Asphalt statt Abendruhe – Lkw-Fahrer brauchen mehr Stellplätze

Zum Weltschlaftag am 13. März macht der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) auf ein gravierendes Risiko aufmerksam: Den massiven Mangel an Lkw‑Stellplätzen entlang deutscher Autobahnen.
Weil tausende Plätze fehlen, bleiben viele Lkw‑Fahrende ohne legale Übernachtungsmöglichkeiten – und fahren häufig trotz Müdigkeit weiter. Laut Branchenverbänden fehlen bundesweit 25.000 bis 40.000 Stellplätze.

Der DVR fordert das Bundesministerium der Finanzen (BMF) sowie das Bundesverkehrsministerium (BMV) auf, der Autobahn GmbH ausreichend Mittel bereitzustellen, um den Ausbau schneller voranzutreiben.

„Asphalt statt Abendruhe – so sieht die Realität für viele Lkw‑Fahrende Abend für Abend aus“, sagt DVR‑Präsident Manfred Wirsch.
Müdigkeit sei ein hochgefährliches Unfallrisiko, das ohne ausreichende Stellplätze kaum vermeidbar sei. Fahrerinnen und Fahrer müssten die gesetzlichen Lenk‑ und Ruhezeiten einhalten können – die baulichen Voraussetzungen dafür fehlen an vielen Orten.

Laut DVR müsse die Autobahn GmbH verlässlich mehr Geld erhalten, damit alle baureifen Stellplatzprojekte schnell umgesetzt werden können.

Der DVR begrüßt, dass Bund und Autobahn GmbH verstärkt auf telematisches Parken setzen.
Dabei werden Lkw nach ihrer geplanten Abfahrtszeit hintereinander eingeordnet. So können Fahrgassen entfallen und dieselbe Fläche effizienter genutzt werden.
Ergebnis: Mehr Stellplätze ohne zusätzlichen Flächenverbrauch.

Trotz der Vorteile hemmen komplizierte Vorgaben den flächendeckenden Ausbau telematischer Parkflächen.
Für jeden Parkplatzbereich muss weiterhin eine Vergleichsplanung für einen konventionellen Parkplatz erstellt werden – obwohl das digitale System bereits als wirtschaftlicher gilt.

„Diese Vorgabe gehört abgeschafft“, sagt Wirsch. Weniger Bürokratie spare Zeit, Geld und beschleunige den Ausbau.

Wirsch begrüßt, dass in Rheinland‑Pfalz bereits Anreizsysteme für Stellflächen in Wahlprogrammen stehen.
Neue Stellplätze seien nur möglich, wenn Kommunen Bedenken abbauen, Flächen bereitstellen und Bund wie Länder den Ausbau aktiv unterstützen.

All dies müsse Bestandteil einer gesamtstaatlichen Verkehrssicherheitsstrategie sein – im Sinne der „Vision Zero“.

Laut Statistischem Bundesamt waren Lkw‑Fahrende 2024 an 22.900 Unfällen beteiligt.
Offiziell wird Müdigkeit jedoch nur selten dokumentiert:

  • 5 tödliche Unfälle
  • 199 Unfälle mit Personenschaden
  • 182 Unfälle mit hohem Sachschaden

Eine BASt‑Studie von 2015 zeigt jedoch:
In 19 % der untersuchten schweren Lkw‑Unfälle war Müdigkeit die Hauptursache.

Überträgt man diesen Wert auf alle Lkw‑Unfälle, ergibt sich ein weit höheres Risiko als die Statistik vermuten lässt.

„Die amtliche Statistik bildet Müdigkeitsunfälle nur unzureichend ab“, betont Wirsch. Viele Fälle werden gar nicht als Übermüdung registriert.
Der DVR sieht deshalb akuten politischen Handlungsbedarf: Mehr sichere Stellplätze sind entscheidend für mehr Verkehrssicherheit.