
AUDIO: SG-Kapitän Golla vor dem Derby: „Wollen ganz anders auftreten“ (1 Min)
Handball-Bundesliga im Derby-Fieber
Stand: 13.03.2026 13:23 Uhr
Das 116. Landesderby in der Handball-Bundesliga zwischen dem THW Kiel und der SG Flensburg-Handewitt wird für Johannes Golla wahrscheinlich das letzte in der Halle des Landesrivalen sein. Die SG-Kapitän geht nach Melsungen und blickt auf acht Jahre Derby-Erfahrung zurück.
Die jüngste war für den Kreisläufer der SG allerdings ernüchternd. Zum Auftakt der „Derby-Doppelpack-Woche“ verlor er mit seinen Flensburgern in der „Höhle des Löwen“. Als Kapitän ging der 28-Jährige vorweg, konnte die deutliche 29:36-Niederlage in der European League allerdings auch nicht verhindern.
Danach stand er den Journalisten Rede und Antwort, analysierte die weniger gute Leistung der SG und erklärte, was am Sonnabend (20 Uhr, im NDR Livecenter) besser funktionieren muss, um beim THW Kiel bestehen zu können.
Noch ein Derby beim Final Four in Hamburg?
Mit dem Begriff „Abschiedsderby“ beschäftigte sich Golla am Dienstagabend nicht. Zum einen könnte es Ende Mai beim Final Four der European League in Hamburg zu einem weiteren Schleswig-Holstein-Klassiker kommen, zum anderen nagte am Kreisläufer die aktuelle Vorstellung im internationalen Wettbewerb.
Das 115. Landesderby hatte zwar keine tabellarische Bedeutung mehr, da die Kieler schon vorher die Gruppe gewonnen und die Flensburger den zweiten Platz sicher hatten, es war aber eine missratene Ouvertüre für den kommenden Bundesliga-Knüller.
Golla: „Wir müssen mehr investieren“
„Es war ein anderes Gefühl als sonst, weil es nicht um wichtige Punkte ging, unbewusst fehlten dadurch wohl ein paar Prozent“, sagte Golla. „Die vielen Fehler in der zweiten Hälfte können nicht unser Anspruch sein. Diese Leistung sollte Warnung sein: Wir müssen mehr investieren.“
Erstes Landesderby vor acht Jahren
So wie am 8. September 2018. Damals besiegten die Flensburger die „Zebras“ hauchdünn mit 26:25, die „Hölle Nord“ tobte. Mittendrin Golla, der damals drei Tore erzielte. Wenige Wochen zuvor war er als großes Talent vorgestellt worden, das von der MT Melsungen in den hohen Norden gewechselt war, um weiter zu reifen.
Dieser Reifeprozess vollzog sich wahnsinnig schnell. Am Ende seiner ersten Saison in Flensburg war er deutscher Meister und Nationalspieler, nur ein paar Monate weiter Kapitän der SG und beim DHB.
Der jüngste und sicherlich nicht letzte Höhepunkt seiner Karriere: die Silbermedaille bei der Europameisterschaft in diesem Winter. Ein Erfolg, der mit einem riesigen Hype einherging. „Das ist noch alles gar nicht richtig aufgearbeitet, da es Schlag auf Schlag geht“, so Golla. „Mit der SG sind wir ja noch in zwei Wettbewerben voll im Geschäft.“
„Der Verein hätte es verdient, wieder in der Champions League zu spielen.“
Johannes Golla
Die schönsten Erinnerungen löst die European League bei dem Routinier aus. In den beiden vergangenen Jahren triumphierten die Flensburger, jetzt ist der Titel-Hattrick möglich. „Zwei Mal sind wir aus Hamburg zurückgekommen und haben mit den Fans gefeiert“, erinnert sich Golla und hofft auf eine weitere SG-Party Ende Mai.
Noch wichtiger für den Verein – das weiß auch der Kapitän – ist es, in der Bundesliga unter die besten Drei zu kommen und sich damit für den höchsten europäische Wettbewerb zu qualifizieren. „Der Verein hätte es verdient, wieder in der Champions League zu spielen“, meint Golla.
Er selbst wird in der kommenden Saison wohl nicht in den Genuss der „Königsklasse“ kommen. Die MT Melsungen wird voraussichtlich auf keiner internationalen Bühne vertreten sein, liegt derzeit nur auf Platz acht der Bundesliga. Hatten die Nordhessen in der letzten Serie zeitweise sogar von der Meisterschaft geträumt, sind sie in den vergangenen Monaten abgestürzt. Die sportliche Leitung wurde mit dem Ausscheiden von Sportdirektor Michael Allendorf neu geordnet.
SG-Fans hoffen noch auf Golla-Verbleib
In verschiedenen Medien war zu lesen, dass die Hessen den Gürtel enger schnallen müssten, sich das Gehalt von Golla nicht mehr leisten könnten und Flensburg um ein Bleiben des Leistungsträgers buhle. Von den Vereinen und vom Spieler gab es kurz darauf Dementis. Unter den Flensburger Fans wird aber weiterhin spekuliert, dass es noch einen Rückzug vom Abschied geben könnte. Wenn es so wäre, würde es auch nach der kommenden Sommerpause Landesderbys mit Golla geben.
„Kiel hat Druck, wir haben auch Druck“
Er selbst konzentriert sich auf die aktuelle Begegnung. „Es geht um extrem wichtige Punkte“, betonte Golla. „Kiel hat Druck, wir haben auch Druck, da wir noch ein sehr schweres Restprogramm haben.“ Da wirken Tabellenposition zwei und die bislang nur neun Minuszähler wenig beruhigend, zumal die Flensburger zuletzt selten ihre Bestform abriefen.
„In Kiel müssen wir alles reinwerfen, was wir haben“, sagte Golla. „Ab Montag haben wir eine Woche bei den Nationalteams, und danach sollten wir spielerisch wieder ein besseres Gesicht zeigen. Wir haben definitiv noch Luft nach oben.“





