
Mit Blick auf das Ende Mai anstehende Olympia-Referendum schärft der Hamburger Senat sein Bewerbungskonzept nach und ordnet einige Sportstätten neu, zudem wir mit günstigen Ticketpreisen gelockt. Einige Seitenhiebe auf München gibt es auch.
Gut zwei Monate vor dem Olympia‑Referendum am 31. Mai hat der Hamburger Senat seine Bewerbung für Olympische und Paralympische Spiele weiter ausgebaut und zentrale Bausteine präzisiert. Die Präsentation zeigt ein Konzept, das Stadt, Sport, Mobilität und Nachhaltigkeit enger verzahnt als jede frühere Bewerbung. Während Sportsenator Andy Grote (SPD) das aktualisierte Sportstätten‑ und Trainingskonzept vorstellte, erläuterte Umweltsenatorin Katharina Fegebank (Grüne) die Idee eines durchgehenden Grünen Bandes durch die Stadt. Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) legte dar, wie die Mobilität der kurzen Wege funktionieren soll. Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) kündigte eine Bürgertour durch alle sieben Bezirke an.
Der Senat hält an der bereits verkündeten Linie fest, dass das Organisationsbudget ausschließlich aus IOC‑Mitteln, Sponsoren und Ticketverkäufen finanziert werden soll. Die zusätzlichen Investitionen in Infrastruktur liegen weiterhin im oberen einstelligen Milliardenbereich. Tschentscher sprach davon, dass diese Projekte im Falle eines Zuschlags „einen verbindlichen Rahmen und oberste nationale Priorität“ erhalten würden, zumal diesmal – anders als bei der Bewerbung 2015 – auch der Bund voll hinter der Bewerbung steht, Finanzierungszusagen inklusive. „Das ist diesmal alles anders“, sagte Tschentscher und fügte hinzu: „Das passt wirklich genial hierhin.“ Die Stadt werde immens profitieren, dabei aber „nicht auf den Kopf gestellt.“
Auch steigende Mieten sollen nicht die direkte Folge einer Ausrichtung sein. Viele andere frühere Austragungsorte würden sich wegen der Erfahrungen mit den Olympischen Spielen wieder darum bemühen, so ja auch München: „Aber es muss doch nicht wieder Lederhose und Weißwurst sein, die Olympischen Spiele brauchen einen neuen Spirit“, so Tschentscher. Es werde zwar wohl wegen der üblicherweise kritischen Hamburger Bürgerschaft keinen Zustimmungswert wie in München geben, aber mit „50 plus 1“ wolle man antreten. Die beiden anderen Bewerber aus Deutschland, Berlin und Nordrhein-Westfalen, ordnete der SPD-Bürgermeister nicht als Hauptkonkurrenten ein, wenn es im Herbst dieses Jahres darum gehen wird, wer vom Deutschen Olympischen Sportbund den Zuschlag erhält. Man gehe, so Tschentscher und Grote, von Spielen in Deutschland im Jahr 2040 oder 2044 aus, werde sich aber formal auch für 2036 bewerben – viele der Vorhaben seien auch bis dann umzusetzen. Sehr wahrscheinlich wird aber 2036 eine asiatische Stadt den Zuschlag erhalten.
Grotes neues Sportstätten-Konzept
Sportsenator Andy Grote stellte die sportliche Planung als Herzstück der Bewerbung vor. Er sprach von dem Ziel, ein „unvergessliches, faszinierendes Gemeinschaftserlebnis“ zu schaffen, das die ganze Stadt einbezieht. Hamburg wolle die Stadt nicht neu erfinden, sondern vorhandene Strukturen nutzen, temporär ergänzen und zugleich Werte schaffen, „die bleiben und ein olympisches Erbe für kommende Generationen hinterlassen“.
Die Grundstruktur bleibt geprägt von zwei Olympia‑Parks. Der Olympia‑Park City erstreckt sich vom Messegelände über das Heiligengeistfeld bis in die Volksparkarenen, während der Olympia‑Park Altona diese Struktur westlich fortsetzt. Die Kompaktheit gilt als herausragendes Merkmal: 85 Prozent der Sportstätten liegen im Radius von sieben Kilometern, viele sind in zehn bis fünfzehn Minuten zu Fuß erreichbar. Für etwa 40 Prozent der Athletinnen und Athleten soll der Weg vom Olympischen Dorf zum Wettkampf zu Fuß möglich sein. Grote bezeichnete diese Nähe als „in der jüngeren olympischen Geschichte einzigartig“.
Neu sind mehrere zusätzliche Sportstättenentscheidungen. Klettern wird am südlichen Elbufer gegenüber den Landungsbrücken stattfinden, unmittelbar neben den Musicalzelten – eine Lage, die Grote als „spektakulären Standort im Stadtbild“ beschrieb, mit freiem Blick über die Elbe auf die Stadtkulisse. Das Straßenradrennen erhält künftig seinen Zielbereich in der Speicherstadt, die als Kulisse bewusst in Szene gesetzt wird. Für das Radrennen solle die historische Struktur der Speicherstadt „den Zielsprint zu einem besonderen Moment“ machen.
Grotes Konzept erweitert zudem die Nutzung der Binnenalster. Die Fläche soll einer der zentralen olympischen Orte werden, mit Eröffnungsfeiern und mehreren Wettkampfformaten. Vorgesehen sind eine Arena für 3×3‑Basketball mit rund 5000 Plätzen, Bogenschießen auf einer schwimmenden Plattform für etwa 6000 Menschen sowie eine temporäre Tennisarena. Grote sagte, die Binnenalster könne „Bilder erzeugen, die Hamburg von einer hochattraktiven Seite zeigen“, und beziehe sich mit den Entwürfen bewusst auf die großen stadtbildprägenden Inszenierungen der Spiele in Paris.
Auch die Trainingsstättenplanung wurde erweitert. Insgesamt rund 100 Sportanlagen in der Stadt sollen modernisiert, erweitert oder barrierefrei ertüchtigt werden. Diese Anlagen liegen bewusst nicht nur an den zentralen Austragungsorten, sondern verteilt über die gesamte Stadt, damit sie nach den Spielen dauerhaft dem Vereins‑, Breiten‑ und Schulsport zugutekommen. Grote sprach von einer Chance, „Lücken im Sportstättennetz zu schließen und viele Anlagen erstmals auf ein zeitgemäßes Niveau zu bringen“.
Ein wichtiges Element ist die Zugänglichkeit der Wettbewerbe. Hamburg will nach Grotes Worten „niedrigschwellige, erlebbare Spiele“, bei denen möglichst alle Hamburgerinnen und Hamburger teilnehmen können. Es soll eine Million kostengünstige Tickets geben, die vor allem für Menschen aus der Stadt reserviert sind. Darüber hinaus ist ein zusätzliches Kontingent kostenloser Karten vorgesehen. Grote verwies auf die positiven Erfahrungen in Paris, wo günstige Tickets ein breites Gemeinschaftserlebnis ermöglicht hätten. „Alle sollen sich einbezogen fühlen, alle sollen dabei sein“, sagte er.
Fegebanks Grünes Band
Umweltsenatorin Katharina Fegebank (Grüne) rückte die Frage „Was bleibt?“ in den Mittelpunkt ihrer Ausführungen. Sie betonte, es gehe darum, eine „echte Legacy“ zu schaffen, die weit über das Sportereignis hinausreicht. Kernstück ist ein Grünes Band, das sich vom Volkspark über Planten un Blomen bis zur Dove Elbe ziehen soll. Bestehende Grünräume werden demnach erweitert, neue Parkabschnitte kommen hinzu, und entlang der großen Entwicklungsachsen entstehe ein zusammenhängender urbaner Freiraum. Hamburg solle „hinterher eine grünere Stadt sein, als sie es heute schon ist“.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Barrierefreiheit. Die Vision einer barrierearmen, vielleicht barriereärmsten Stadt Deutschlands spreche viele Menschen unmittelbar an, sagte Fegebank. Die paralympischen Anforderungen seien daher nicht Ergänzung, sondern Grundlage der Bewerbung.
Tjarks: Mobilität der kurzen Wege
Verkehrssenator Anjes Tjarks erläuterte die Mobilitätsarchitektur der Bewerbung. Hamburg habe „Olympische Spiele der kurzen Wege“, weil die meisten Sportstätten zu Fuß, mit dem Fahrrad oder über ein eng getaktetes Olympic Bus Network erreichbar seien. Der gesamte olympische Verkehr solle CO₂‑frei abgewickelt werden. Private Pkw‑Anreisen zu Wettkampfstätten seien nicht vorgesehen.
Große Infrastrukturprojekte wie die S6 zum Olympischen Dorf und die U5 zu den Arenen im Volkspark würden im Falle eines Zuschlags eine neue Priorität beim Bund erhalten. Auch die Kapazität der U3 solle deutlich erweitert werden. Tjarks verwies zudem darauf, dass der Ausbau des Hauptbahnhofs durch die olympische Aufmerksamkeit beschleunigt werden könne. Hamburg brauche „die Management-Attention des Bundes“, um hier voranzukommen.
Für die olympische Familie soll ein eigenständiges Expressbus‑System eingerichtet werden, das die beiden Olympia‑Parks und das Olympische Dorf verbindet. Exklusive Verkehrsspuren werde es nicht geben; die kurzen Wege machten sie überflüssig. Ergänzt werde das System durch autonome Shuttles, Radwege und fußläufige Achsen.
Tschentscher startet Bezirksreihe
Bürgermeister Tschentscher betonte die Einigkeit des Senats. „Der gesamte Senat steht hinter der Bewerbung“, sagte er. Hamburg könne „ein neues Kapitel unserer Stadtgeschichte schreiben“. Vom 25. März an beginnt seine Bezirksreihe, die jeweils um 18 Uhr stattfindet und im Sasel‑Haus in Wandsbek startet. Weitere Termine führen nach Eimsbüttel, Hamburg‑Nord, Harburg, Altona, Mitte und Bergedorf. Dabei wolle er, so Tschentscher, auch mit jenen ins Gespräch kommen, die den Plänen bisher kritisch gegenüberstehen.
