
Der Tatverdächtige im Fall einer mutmaßlichen Vergewaltigung in einem Jugendzentrum in Berlin-Neukölln hat in der betreffenden Einrichtung Hausverbot erhalten. Das berichtet die „Bild“-Zeitung.
Der Hintergrund: Ein Mädchen soll in einem Jugendzentrum in Berlin-Neukölln von Jugendlichen vergewaltigt und bedrängt worden sein – doch die Polizei erfuhr davon erst spät. Weder die Einrichtung noch später das zuständige Jugendamt des Bezirks Neukölln hatten zunächst Anzeige erstattet. Das Jugendamt kündigte eine Untersuchung an und gab Fehler zu. Das Landeskriminalamt (LKA) und die Berliner Staatsanwaltschaft ermitteln.
Zuvor hatte die „Bild“-Zeitung berichtet, dass eine 16-Jährige im Januar von mehreren Jungen in dem Zentrum in einen hinteren Raum getragen, auf eine Couch geworfen und von den Jugendlichen sexuell belästigt wurde. Erst als eine Mitarbeiterin gekommen sei, hätten sie von dem Mädchen abgelassen.
Später soll die türkisch-kurdische Schülerin berichtet haben, sie sei bereits im vergangenen Jahr in dem Jugendzentrum vergewaltigt worden. Dies soll sich abends im Garten des Jugendzentrums ereignet haben. Ein 17-Jähriger soll ein Video von der Tat gedreht und dem Mädchen gedroht haben. Andere Jungs sollen das Mädchen wegen des Videos gemobbt und bedroht haben, schreibt die „Bild“.
Der Vater des mutmaßlichen Opfers hat nach dem Bericht Anzeige gegen den mutmaßlichen Vergewaltiger erstattet – aber auch gegen die Verantwortlichen in der Einrichtung und bei den Behörden, die nichts unternommen haben sollen. Die Kriminalpolizei soll erst von dem Fall erfahren haben, als sich die betroffene 16-Jährige einer Präventivbeamtin der Polizei anvertraute. Diese schaltete das LKA ein.
Laut Staatsanwaltschaft stehen die Ermittlungen zu dem Fall noch ganz am Anfang. „Weitere Auskünfte können derzeit nicht erteilt werden“, teilte ein Sprecher der Behörde mit. Der Behörde liege der Fall seit dem 26. Februar vor, so der Sprecher. Die Anzeige bei der Polizei sei drei Tage zuvor erfolgt.
Das Jugendzentrum äußerte sich nicht und verwies an das zuständige Bezirksamt Neukölln. Von dort hieß es, dem Amt sei bekannt, dass es an einem Novemberabend zu der Vergewaltigung durch einen Besucher gekommen sein solle und es Ende Januar zu sexuellen Übergriffen durch mehrere männliche Jugendliche gegeben haben solle. „Das Jugendamt wurde am 28. Januar 2026 über diese Vorfälle informiert“, teilte ein Sprecher mit. Die zuständige Bezirksstadträtin habe erst am 2. März davon erfahren.
„Religionszugehörigkeit darf niemals ein Grund sein, Straftaten zu verschleiern“
Offen ist bislang, warum das Jugendamt keine Anzeige erstattete. Zunächst hieß es von der Neuköllner Verwaltung zur Begründung, es sei keine Anzeige erstattet worden, weil weder vom Opfer noch vom Täter die Namen bekannt gewesen seien. Dies sei nun „Gegenstand der Aufklärung“, hieß es vom Sprecher des Bezirksamtes Neukölln.
In der „Bild“-Zeitung äußerte Jugendstaatssekretär Falko Liecke (CDU) den Verdacht, dass der Vorfall von Betreuern der Einrichtung aus politischen Gründen nicht gemeldet wurde. „Es ist ein Unding, dass hier offensichtlich die muslimischen Täter geschützt werden, um sie nicht zu stigmatisieren, und das Opfer wird im Stich gelassen. Diese Haltung ist ein völliges No-go“, sagte Liecke der Zeitung.
Laut der Zeitung habe es in der Einrichtung intern geheißen, muslimische Tatverdächtige sollten nicht stigmatisiert werden. Neuköllns Bürgermeister Martin Hikel (SPD) sagte der „Bild“: „Die Religionszugehörigkeit darf niemals ein Grund sein, Straftaten zu verschleiern. Das muss man mit den Sozialarbeitern thematisieren.“
