Großer Wechsel im Tischtennis: Chinese Fan Zhendong geht nach Düsseldorf – Sport

‚Marty Supreme‘ hat keinen Oscar gewonnen. Und Timo Boll damit gefühlt auch nicht. Der Hollywoodfilm, in dem der deutsche Tischtennisstar eine Minirolle hat, ist bei der Oscarverleihung trotz neun Nominierungen leer ausgegangen. Doch die Enttäuschung darüber währte bei Boll nicht allzu lange. Der 45-Jährige zieht ein Dreivierteljahr nach seinem Karriereende gerade Fäden in der Branche. Und sein langjähriger Tischtennisklub Borussia Düsseldorf, bei dem Boll als „Botschafter“ fungiert, verschickte soeben ein Foto, auf dem Boll und der Borussia-Manager Andreas Preuß den früheren Weltmeister und Olympiasieger Fan Zhendong in die Mitte nehmen. Fan Zhendong und Boll sind gut befreundet.

Der deutsche Rekordmeister Düsseldorf verpflichtet zur nächsten Saison den 29 Jahre alten Chinesen vom großen Rivalen 1. FC Saarbrücken. Im Saarland holt man im kommenden Sommer derweil den brasilianischen Weltranglisten-Dritten Hugo Calderano. Damit sind alle Voraussetzungen erfüllt, dass das Dauer-Duell zwischen Saarbrücken und Düsseldorf nahtlos fortgesetzt wird.

Seit 2017 sind sich Düsseldorf und Saarbrücken in zwölf Endspielen gegenübergestanden. In diesen Duellen gewann Düsseldorf viermal die Meisterschaft, dreimal den Pokal und einmal die Champions League. Saarbrücken gewann in diesen Duellen dreimal die Champions League und einmal den Pokal. Gut möglich, dass die beiden Klubs sich im Sommer sowohl im Finale um die Meisterschaft als auch im Endspiel der Champions League wieder gegenüberstehen. Dann allerdings müsste Fan Zhendong seinem künftigen Klub wehtun.

„Meine Reise hier ist noch lange nicht zu Ende“, sagte der Chinese auf der Internetseite des 1. FC Saarbrücken, als sein Wechsel nach Düsseldorf bekannt wurde: „Ich bleibe bis zum allerletzten Spiel voll darauf fokussiert, alles für Saarbrücken zu geben, damit wir Geschichte schreiben können.“

Fan Zhendong sorgte beim 1. FC Saarbrücken für großes Interesse aus China

Saarbrückens Manager Nicolas Barrois nimmt Fan Zhendongs Wechsel nach nur einem Jahr in Saarbrücken und dann auch noch ausgerechnet zum Rivalen Düsseldorf sportlich: „Uns war von Anfang an klar, dass dieses Kapitel auf ein Jahr ausgelegt ist.“ Im vergangenen Sommer hatte man die Tischtenniswelt mit dem Wechsel der chinesischen Tischtennis-Ikone ins Saarland überrascht. Einen solchen Spieler hatte die Bundesliga bislang nicht erlebt, dabei hat sogar Jan-Ove Waldner jahrelang für Fulda gespielt.

Fan Zhendong aber sorgte beim 1. FC Saarbrücken für ein nicht gekanntes Interesse aus China. Tausende Fans reisten eigens an, um ihn spielen zu sehen. „Saarbrücken ist ein besonderes Kapitel meiner Karriere“, sagte er jetzt und entschuldigte sich geradezu für seinen Wechsel nach Düsseldorf: „Borussia Düsseldorf ist eine der stärksten Kräfte im Tischtennis und meine enge Beziehung zu Timo Boll hat mich zusätzlich inspiriert, mich einer neuen Herausforderung zu stellen.“

In einer Mitteilung der Borussia erklärt Fan Zhendong seinen Wechsel nach Düsseldorf so: „Wenn ich nun ein neues Kapitel in Düsseldorf beginne, spüre ich eine besondere Verbindung zu dem Verein, bei dem mein Freund Timo Boll sein beeindruckendes Vermächtnis hinterlassen hat; ich fühle mich geehrt, in seine Fußstapfen zu treten.“

Boll sagt: „Fan Zhendongs Wechsel ist ein logischer Schritt, denn in Düsseldorf schlägt das Herz des Tischtennissports.“ Borussia-Manager Preuß verriet dem Sportinformationsdienst: „Fan Zhendong ist ein Superstar und wird deswegen auch wie ein Superstar bezahlt; das ist wohl noch über Timos früheren Zeiten – es ist zwar ein gewisses Risiko, aber es ist auch eine Chance, die nur ein Mal kommt.“ Für die Borussia, so Preuß, eröffneten sich in der Vermarktung ganz neue Möglichkeiten.

Am 17. Mai findet das Champions-League-Endspiel in Saarbrücken statt. Am 31. Mai folgt das Bundesliga-Finale in Frankfurt. Gut möglich, dass Saarbrücken und Fan Zhendong dann in zwei aufgeladenen Duellen auf Düsseldorf treffen.