Altersvorsorge für 99-Jährige: Riester- und Rürup-Renten bleiben Rendite-Rohrkrepierer

Altersvorsorge für 99-JährigeRiester- und Rürup-Renten bleiben Rendite-Rohrkrepierer

12.03.2026, 18:52 Uhr

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Auch bei genauem Hinsehen werden die meisten Produkte nicht rentabel. (Foto: Christin Klose/dpa-tmn)

Die Riester-Rente ist seit fast 25 Jahren am Start. Die Rürup-Rente ist kaum jünger. Funktionieren tun beide privaten, staatlich geförderten Altersvorsorgeprodukte für die wenigsten, wie die niederschmetternden Ergebnisse einer Renditeberechnung zeigen.

Die staatlich geförderte private Altersvorsorge von Riester- oder Rürup-Rente wurde 2002 beziehungsweise 2005 aus der Taufe gehoben, um die von der damaligen rot-grünen Bundesregierung beschlossene Senkung des gesetzlichen Rentenniveaus zu kompensieren. Doch die Vorsorgeprodukte stoßen auf so einige Vorbehalte. Kritiker sahen und sehen darin eher eine Subventionierung der Banken- und Versicherungswirtschaft und eine De-facto-Rentenkürzung durch die Politik.

Denn die entsprechenden Produkte kosten Sparer zu viel an Provisionen und Verwaltung. Das schmälert ihre Rendite und bereichert stattdessen Banken und Versicherungen. Zudem senkt auch die mangelnde Flexibilität der Produkte durch ein staatlich begrenztes Risiko die Renditemöglichkeiten.

Zwei Drittel der Kunden verlieren Geld

Dass die Forderungen nach einer Reform der staatlich geförderten Altersvorsorge dringend notwendig ist, zeigen die neuerlichen niederschmetternden Ergebnisse einer Renditeberechnung des Vereins Finanzwende. Eine Mehrzahl der Riester- und Rürup-Produkte kann demnach mit ihrer Rendite nicht einmal die Verluste einer Zwei-Prozent-Inflation ausgleichen.

Für ihre Berechnungen haben die Experten die Rendite-Erwartungen 37-jähriger Musterkunden bei insgesamt 96 Riester- und Rürup-Rentenversicherungen untersucht (Stand der Daten: November 2025). Die zentrale Frage war: Haben die Produkte für Kunden tatsächlich einen Nutzen, sprich: Spielen sie mindestens die Produktkosten und einen langfristigen Inflationsausgleich ein?

Knapp zwei Drittel der untersuchten Produkte (65 Prozent) schaffen die Zwei-Prozent-Hürde aber nicht. Wer einen solchen Vertrag abgeschlossen hat, macht real also Verluste. „Die Latte liegt wirklich nicht besonders hoch – es geht lediglich darum, dass die Kundinnen und Kunden kein Geld verlieren“, sagt Moritz Cygan, Finanzwende-Referent für Verbraucherschutz und Autor der Studie.

Ab 99 Jahren kann sich Riestern dann lohnen

Besonderes Augenmerk legt die Studie auf die Auszahlungsphase – also auf die Frage, was Sparer im Alter tatsächlich an Rente erhalten. Antwort: wenig. „Das lohnt sich hochgerechnet nur, wenn man ein wirklich hohes Alter erreicht“, sagt Czygan. Konkret müssen Riester-Kunden bei den untersuchten Angeboten 99 Jahre alt werden, damit sie wenigstens das gesamte Geld inflationsbereinigt zurückerhalten. Bei den Rürup-Angeboten sind es 96 Jahre. Ein wichtiger Grund dafür sind die hohen Abschluss- und Verwaltungskosten der Anbieter, ein weiterer die hohen Sicherheitsmargen in der Rentenzeit.

Die Bundesregierung plant eine Reform. Sie sieht vor allem ein Altersvorsorgedepot vor, das hohe Renditen am Kapitalmarkt ermöglicht, aber keine Garantien gibt. Geplant ist ein Standardprodukt mit einem Kostendeckel von 1,5 Prozent. Das sei viel zu hoch angesetzt, kritisiert Finanzwende. Nötig sei ein Kostendeckel von maximal 0,5 Prozent Effektivkosten.

Quelle: ntv.de, awi