
Die Schauspielerin Collien Fernandes hat Vorwürfe gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen, ebenso Schauspieler, öffentlich gemacht. In einem Bericht im Spiegel sagt sie, Ulmen habe über Jahre hinweg unter ihrem Namen und ohne ihr Wissen Fake-Accounts bei sozialen Medien wie Linkedin erstellt und über diese Kanäle Männern gefälschte Videos und Bilder von ihr geschickt, viele davon explizit pornografisch. Er habe sich außerdem mit Männern zum Telefonsex verabredet und sich dabei als seine damalige Frau Fernandes ausgegeben.
Am Donnerstagabend gab die Anwaltskanzlei Schertz Bergmann, die Christian Ulmen presserechtlich vertritt, ein Informationsschreiben heraus. Darin kündigt der bekannte Medienrechtsanwalt Christian Schertz an, presserechtlich gegen den Spiegel-Bericht vorzugehen: „Es handelt sich zum einen in großen Teilen um eine unzulässige Verdachtsberichterstattung. Zum anderen werden unwahre Tatsachen aufgrund einer einseitigen Schilderung verbreitet.“ Fragen der SZ zu den Vorwürfen ließ Ulmens Anwalt unbeantwortet. Für Ulmen gilt die Unschuldsvermutung.
Fernandes wiederholte die Vorwürfe am Donnerstag, nachdem die Spiegel-Geschichte erschienen war, in einem Post auf ihrem Instagram-Account. Darin schildert sie, wie sie vor einigen Jahren erstmals von dem Identitätsklau erfahren habe: Ein Produzent habe sie bei einem Mittagessen auf eine Konversation zwischen ihnen angesprochen, die es laut Fernandes aber nie gegeben habe. Sie sei mit dem Thema „Missbrauch im Netz“ 2023 an die Öffentlichkeit gegangen, in der Hoffnung, der oder die Täter hörten dann auf, sich im Internet als sie auszugeben. 2024 drehte sie sogar eine ZDF-Doku darüber mit dem Namen „Die Jagd nach den Tätern“, in der Ulmens jetziger Anwalt Christian Schertz als Experte im Kampf gegen digitale Gewalt auftrat. Er bedauerte darin, dass der Versuch, Täter zu ermitteln, „zu 90 Prozent ins Leere“ laufe, die Plattformen kaum zu fassen und solche Übergriffe für Frauen „furchtbar traumatisierend“ seien. Er nannte das „mediale Vergewaltigung“. Für die Suche nach den Tätern sei sie weit umhergereist, schreibt Collien Fernandes jetzt auf Instagram: „Doch das wäre gar nicht nötig gewesen, denn der Täter war (wie ich jetzt weiß) die ganze Zeit über ziemlich nah. Sein Name: Christian Ulmen.“
Fernandes und Ulmen haben sich 2025 getrennt, sie waren 14 Jahre verheiratet und haben eine gemeinsame Tochter im jugendlichen Alter. Fernandes arbeitete in ihrer frühen Karriere als Model und wurde später als Schauspielerin und Moderatorin des Musiksenders Viva bekannt. Auch Christian Ulmen fing als Moderator an, unter anderem bei MTV. Seinen Durchbruch als Schauspieler hatte er 2003 mit „Herr Lehmann“, seitdem wirkte er in zahlreichen Produktionen mit und gründete eigene Medienunternehmen. Er machte sich einen Namen als Comedy-Darsteller mit provokantem Humor. Für seine satirische Reality-Show „Who wants to fuck my girlfriend?“ („Wer will Sex mit meiner Freundin?“) aus dem Jahr 2013, in der Ulmen die Kunstfigur Uwe Wöllner spielte, sah er sich Sexismusvorwürfen ausgesetzt. Mit der Serie „Jerks“ aber, die er selbst entwickelt hat, gelang ihm ein Erfolg unter Zuschauenden und Kritikern. Pro Sieben hat die Show nun nach Bekanntwerden der Vorwürfe gegen Ulmen von ihrer Streaming-Plattform Joyn gelöscht.
In Spanien wird Gewalt gegen Frauen konsequenter verfolgt
Während ihrer Ehe mit Ulmen habe Collien Fernandes jahrelang versucht herauszufinden, wer oder was hinter den gefälschten Inhalten und Accounts steckt, die immer wieder im Internet aufgetaucht und den Anschein erweckt haben sollen, sie stammten von ihr. Im November 2024 habe sie schließlich in Berlin Anzeige gegen unbekannt erstattet. Dem Spiegel erzählte sie, Ulmen habe ihr daraufhin gestanden, dass er es sei, der hinter den falschen Accounts stecke. Im September 2025 gab das Paar seine Trennung bekannt.
Der Spiegel schreibt außerdem, dass dem Magazin eine E-Mail von Ulmen an einen Anwalt vorliege, in der er einige der Taten einräume. Dem Bericht zufolge soll Ulmen dieses Schreiben verfasst haben, kurz nachdem er sich Collien Fernandes gegenüber im Dezember 2024 offenbart haben soll. Auch hierzu äußerte sich Ulmens Anwalt auf SZ-Nachfrage nicht.
Fernandes hat Ende 2025 in Spanien Strafanzeige gegen Ulmen wegen Identitätsdiebstahls, öffentlicher Beleidigung, Offenlegung von Geheimnissen, wiederholter Misshandlung und schwerer Bedrohung erstattet. Das Bezirksgericht in Palma de Mallorca bestätigt auf SZ-Anfrage den Eingang einer Anzeige mit den genannten Vorwürfen. Am 2. Dezember vergangenen Jahres habe es Vorermittlungen eingeleitet, der Ermittlungsstand sei jedoch „in einem sehr frühen und vertraulichen Stadium“. Fernandes und Ulmen waren 2023 nach Mallorca gezogen.
In Spanien wird männliche Gewalt gegen Frauen konsequenter verfolgt als in vielen anderen Ländern. Eine Reihe von Spezialgesetzen befasst sich damit. Die Strafen sind oft höher, wenn Gewalttaten als geschlechtsspezifische Gewalt gewertet werden. Je nach Schwere reichen sie von mehrjährigen Freiheitsstrafen bis zu langfristigen Maßnahmen zur Kontrolle und Resozialisierung. Für die Bearbeitung von Fällen geschlechtsspezifischer Gewalt sind in Spanien spezialisierte Ermittlungsgerichte und Staatsanwaltschaften zuständig. Diese berücksichtigen den Opferschutz auf besondere Weise: Aussagen werden in geschützter Umgebung aufgenommen und Mehrfachbefragungen vermieden. Tatverdächtige bekommen unmittelbar Kontaktverbote. Auch werden Täter schnell in Haft genommen oder elektronisch überwacht, beispielsweise mit Fußfesseln.
Im vergangenen Sommer hat die spanische Regierung zudem ein Gesetzespaket angekündigt, das den Missbrauch sogenannter Deepfakes insbesondere unter Jugendlichen unter Strafe stellt. Die Erstellung und Verbreitung KI-generierter sexueller Darstellungen von realen Personen soll künftig als eigener Tatbestand gewertet werden. Diese Regelung ist allerdings noch nicht in Kraft.
Der Instagram-Post von Collien Fernandes wurde und wird vielfach geteilt und kommentiert. Vor allem Frauen, unter ihnen viele prominente, bekunden Unterstützung und Solidarität.
