Wofram Weimer und der Tegernsee: Ständige Konflikte unter den oberen Zehntausend

Das chemische Element Wolfram ist ein weiß glänzendes Schwermetall hoher Dichte. Es findet zum Beispiel in Glühbirnen Verwendung und ist für die Stahlindustrie bedeutsam, weil es Eisen härtet. Seit 2021 gilt Wolfram als „Konfliktrohstoff“. Sein Abbau in sogenannten Entwicklungsländern steht in Zusammenhang mit Korruption, Geldwäsche und Menschenrechtsverletzungen. EU-Importeure müssen für Wolfram besondere Auflagen erfüllen, Lieferkettengesetzen sei Dank.

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) kann nichts für seinen Vornamen. Doch seit er 2025 sein Amt angetreten hat, kommt es fast beständig zu Konflikten. Anders als bei seiner Vorvorgängerin Monika Grütters (CDU), die stets auf Ausgleich bedacht war und gute Kontakte auch zu linken Kulturbastionen pflegte. Anders auch als bei seiner Vorgängerin Claudia Roth (Grüne), die in ihren Entscheidungen zwar nicht immer glücklich agierte, sich aber gemäß dem Staatstragenden ihrer Aufgabe für ihre Verhältnisse zurückhaltend inszenierte.

Weimer erinnert in seinem Kollisionskurs dagegen an Michael Naumann (SPD), den allerersten, von 1999 bis 2000 amtierenden Kulturstaatsminister. Dieser löste etwa einen Skandal aus, als er sich öffentlich gegen den Entwurf zum Mahnmal der ermordeten Juden in Berlin wandte und in Peter Eisenmans Denkmalbau nur Monumentalität am Werk sah. Weimer und Naumann haben eine weitere Gemeinsamkeit. So arbeiteten beide auch als Publizisten und standen als Chefredakteure jeweils dem konservativen Magazin Cicero voran, der eine vor seiner Zeit im Kanzleramt, der andere danach.

Ein Alleinstellungsmerkmal hat Weimer dennoch: Er gilt als Inbegriff seines Wohnorts Tegernsee. Einer so berühmten wie berüchtigten Region in Oberbayern. In Gmund am Tegernsee richtete Weimer seit 2014 auch den „Ludwig-Erhard-Gipfel“ aus, ein Insidertreffen für die oberen Zehntausend zwischen Wirtschaft, Politik und Society, das etwa vom Pkw-Hersteller Audi und der Kryptowährungs-App Bitpanda gesponsort wurde. Einige Zeit galt es als überhaupt nicht anrüchig, dort gesehen zu werden.

Kein bezahlbarer Wohnraum

Am Tegernsee gibt es auch Armut, Tafeln, die Essen für die Bedürftige bereitstellen, und Ehrenamtliche, die sich um minderjährige Flüchtlinge kümmern. Und es gibt dort eine gut sortierte, in der Seegesellschaft verwurzelte inhabergeführte Buchhandlung. Es gibt Gaststätten und Hotels, die teilweise schließen müssen, weil sie für ihre Angestellten keinen bezahlbaren Wohnraum finden.

Und trotzdem gilt der Tegernsee nur als Heimat der Superreichen. Und als Urlaubsdomizil von Kanzler Friedrich Merz. Scheinbar heil und idyllisch liegt der See inmitten der Voralpen. Die friedliche Kuratmosphäre täuscht freilich. Der Tegernsee hat seine Abgründe. Einst galt er als NS-Hochburg. Hier war 1934 auch Auftakt zum „Röhm-Putsch“, bei dem Hitler die SA-Elite in ein Tagungshotel lockte, festnehmen und schließlich erschießen ließ.

Ermittlungen wegen Geldwäsche

Nach 1945 konnten Altnazis in der Komfortzone am Tegernsee dann unbehelligt weiterleben. Inzwischen sind sie zwar tot. Doch so, wie sie lange Zeit in Ruhe gelassen wurden, lebte hier am See ein russischer Oligarch. Der Zigaretten- und Metallmagnat Alisher Usmanow hatte gleich drei Villen am Tegernsee. Bis vor Kurzem wurde gegen ihn wegen Geldwäsche ermittelt. Dabei wäre es vielleicht interessanter, Menschen vom Tegernsee zu benennen, die in ihren Gasthöfen darauf achten, dass die Preise nicht in den Mond schießen.

Doch Wolfram Weimer und sein Ludwig-Erhard-Gipfel haben den Tegernsee vom oberen Preissegment her wie ein Hufeisen in die Zange genommen. Weimer hat vielleicht dort auch seine Theorie entwickelt, dass Linke genauso schlimm wie Rechte sind. Stoff für einen weiteren Konflikt.