

Der Volkswagen-Konzern hat im vergangenen Jahr wegen der vielen Krisen rund um die Welt einen Gewinneinbruch erlitten. Wie VW am Dienstag mitteilte, ist das operative Ergebnis quer über alle Automarken im Konzern um mehr als die Hälfte auf 8,9 Milliarden Euro gesunken. Die Umsatzrendite verschlechterte sich von knapp sechs Prozent auf 2,8 Prozent, der schlechteste Wert seit den Jahren 2015 und 2016, in denen der Dieselskandal Europas größten Autohersteller erschüttert hatte.
Vorstandschef Oliver Blume sagte laut einer Pressemeldung, das Management habe den Konzern „in zunehmend globalem Gegenwind stabil in der Spur gehalten“. VW müsse aber weiter konsequent die Kosten senken, um auf politische Spannungen, Preiskampf und Protektionismus zu reagieren.
VW-Chef Blume stellt für 2026 einen stabilen Umsatz in Aussicht
Für das laufende Jahr stellt er einen stabilen bis leicht steigenden Umsatz in Aussicht, die Rendite soll sich auf vier bis 5,5 Prozent verbessern. Wie zuletzt regelmäßig, wird die Prognose unter dem Vorbehalt gestellt, dass sich die derzeit gültigen Zollsätze im internationalen Handel nicht stark verändern – eine Reaktion auf Trumps Protektionismus, der die Planung für die exportorientierte deutsche Wirtschaft stark erschwert.
Der Gewinn des vergangenen Jahres ist durch viele Sondereffekte geprägt. Besonders stark schlug die angestoßene Sanierung der Sportwagenmarke Porsche ins Kontor. Sie belastete das Ergebnis auf Konzernebene mit Sonderkosten in Höhe von rund fünf Milliarden Euro. Amerikas neue Einfuhrzölle summierten sich für VW auf eine Last von rund drei Milliarden Euro. Auch die Neuausrichtung von Audi und der Software-Einheit Cariad kosteten hohe Summen.
Über die Auslieferungen hatte VW schon im Januar berichtet, sie hatten vergangenes Jahr abermals leicht nachgegeben und waren auf weniger als neun Millionen Fahrzeuge gesunken. Der Umsatz stagnierte bei 322 Milliarden Euro. Die Zahl der Beschäftigten rund um die Welt lag bei etwa 663.000, ein leichter Rückgang gegenüber dem Vorjahr. Darin schlagen sich schon die ersten Folgen des Stellenabbauprogramms nieder, dass VW in Europa gestartet hatte und das derzeit mit Hochdruck umgesetzt wird.
Die schlechte Ertragslage im Konzern, besonders in der Sportwagenmarke Porsche, die Blume bis zum Jahreswechsel parallel zu seinem Posten als VW-Konzernchef geführt hatte, schlägt sich auch in der Vergütung des Vorstandsvorsitzenden nieder. Wie aus dem Geschäftsbericht hervorgeht, ist sein Jahresgehalt auf etwas mehr als sechs Millionen Euro gesunken nach neun Millionen Euro im Vorjahr.
Kein Bonus für Blume als Porsche-Chef
Die erfolgsabhängigen Zahlungen aus Blumes Arbeit an der Spitze von Porsche sanken auf Null, zudem verzichtet der VW-Konzernvorstand auf 11 Prozent seiner Vergütung. Daraus ergibt sich im Fall Blumes ein Verzicht von rund einer halben Million Euro. In Summe verzichtet die oberste Führungsriege auf 3,5 Millionen Euro. Weitere Details werden im Laufe des Vormittags auf der Bilanzpressekonferenz in Wolfsburg erwartet.
Das Thema ist heikel, denn die Diskussion um die Managementvergütung hatte zuletzt einige Wellen geschlagen. Der Mittelzufluss ist wegen vieler Eingriffe vergangenes Jahr etwas besser ausgefallen als gedacht, wodurch bestimmte Schwellen erreicht werden, die trotz der vielen Krisen Bonuszahlungen ermöglichen.
Der einflussreiche Konzernbetriebsrat hob in einer eigenen Meldung hervor, dass die Konzernmarken für vergleichsweise günstige Autos, also die Kernmarke VW und die Marke Skoda, relativ gut abgeschnitten haben und sogar mehr Gewinn einbrachten als die einstige Renditeperle Audi. Porsche dagegen verdiente im Jahr 2025 fast gar nichts mehr. Aus dem recht soliden Abschneiden der Marken VW und Skoda leitet der Betriebsrat nun die Forderung nach einer „Anerkennungsprämie“ für die Beschäftigten ab. Die Verhandlungen darüber liefen „vielversprechend“, lässt sich Betriebsratschefin Daniela Cavallo zitieren.
Mut macht laut dem Management, dass das Schlussquartal des abgelaufenen Jahres besser gelaufen ist als die Quartale davor, ein Momentum, das VW nun ins angelaufene Geschäftsjahr mitnehmen will. So sollen 20 neue Modelle auf den Markt kommen, viele davon vollelektrisch. Und auch der um 13 Prozent höhere Auftragseingang in Europa stimme optimistisch, heißt es. Der Preiskampf ist allerdings heftig, vor allem in China, wo VW zuletzt stark an Marktanteil verloren hat. Und auch die Expansion in Amerika läuft alles andere als rund.
Der Hauptversammlung im Juni schlagen Vorstand und Aufsichtsrat für das Geschäftsjahr 2025 eine Dividende von 5,26 Euro je Vorzugsaktie und von 5,20 Euro je Stammaktie vor. Das entspricht einem Rückgang von 17 Prozent gegenüber den Vorjahreswerten. Die Zahlung kommt vor allem der Porsche SE zugute, einer Holding, die mehrheitlich von den Aktionärsfamilien Porsche und Piech kontrolliert wird.
