

Frankreich hält als einziges westliches Land den Gesprächskanal nach Teheran offen. Präsident Emmanuel Macron telefonierte am Sonntagabend zum zweiten Mal seit Beginn der amerikanisch-israelischen Luftangriffe mit dem iranischen Präsidenten Massud Peseschkian. Parallel griff Außenminister Jean-Noël Barrot am Wochenende zum Hörer, um mit dem iranischen Außenminister Abbas Araghtschi zu beraten.
Ein übergeordnetes Ziel dieser Telefondiplomatie ist der Schutz der Handelswege und insbesondere die freie Durchfahrt durch die Straße von Hormus. In Paris ist man bestrebt, sich nicht vom amerikanischen Präsidenten Donald Trump in den Krieg hineinziehen zu lassen. Deshalb will man zwar nach dem Ende der Militäroperation „Epic Fury“ Kriegsschiffe zur Eskorte von Handelsschiffen zur Verfügung stellen, aber zugleich mit Teheran eine Art Nichtangriffspakt schließen. Wie die „Financial Times“ zuerst meldete, beteiligt sich auch Italien an diesen Verhandlungen mit Teheran.
Macron teilte mit, er habe Peseschkian daran erinnert, dass Frankreich „in einem streng defensiven Rahmen handelt, der darauf abzielt, seine Interessen, seine regionalen Partner und die Freiheit der Schifffahrt zu schützen.“ Es sei „inakzeptabel, wenn unser Land zur Zielscheibe wird.“ Ein französischer Soldat war vergangene Woche bei einem Drohnenangriff einer von Iran gesteuerten irakischen Gruppe getötet worden, sechs weitere wurden verletzt. Macron sprach sich für einen „neuen politischen und sicherheitspolitischen Rahmen“ aus.
Außenminister Barrot in Berlin erwartet
Frankreich betrachtet es als Aufgabe Europas, einen entsprechenden Vorschlag zu unterbreiten. Außenminister Barrot wollte mit dieser Botschaft an diesem Dienstag nach Berlin reisen. Am Mittwoch soll Barrot an der Regierungskabinettsitzung in Berlin teilnehmen. Zuletzt hatten Paris und Berlin Schwierigkeiten, einen gemeinsamen Ansatz zu finden. In Paris war man erstaunt darüber, als Bundeskanzler Friedrich Merz zu Beginn der Operation „Epic Fury“ Präsident Trump zusicherte, den amerikanischen Ansatz zu teilen. Macron kritisierte, dass die Operation „außerhalb des Völkerrechts“ stattfinde. Jetzt hofft man, zu einem gemeinsamen sicherheitspolitischen Ansatz zu finden.
„Ein solcher Rahmen muss garantieren, dass Iran niemals in den Besitz von Atomwaffen gelangt, und gleichzeitig den Bedrohungen begegnen, die von seinem Programm für ballistische Raketen sowie seinen destabilisierenden Aktivitäten auf regionaler und internationaler Ebene ausgehen“, äußerte Macron. Die Freiheit der Schifffahrt in der Straße von Hormus müsse so schnell wie möglich wiederhergestellt werden.
Macron hält es für einen Fehler, dass Trump die Atomverhandlungen aufkündigte, und glaubt, dass eine dauerhafte Kontrolle nur über eine diplomatische Lösung zu erreichen ist. Frankreich nahm in den damaligen Gesprächen mit Teheran eine harte, detailorientierte Verhandlungsrolle ein und drängte auf strikte technische Beschränkungen und belastbare Sanktionsmechanismen.
