Männern zum Telefonsex verabredet und sich dabei als seine damalige Frau Fernandes ausgegeben haben. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Ende 2025 hat Fernandes in Spanien Strafanzeige gegen Ulmen wegen Identitätsdiebstahls, öffentlicher Beleidigung, Offenlegung von Geheimnissen, wiederholter Misshandlung und schwerer Bedrohung erstattet. Möglich war das, weil der mutmaßliche Tatort laut Fernandes in Spanien liege, der Beschuldigte habe dort seinen Hauptsitz.

In dem Interview mit der ARD wies Fernandes noch einmal auf die großen Gesetzeslücken in Deutschland bei Gewalt- und Cybergewalt-Fällen hin, unter anderem, weil Anzeigen oftmals nicht weiterverfolgt oder schnell fallengelassen würden. „Ich habe selbst Erfahrungen mit dem Justizversagen gemacht“, sagt sie. „Und jetzt, wo ich weiß, wer dahintersteckt, hat sich meine Haltung zu dem Thema nicht verändert, dass sich dringend etwas ändern muss.“ Deutschland sei aus ihrer Sicht „ein absolutes Täterparadies“.

Nach dem Willen von Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) soll das Erstellen und Verbreiten KI-generierter Nacktbilder und Pornografie, sogenannter Deepfakes, künftig strafbar sein. Sie will ein entsprechendes Gesetzesvorhaben auf den Weg bringen, sagte die Ministerin im Interview dem Magazin „Spiegel“. Das sei eine Lücke im Strafrecht gegen digitale Gewalt, die geschlossen werden müsse.

Ein Sprecher des Justizministeriums sagte am Freitag in Berlin, dass der Gesetzentwurf praktisch fertig sei und innerhalb sehr kurzer Zeit vorgelegt werden solle. Die geplanten Gesetzesänderungen sollen Hubig zufolge nicht nur pornografische KI-Bilder umfassen, sondern Fakes insgesamt, welche in die Persönlichkeitsrechte eingreifen.