
Erstmals seit 2011 ist die Zahl der in Deutschland lebenden Geflüchteten
wieder leicht gesunken. Wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf
eine parlamentarische Anfrage der Linksfraktion hervorgeht, hielten sich zum Stichtag 31.
Dezember 2025 knapp 3,53 Millionen Schutzsuchende hierzulande auf – rund
17.000 Geflüchtete weniger als ein Jahr zuvor. Unter ihnen waren rund 1,33 Millionen Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine und knapp 707.000 Menschen, die nach der Genfer Flüchtlingskonvention als Flüchtling anerkannt wurden.
Mehr Grenzkontrollen und weniger Ankommende in Deutschland
Dass es Ende 2025 etwas weniger Flüchtlinge in
Deutschland gab als ein Jahr zuvor, hat einerseits mit den
Grenzkontrollen zu tun. Nicht nur wird inzwischen an allen deutschen
Landgrenzen kontrolliert, obwohl das im Schengen-Raum eigentlich gar
nicht vorgesehen ist. Auch die Intensität der Kontrollen hat zugenommen.
Zudem hat Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) im Mai
angeordnet, im Regelfall auch Asylsuchende zurückzuweisen.
Aus Sicht der Innenpolitikerin Clara Bünger (Linke) ist der Rückgang
keine positive Nachricht. Sie sagt: „Immer weniger Schutzbedürftige
schaffen es über die hochgerüsteten und vorverlagerten EU-Außengrenzen.“
Ein weiterer Grund ist, dass zuletzt auch insgesamt weniger Schutzsuchende nach Europa kamen.
Außerdem sind unter denjenigen, die 2025 einreisten, viele Venezolaner,
die es aufgrund der Sprache und der aktuell eher liberalen
Migrationspolitik vor allem nach Spanien zieht. Ein wichtiger Grund für
den Rückgang in Deutschland ist außerdem, dass Syriens Langzeitmachthaber Baschar al-Assad im
Dezember 2024 gestürzt wurde. Von den Syrerinnen und Syrern, die
zwischen 2014 und 2016 eingereist waren, erfüllen überdies viele
inzwischen die Bedingungen für eine Einbürgerung. Sie tauchen dann nicht
mehr als Flüchtlinge in der Statistik auf.
Unkomplizierte Aufnahme von Ukraine-Flüchtlingen in der EU
Viele Geflüchtete kamen 2022 aus der Ukraine, als Russland seinen Angriffskrieg auf das Land begann. Sie werden in der Europäischen Union ohne Asylverfahren aufgenommen und erhalten eine Arbeitserlaubnis. Eine entsprechende Regelung gilt aktuell bis März 2027. Da die ukrainische Regierung im August 2025 jungen Männern unter 22 Jahren trotz des laufenden Kriegs gegen Russland die Ausreisegenehmigung erteilt hatte, kamen im September und Oktober vergangenen Jahres mehr junge ukrainische Männer nach Deutschland. In den folgenden Monaten ging ihre Zahl jedoch trotz des anhaltenden russischen Angriffskriegs auf die Ukraine wieder deutlich zurück.
Reformen der Ampel-Regierung
Da die Wartezeit für den Einbürgerungsantrag verkürzt wurde, kann – wer
die Kriterien erfüllt – schon nach fünf statt acht Jahren eingebürgert
werden.
Das
von SPD, Grünen und FDP beschlossene Gesetz zum
Chancen-Aufenthaltsrecht galt bis Ende 2025. Menschen, die sich zum Stichtag 31. Oktober 2022 mindestens fünf Jahre
geduldet, gestattet oder mit einer Aufenthaltserlaubnis in Deutschland
aufgehalten hatten, konnten eine
Art Aufenthaltserlaubnis auf Probe erhalten und danach ein
dauerhaftes Bleiberecht bekommen, wenn sie unter anderem überwiegend selbst für ihren Lebensunterhalt aufkommen, Deutsch sprechen und nicht straffällig geworden sind. Etwa 43 Prozent der
Berechtigten machten vom Chancen-Aufenthaltsrecht Gebrauch.
Wie viele Menschen sind ausreisepflichtig?
Ende
2025 lebten rund 232.000 Ausreisepflichtige in Deutschland. Viele von
ihnen stammen aus der Türkei, dem Irak oder aus Afghanistan. Ein Jahr
zuvor waren es knapp 221.000 Ausreisepflichtige gewesen.
Knapp
191.000 der Ausreisepflichtigen zum Stichtag 31. Dezember 2025 hatten
eine Duldung. Geduldete sind Menschen, die zwar ausreisepflichtig sind,
aber aus bestimmten Gründen aktuell nicht abgeschoben werden können – etwa weil sie keine Ausweisdokumente haben oder krank sind.
