
Die deutsche Mannschaft sieht von einem Boykott der Schlussfeier der Paralympischen Winterspiele in Norditalien am Sonntag ab. „In enger Abstimmung mit dem Team haben wir bereits im Vorfeld und zu
Beginn der Paralympischen Spiele Zeichen gesetzt. Nun begleiten wir sie
dabei, am Sonntag im Curling-Stadion von Cortina gemeinsam einen
emotionalen Abschluss dieser Spiele zu erleben“, teilte der Deutsche Behindertensportverband (DBS) auf Anfrage der Nachrichtenagentur SID mit.
Der Eröffnungsfeier der Spiele am vergangenen Freitag in Verona war das deutsche Team ferngeblieben. Nur 28 der 55 teilnehmenden Nationen nahmen an der Zeremonie teil. Der DBS hatte die Entscheidung mit „der Konzentration auf die
bevorstehenden Wettkämpfe als auch dem Anliegen, die solidarische
Haltung gegenüber der ukrainischen Delegation respektvoll zum Ausdruck
zu bringen“ begründet.
Russische Athleten wieder unter eigener Flagge zugelassen
Die Generalversammlung des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC) hatte im vergangenen Jahr entschieden, dass russische Athleten trotz des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine wieder unter eigener Flagge starten dürfen. Bei den Olympischen Winterspielen galt das nicht.
Während der Paralympischen Spiele hatten unter anderem die Skilangläuferin Linn
Kazmaier und ihr Guide Florian Baumann ein Zeichen gegen die
Wiederzulassung Russlands gesetzt. Das Duo hatte bei der Siegerehrung, bei der die russische
Goldmedaillengewinnerin Anastasija Bagijan geehrt worden war,
demonstrativ Abstand gehalten, ihre Mützen aufbehalten und anschließend
das obligatorische Siegerselfie verweigert.
Das ukrainische Team warf dem IPC Repressionen vor. So habe Oleksandra Kononowa nach ihrem
Sieg im Biathlonsprint bei der Siegerehrung ihre Ohrringe in den
Landesfarben Blau und Gelb sowie mit der Aufschrift „Stop War“ abnehmen
müssen. Ein Vertreter des IPC habe versucht, sie ihr wegzunehmen,
schrieb der Verband.
Anders als bei der Eröffnungsfeier, bei der ohnehin nur zwei Athletinnen
und Athleten sowie zwei Offizielle in die antike Arena einlaufen
durften, sind im Curling-Stadion in Cortina bei der Schlussfeier am
Sonntag diesmal alle Teilnehmer aus den Clustern Cortina (Ski alpin,
Snowboard, Rollstuhlcurling) und Tesero (Biathlon, Skilanglauf)
zugelassen.
