Fliegen und Hotels: Kostenfalle für Reisende – Reise

Ach, was waren das für Zeiten, als „Volare, oh oh“ noch wirklich ein Erlebnis gewesen ist. Wer heute Bilder und Videos vom Fliegen in den 60er-, 70er- und 80er-Jahren anschaut, könnte neidisch werden. Nicht nur, dass die Fluggäste unbeschwert von der schädlichen Klimawirkung des Fliegens (denn sie wussten nicht, was sie tun) in ihren breiten Sitzen mit Beinfreiheit saßen. Nein, auf dem Flug gab es Sekt und guten Wein und aufwendiges Essen auch in der Economy-Class. Da war das Fliegen schon Teil der Erholung.

Mit den billigen Flügen kam das Ende der Verpflegung

Und dann kam Ryanair. Und Easyjet. Und Germanwings. Sie köderten ihre Kunden zunächst mit unsäglich, ja eigentlich unmoralisch billigen Flügen. München-Barcelona 29 Euro – hin und zurück! Wer hat da nicht „Ja!“ gesagt? Doch dann schlichen sich über die Jahre auch bei einstmals renommierten Fluggesellschaften all die Dinge ein, die bei Ryanair & Co angewandt wurden, um Kosten zu drücken: kein Essen mehr, nur noch Snacks, kein Wein mehr, nur noch Softdrinks. Und bald darauf, wenn überhaupt, nur Wasser.

Und bei den sogenannten No-Frills-Carriern, den Billigfluggesellschaften also, ist heute im Anfangspreis oftmals weder ein frei mitzunehmendes Gepäckstück dabei noch die Sitzplatzauswahl und schon gar nicht etwas zu essen oder zu trinken. Von christlichen Flugzeiten ganz zu schweigen. Kostet alles extra, weshalb die anfangs angezeigten Preise bestenfalls so etwas wie ein Lockvogelangebot sind. Am Ende zahlt man weit mehr, wenn man für den zweiwöchigen Mallorca-Urlaub auch ein Gepäckstück mitnehmen möchte.

Flugreisen in den 1970er-Jahren: Da war die Passagierin noch Königin. Heute muss man jede Leistung extra buchen, und so könnte es bald auch in Hotels kommen.
Flugreisen in den 1970er-Jahren: Da war die Passagierin noch Königin. Heute muss man jede Leistung extra buchen, und so könnte es bald auch in Hotels kommen. IMAGO/imageBROKER/Sjoberg

„Zum Glück gibt es das bei Hotels nicht!“, werden jetzt manche erleichtert ausrufen. Tja, sorry, Hotelfirmen wie Hilton und Marriott sind schon dran. Dort heißt das „Composable Stay“, also Baustein-Aufenthalt. Und natürlich wird es uns als großer Fortschritt verkauft, dass wir nicht mehr Standard-Zimmer oder Juniorsuite auswählen dürfen, sondern dass wir ein maßgeschneidertes Zimmer mit ausgewählter Temperatur, Kissenpräferenz, Fitnessbike und Grünruhelage buchen können. Das alles natürlich über die Hotel-App, die mittels KI unsere Vorlieben vom letzten Aufenthalt schon gespeichert hat und uns dementsprechende Vorschläge macht: „Wie immer, Herr Gasser? Oder darf es diesmal der Châteauneuf-du-Pape und eine etwas weichere Matratze sein?“

Das wird schön. Vor allem: schön teuer. Denn das wissen wir ja nicht nur aus dem Flugwesen, sondern auch aus dem Skigebiets(un)wesen, wo „dynamische Preise“ als Sparmöglichkeit verkauft werden, in Wirklichkeit aber zu einer Verteuerung der Skipässe geführt haben. Denn wer halt bei schönem Wetter am Samstag fahren möchte und nicht bei Nebel am Dienstag, der zahlt einen saftigen Aufpreis.

Und so wird es dann aller Voraussicht nach auch beim Übernachten kommen: Doppelzimmer 95 Euro, wow, guter Preis! Doch dann wird klar, dass es für diesen Preis nur die Kammer neben dem Aufzug gibt, zehn Quadratmeter mit Blick auf den Abzugskamin der Küchenlüftung. Wer gerne ein normales Zimmer hätte (früher Standard-Doppelzimmer), der muss Aufpreis zahlen. Und was sich da noch alles anbietet zum Dazuverdienen! Gute Matratze? 20 Euro. Separate Toilette? 30 Euro. Warmwasser-Dusche? 15 Euro. Klimaanlage? 20 Euro. Und so weiter.

In 20 Jahren werden wir seufzen: Ach, was war es doch früher für ein schönes und leistbares Erlebnis, im Hotel zu schlafen. Da fing die Erholung schon an!

Der Autor schläft gerne im Campingbus. Da hat er alles selbst ausgewählt.
Der Autor schläft gerne im Campingbus. Da hat er alles selbst ausgewählt. Bernd Schifferdecker (Illustration)