
Angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Unsicherheit infolge des Krieges im Iran hat die US-Notenbank entschieden, vorerst keine Änderungen am Leitzins vorzunehmen. Die Federal Reserve (Fed) reagiert damit vorsichtig auf die schwer einschätzbaren Folgen des Konflikts. „Die Auswirkungen der Entwicklungen im Nahen Osten auf die US-Wirtschaft sind ungewiss“, teilte die Fed mit. Die Zinsspanne bleibt damit weiterhin bei 3,5 bis 3,75 Prozent, wie der Zentralbankrat in Washington mitteilte.
Es ist bereits das zweite Mal hintereinander, dass die US-Notenbank eine Pause einlegt und die Zinsen nicht weiter verändert. Zuvor hatte sie im vergangenen Jahr die Zinsen insgesamt dreimal gesenkt, um die Wirtschaft zu unterstützen.
Ende Februar hatten die USA und Israel mit Angriffen auf den Iran begonnen. Seitdem hat sich der Krieg spürbar auf die Weltwirtschaft ausgewirkt. Ein wichtiger Grund dafür ist, dass der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus gestört ist. Sie ist eine der wichtigsten Routen für den weltweiten Ölhandel. Außerdem nahmen die USA zuletzt die iranische Insel Charg ins Visier, die für den Ölexport eine zentrale Rolle spielt.
Trump-Berater stimmte für Senkung
All das verstärkt die Sorge, dass es zu Engpässen bei der Ölversorgung kommen könnte. Diese Angst lässt die Ölpreise stark steigen – auf den höchsten Stand seit Jahren. In den USA sind deshalb auch die Benzinpreise bereits deutlich gestiegen. Das wiederum kann dazu führen, dass insgesamt viele Preise im Alltag weiter anziehen und die Inflation zunimmt.
Elf der zwölf Zentralbankrats-Mitglieder stimmten an diesem Mittwoch für die Beibehaltung des derzeitigen Zinses. Lediglich der Berater von US-Präsident Donald Trump, Stephen Miran, votierte wie bei den vorherigen Sitzungen für eine Senkung.
Trump hatte die unabhängige Notenbank zuletzt immer wieder dazu aufgefordert, die Zinsen zu senken. Auch zu Wochenbeginn erneuerte er diese Forderung. Die Währungshüter um Fed-Chef Jerome Powell entschieden sich nun erneut dagegen.
Trumps Versuch, die Fed zu beeinflussen
Die US-Notenbank versucht mit ihren Entscheidungen zum Leitzins, zwei Ziele gleichzeitig zu erreichen: Die Preise sollen möglichst stabil bleiben und gleichzeitig sollen möglichst viele Menschen Arbeit haben. Dabei ist der Leitzins ein wichtiges Steuerungsinstrument. Ist er hoch, werden Kredite teurer und Unternehmen investieren weniger, Verbraucher geben weniger Geld aus, und die Wirtschaft wächst langsamer. Ist er niedrig, werden Kredite günstiger, was Investitionen und Konsum ankurbelt und so für mehr Jobs sorgen kann. Allerdings steigt dann auch das Risiko, dass die Preise insgesamt schneller steigen, also die Inflation zunimmt.
Trump fordert deshalb immer wieder niedrigere Zinsen, weil er die Wirtschaft stärken will. Günstige Kredite sollen Unternehmen zu mehr Investitionen bewegen und den Konsum fördern. Doch diese Forderungen dürften vorerst ohne Folgen bleiben. Die Notenbank will eine steigende Inflation vermeiden und genau die könnte durch niedrigere Zinsen zusätzlich angetrieben werden.
Fed rechnet mit steigender Inflation
Die Inflation könnte ohnehin bald steigen. Zwar lagen die Verbraucherpreise im Februar im Jahresvergleich noch bei 2,4 Prozent, doch diese Daten stammen noch aus der Zeit vor dem Krieg mit dem Iran. Die Folgen des Konflikts, vor allem die deutlich gestiegenen Ölpreise, werden sich voraussichtlich erst in den kommenden Monaten in den Preisen bemerkbar machen.
Für das laufende Jahr rechnet die Fed mittlerweile mit einer Teuerungsrate von 2,7 Prozent. Noch im Dezember waren es 2,4 Prozent. 2027 dürfte die Inflation dann bei 2,2 Prozent liegen (bislang: 2,1 Prozent). Unterdessen rechnet die Notenbank in diesem Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von 2,4 Prozent, gefolgt von 2,3 Prozent 2027. Bislang rechneten die Experten mit 2,3 Prozent in diesem und 2,0 Prozent im kommenden Jahr.
