Iran-Krieg: Trumps Rechnung geht nicht auf

Es ist nach zehn Tagen schwer, sich ein realistisches Bild von der militärischen Lage in und um Iran zu machen. Zu den Jubelmeldungen aus Washington passt nicht, dass es die Iraner weiterhin schaffen, ihre Nachbarn und Israel zu beschießen. Zur selbstbewussten Rhetorik aus Teheran passt nicht, dass der direkte Schaden dabei eher gering ausfällt.

Allerdings ist die Wahl Modschtaba Khameneis zum neuen Obersten Führer ein unmissverständliches Signal, dass das Regime nicht ans Aufgeben denkt. Das Venezuela-Modell hat bisher nicht funktioniert in Iran. Trump konnte trotz massiver Luftschläge nicht verhindern, dass die Führung des Landes an einen Mann überging, den er ausdrücklich abgelehnt hatte.

Beide Seiten haben einen Nachteil

Wird sich daran etwas mit zunehmender Dauer des Krieges ändern? Es dürfte auf beiden Seiten auch von technischen Voraussetzungen abhängen, Stichwort Munition. Jede Seite hat aber einen strategischen Nachteil. Die Iraner verlieren an Schlagkraft, wenn ihnen immer mehr Waffen weggeschossen werden. Die amerikanisch-israelische Allianz wiederum kann den Lauf der Dinge ohne Bodentruppen nicht ausreichend kontrollieren.

Im Grunde ist auch Trump wieder mit einer Situation asymmetrischer Kriegsführung konfrontiert, an der der Westen in jüngerer Zeit so oft gescheitert ist. Iran ist seinen Angreifern weit unterlegen und weicht deshalb auf andere Ziele aus: Amerikas Verbündete, die globalen Ölmärkte, letztlich die öffentliche Meinung in den USA. Ausgang offen.