Die Diskussion über eine höhere Belastung für Spitzenverdiener zeigt, wie irrational die finanzpolitische Debatte ist. Und warum sich Deutschland mit Reformen schwertut.
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Das vorab: Niemand versteuert sein Einkommen mit dem Spitzensteuersatz. Auch ein Einkommensmillionär nicht. Jedenfalls nicht das gesamte Einkommen. Der Spitzensteuersatz von derzeit 42 Prozent ist ein sogenannter Grenzsteuersatz. Das bedeutet: Wenn das Finanzamt die Steuerschuld ermittelt, dann zerlegt es das Gehalt eines Arbeitnehmers oder einer Selbstständigen rechnerisch in verschiedene Bestandteile, auf die dann verschiedene Steuersätze angewendet werden.
Der Spitzensteuersatz fällt nur auf den Betrag an, der bei Alleinstehenden über dem Wert von 69.879 Euro liegt. Der Rest des Einkommens wird mit niedrigeren Sätzen versteuert, sodass der tatsächlich zu zahlende Steuersatz immer unter dem Spitzensteuersatz liegt. Bei einem zu versteuernden Einkommen von 100.000 Euro (das entspricht etwa 120.000 Euro Bruttoeinkommen) beträgt die durchschnittliche Steuerbelastung beispielsweise 36,97 Prozent. Man kann sich das alles auf der Webseite des Bundesfinanzministeriums ausrechnen lassen. Aber wer macht das schon.
